1. Mai, der Tag der ArbeiterInnen, nicht der Arbeit

Die Formulierung soll schon so sein, Arbeiter und Arbeiterinnen. Nicht Arbeit. Arbeit gibt's genug, die braucht keinen Feiertag. Die Arbeiter - ich erlaube mir, diesen Begriff zu wählen für den Job, nicht fürs Geschlecht - sollten sich an dem Tag Gedanken machen, wie sie sich organisieren wollen, um die Herausforderungen der Wirtschaftswelt zu meistern.

Die Krawallmacher lasse ich aussen vor. Solange die sich nicht erklären, was sie wollen, sind Gedanken an sie verschwendete Energie.

Die Arbeiter jedoch, denen möchte ich ein Kränzchen winden. Sie gehen täglich an ihre Arbeitsstellen, leisten eine wenig bis höchstqualifizierte Arbeit, sprich, sie geben 9-12 Stunden ihres Lebens pro Tag her zur Erzeugung irgendwelcher Materialien, Lebensmittel, Dienstleistungen, Maschinen etc.

Unter anderem zur Erzeugung jener Luxusgüter wie Villen, Yachten, Karossen, Gärten, die die Leute der Teppichetagen sich mit ihren völlig abgehobenen und menschenverachtenden Salären dann leisten können. Gäbe es die Arbeiter nicht, hätten die nichts, wofür sie ihr Geld ausgeben können.

Die oben müssen erkennnen, dass sie nichts sind ohne die unten. Völlig abgedrehte wie die Herren, die ab 5 Mio. pro Jahr sich zuschanzen, sollten wirklich mal im Rollstuhl leben, wie die aktuelle Plakatwerbung hier in der Schweiz vorerst mal einige Bundesräte darstellt.

Natürlich ohne, dass man sie erkennt, einfach so, unerkannt als Rollstuhlfahrer - ausgeliefert ihren eigenen Fähigkeiten, den Möglichkeiten der Umwelt, der Hilfsbereitschaft der Mitmenschen.

Es ist mir ein Rätsel, mit welcher, auch von anderen Menschen nachvollziehbaren Begründung Ospel, Grübel, Vasella und Konsorten ihr Einkommen rechtfertigen. Selbst wenn sie die ihnen gleichermassen gegebenen 24 Tagesstunden und ihre möglicherweise besseren geistigen Fähigkeiten effizienter nutzen, so doch sicher nicht Tausende von Malen besser.

Aber eben, sie fertigen sich ja ihr eigenes Recht an. Ihre Wahrnehmung ist bereits derart gestört, dass sie aus diesem Zwang fast nicht mehr rauskommen. Total vergessen, was sie sind, pathologisch eigentlich.

Denn was sie eben nicht mehr wahrnehmen, nicht sie selbst haben sich diesen Posten verschafft, sondern ganz andere Einflüsse. Nun, wo sie an der Position sind, können sie nicht mehr loslassen. Das bekannte Peterli-Prinzip, wonach man solange befördert wird, bis man das Niveau der eigenen Unfähgikeit erreicht hat, ist hier offensichtlich. Was haben sie denn vergessen?

Sicher mal, was es bedeutet, Mensch zu sein. Da sind sie zwar nicht die einzigen, doch die Verbundenheit mit anderen Menschen ist ihnen abhanden gekommen. Das beginnt jeweils bei der eigenen Familie und endet bei denjenignen, die das tun, dem sie dann als Chef vorstehen.

Keine einzige Bank wäre etwas, wenn es nicht Tausende von Arbeitern gäbe. Keine Chemie etwas ohne ihre Leute. Diejenigen machen ja die Produkte, die erzeugen die Qualität, setzen ihre Energie ein.

Ein Kapitän ist zwar verantwprtlich fürs Schiff, aber das Schiff wurde von Werftarbeitern gebaut, nicht von ihm. Er hat nur die Rolle des Chefs. Eine Führungshierarchie muss es schon geben, damit die Leute klar ausgerichtet werden können auf das gemeinsame Ziel. Aber die Rolle des Chefs ist nur eine Rolle, wie die des Abteilungsleiters. Der Mensch, der diese Rolle ausfüllt, ist nicht besser und nicht schlechter als andere Rollenspieler.

Die meisten der Abgespacten halten sich für besser, halten sich für wichtig, dabei sind sie es nicht. Kann der Kapitän den Schiffsdiesel wieder starten, geschweige denn reparieren? Kann Vasella nur schon eine einfache Kopfwehpille entwickeln, geschweige denn jemanden wirklich heilen? Ich denke nicht.

Also, Arbeiter, erinnert Euch, dass Ihr gemeinsam die seid, die das Schiff bauen. Wenn Kapitäne arrogant werden und wie bei der Titanic grössenwahnsinnig über Realitäten hinwegsehen, dann müsst Ihr schon dafür sorgen, dass solche Kapitäne abgesetzt werden. Denn sonst geht das Schiff unter.

Was heisst "Schiff untergehen" in der Arbeitswelt? Nun, das könnte soziale Unruhen, Amok-Läufe, Spannungen aller Arten, gesteigerte Härte im zwischenmenschlichen Umgang, Working Poors, Burnouts, psychische Krankheiten etc. sein.

Selbst eine bewachte Supervilla eines dieser Asozialen kann einem Ansturm von aufbebrachten Irrläufern nicht standhalten. Ob die das wohl wissen?

Ich fordere seit langem, dem irren und ungesunden und vor allem immer steigenden Druck des aktuellen Wirtschaftssystems zu entgehen, in dem man sich bewusst entzieht. Das geht, hat natürlich einige Konsequenzen, aber es geht. Oder man schafft sich eben Loyalitäten, anders gesagt Gewerkschaften, die die Position der Arbeiter vertritt, während dem diese ihre Arbeit machen.

Wenn die SVP nun aufgrund der Krawalle tatsächlich den Tag der Arbeit als freien Tag abschaffen will, zeigt das nur, dass sie möglicherweise schon Schiss haben vor der Macht eines konzentrierten Gruppenbewusstseins, was die Gewerkschaft ja darstellt. Typischerweise seien die Gewerkschaften ja in der Schweiz eher schwach im Vergleich zu anderen Ländern. Kein Wunder, der vermeintliche Reichtum des Landes hat natürlich auch Arbeiter faul gemacht und eingelullt. Drum erlauben diese es wohl den Chaoten, ihren Tag zu verhunzen.

Wer sagt das alles? Ich, der ich ein selbständig Erwerbender bin, der keiner Partei, keiner Gewerkschaft angehört. Der aber im Alltag Kontakt mit Arbeitern hat und es gerne sieht, wenn es Arbeitern gut geht, ohne wirtschaftliche Existenzängste, nicht als Working Poor, sondern als Mensch mit Fähigkeiten, die er seinen Möglichkeiten entsprechend entwickeln kann UND sich sein wirtschaftliches Auskommen erarbeitet. Der aber immer noch weiss, dass er Arbeiter ist und auch seine Arbeit und deren Resultat nicht alleine nur von ihm erschaffen wird. Der also den anderen würdigt und sich so bescheiden benehmen kann, weil er jedesmal wieder erkennt, die Gemeinschaft ist es, die etwas erschafft.

Kein Mensch kann etwas Grosses erschaffen, nicht mal Jesus oder Mohammed oder wie sie alle hiessen, konnten das. Ohne Mithilfe ihrer Arbeiter, sprich Anhänger, wüsste wohl heute keiner mehr was von ihnen.

Also, Arbeiter, besinnt Euch auf Eure Wichtigkeit und setzt mal soviel Dampf auf, dass es die Propfen oben mal vom Sitz jagt.

Ich weiss, klingt sehr marxistisch. Ich hatte halt Marx und Engels gelesen. Meines Erachtens hatte Marx viel Wahres erkannt, jedoch halt auch einige Dinge am Menschen verkannt. Doch in unserer wirtschaftlichen Welt scheinen mir einige marxistische Ideen wirklich sehr dringend angezeigt zur gesellschaftlichen Diskussion.

In diesem Sinne:

Ceterum censeo: Think globally, act locally.

Immer wieder Amokläufe

Letztens in Baden, heute wieder in der USA - Amokläufer erscheinen und haben viel Presse. Ist es nur die Presse, die solche emotionalen Überläufe ins Extreme überproportional mitteilt? Dies wäre an sich nicht so wichtig, wir wissen ja Only bad news are good news. Der ist ja nicht neu, kann man drum trotzdem schliessen, dass die Amokläufe zunehmen? Hier und jetzt will ich nicht über den Traditions- oder Starrsinn der Schusswaffen-Lobbies ausschweifen, denn in einem Punkt haben sie jeweils schon recht, die Waffe wird benutzt von einem Menschen. Sie alleine bringt niemanden um. Mir geht's wie üblich um den Ausgleich der Emotionen.

Was sie uns allen zeigen sollten, ist, dass der Druck, dem sich Leute unterwerfen, offenbar weitum grösser ist oder wird, als wir bemerken. Dies sollte eigentlich jedem Beobachter die Wahrnehmung schärfen, denn man könnte - meines Erachtens - sehr wohl solchen Personen ein Ventil anbieten, das sie nutzen können.

Wie bringt man es ihnen bei, ohne den Eindruck zu erwecken, man wolle sich einmischen - obwohl man es natürlich tut? Es ist wohl die Gratwanderung, den richtigen Zeitpunkt zu erwischen, denn schliesslich muss das Gegenüber ja bereitwillig sein, sich seinen eigenen Schwierigkeiten zu stellen. Das fällt diesen potentiellen Amokkandidaten ohnehin schon schwer, sonst wären sie ja keine.

Hier gilt das Prinzip der Annährung an seine Realität. Wenn wir uns vorstellen, dass jeder Mensch wie in einer dieser aufgeblasenen körperumhüllenden Spasskugeln herumläuft, so ist klar, dass ein Mensch einem anderen üblicherweise nicht wirklich nahe kommt. Die Sicht auf die anderen ist durch die Plastikhülle eh verzerrt oder gar wegen Flecken ganz vehindert. Annähern an die Realität des andern heisst also wirklich, sich aus der eigenen Plastikkugel hinauszuwagen. Das ist nicht ganz einfach, denn die Plastikhülle ist eventuell noch sehr steif, hart oder unflexibel. Schliesslich haben wir sie aufgebaut, dasmit sie uns schütze. Eine Mauer hat halt immer zwei Aspekte, sie schützt vor dem Draussen, erschwert aber auch das Auskundschaften des Draussens.

Wenn man so einen Menschen hat, der sehr unter der eigenen Mauerstärke leidet, die es ihm eben vor allem nicht mehr erlaubt, hinauszugehen, neuen Raum zu finden, so gilt es für den Beobachter, das zu tun, was der Eingeschlossene gerne tun möchte. Wenn ich das finde, egal was es ist, so kann er sich hinter seiner Mauer wiedererkennen in dem Äusseren. Und für diesen kleinen Zeitraum ist die Mauer weg, denn es darf klar sein, die Mauer ist ja nur ein geistiges Konstrukt seines Erbauers.

Das kann mal bedeuten, dass man einfach mal an seiner Statt weint. Das kann oft wundersame Wirkung haben. Eigene Erfahrung.

Was ist dabei die Leistung des Eingeschlossenen? Einfach mal loszulassen, bereit zu sein, das, was da ist, endlich mal abzulassen, wie das dreckige Badewasser. Klingt einfach, ist aber wirklich eine grosse Leistung des Eingeschlossenen.

Was ist dabei die Leistung des Beobachters? Eben, die Wahrnehmung, das Einfühlungsvermögen in einen anderen Menschen und auch seine Bereitwilligkeit, diese Fähigkeiten für andere Menschen einzusetzen, und zwar genau dann, wenn der andere es nötig hat. Das bedeutet auch primär, Zeit für andere aufbringen zu wollen. Ob man das kann? Das ist halt genau die Entscheidung, die jeder selbst treffen kann. Jeder hat 24 Stunden pro Tag, deren Aufteilung liegt in seinem Ermessen, auch wenn es oft scheint, als ob unser Tag zuwenig Stunden hätte. Wie die Mauer ist auch dies eine Illusion, wenn auch oft eine starke ... :-)

Wen würden Sie einstellen? Den Spezialisten oder Generalisten?

Heute wurde ich mit einem interessanten Gedankenspiel konfrontiert. Wenn Sie als Entscheider zwischen zwei Leuten, die sich um dieselbe Stelle bewerben, entscheiden müssten, wen nähmen Sie? Den Spezialisten oder den Generalisten?

Einen Menschen also, der sich ausgebildet hat, der fast alles weiss über das Thema, oder einen, der noch nicht viel darüber weiss, der sich aber eventuell schnell anlernt?

Wenn man den Menschen nicht persönlich kennenlernt, worauf würden Sie achten? Worauf, wenn Sie ihn kennenlenrnen? Und wie gehen Sie mit dem Risiko um, dass Sie sich täuschen?

Ich finde, es ist spannend die Überlegungen der Entscheider mitverfolgen zu dürfen. Ob die Entscheider überhaupt vorurteilslos sein können, welches Menschenbild sie vertreten und ausleben und wie sie mit der eigenen Unzulänglichkeiten, Abhängigkeiten im Job umgehen.

Ich selbst habe oft schon die Erfahrung gemacht, dass ich keine Chance hatte, wenn ich mich nicht persönlich vorstellen durfte. Durfte ich es, hatte es meistens einen sehr guten Kontakt gegeben, selbst dann, wenn daraus kein Auftrag erwuchs. Es ist zumindest befriedigender, wenn ich die persönliche Chance erhielt. So konnte ich immerhin sagen, sie hatten mich wahrgenommen und nicht einfach anhand vorhandener oder abwesender Zertifikate abgeleht.

In meiner Laufbahn hatte ich oft die Chance, Zertifikatsträger und solche ohne zu beobachten. Die Gelehrten sind nicht immer die Besseren, erst das Tun - also die Praxis - zeigt es halt wirklich. Welcher Entscheider gibt einem Aspiranten jedoch diese Chance, sich im Tun zu beweisen?

Ich hoffe, dass Sie, sollten Sie in diese Lage der Jobbewerbung kommen, diese Chance erhalten dürfen. Denn dann haben Sie meistens selbst in der Hand, ob Sie den Job bekommen ...

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