Weshalb diese Faszination an der KI?
Letztens sah ich einen VT-Video, dessen Titel KI-Schwindel heisst.
Finde ich amüsant. Ich schrieb ja einige Male schon über KI und meine Erfahrungen damit.
Für mich ist die KI nicht Faszination, es ist ein sehr hilfreiches Werkzeug.
Deshalb stelle ich hier die Frage:
Haben wir eigentlich dieselbe Faszination für jedes der tausenden von Babies, die auf die Welt kommen?
Staunen wir da auch so naiv darüber, dass sie die Sprache der Eltern lernen? Dass sie laufen lernen? Dass sie denken lernen? Dass sie mit der Zeit aufgrund der eigenen Erfahrung und Geschichte komische Texte rauslassen?
Wohl kaum. Es ist natürlich, normal für uns, wir sind es gewohnt, weil wir ja selbst so gewachsen sind. Vielleicht sollten wir staunen, aber das ist eine andere Geschichte ...
Was kann also KI überhaupt machen? Solange die KI keine Eigenmotivation entwickelt, ist es eben doch nur eine grosse Suchmaschine, die zwei unserer Sinne bedienen kann. Sie kann texten, sprechen und sehen und zeichnen, also Audio und Video.
Mehr nicht, aber das ist natürlich schon viel im Vergleich zu früher. Denn Sprache, Sprechen und Hören sind unsere intellektuellen Kommunikationsmittel. Sie sind für uns natürlich. Alles, was "dümmer" ist, ist mühsam für uns zum Kommunizieren.
Für mich ist die KI nur das Interface, das endlich auf Augenhöhe mit mir kommunizieren kann. Das Mindeste also, um als Computer überhaupt nützlich zu sein. Ich sage das als einer, der sich 40+ Jahre mit Computern beschäftigt haben. Sie waren toll, aber im Prinzip in der Interaktion mit mir schlechter als ein Neugeborenes.
Menschliche Kommunikationstechnik haben die Computer jetzt erreicht. Das nennt sich KI. Toll. Toll? Toll! Aber eben nicht mehr.
Können wir damit umgehen? Klar, können wir mit komisch sprechenden Menschen umgehen? Klar. Alltag. Immer sagt mal einer etwas, was uns passt oder nicht. Warum fasziniert viele die KI mehr als der Mensch nebenan? Ist sie "besser"? Der Biologische "schlechter"?
Die KI wird - wenn sie sich energietechnisch rechnet - zur allwissenden Ein- und Ausgabemaschine für das digitalisierte Informationsmeer der Welt.
Dass die KI wohl so faszinierend ist, kommt wohl daher, dass wir hier nach Aussen schauen in den Spiegel der eigenen Existenz. Statt sich im anderen Menschen gespiegelt zu sehen - was wir ja doch machen müssen - sind wir fasziniert, wie sich doch die KI uns selbst annähert.
Der tierische Intelligenztest, den wir Menschen arroganterweise als Methode sehen, den Tieren Intelligenz zu attestieren, geht ja so, dass man einem Tier (auch Menschenbaby bis zu einem gewissen Alter) einen farbigen Punkt auf die Stirn malt, und es dann vor einen Spiegel laufen lässt. Dann beobachtet man, ob das Tier versteht, dass es sich selbst sieht und den farbigen Punkt wegmachen will an seinem Körper, nicht an dem Bild im Spiegel.
Wenn ein Tier / Baby das macht, dann gilt es als intelligent. Aha. Babies vor dieser Fähigkeit sind dann was?
Die KI ist also bisher nur das erstmalig brauchbare Man-Machine-Interface. Und wie ich andernorts schrieb, bin ich als Software-Entwickler uhuere froh darum. Doch das würde nicht reichen, mir eine Hilfe zu sein, wenn sie halt nicht das gesamte (öffentliche) Programmiererwissen der Welt gefressen hätte.
Man konnte ja auch früher schon Lösungen finden. Es war bei vagen, unklaren Problemformulierungen halt extrem mühsam und zeitaufwendig.
Ob man deshalb KI als Schwindel abtun muss. Nein. Dass der Mensch sich ihr hingibt, geheimste, privateste Dinge ausplaudert, ist doch logisch: Wir könnten das mit einem anderen Menschen auch - müssten es wohl auch, je nach Leidensdruck. Und tun es nicht. Wieso eigentlich.
Der KI aber dumpen wir unseren Emotionalrucksack. Weil sie mittlerweile liest, hört und sieht. Weil sie einfach abhört. Was de facto beichten ist. Priester aller Religionen machen nur das. Und schweigen über das Gehörte.
Es ist mir schon klar, dass diese Art der Umgang mit Computern verführerisch ist. Doch bei mir hat sich noch nie der Wunsch ergeben, der KI meine "geheimsten" Ängste, Wünsche und Vorstellungen mitzuteilen. Es ist nur eine Maschine, keine Empathie, kein Gegenüber, das eigene geheime Ängste, Wünsche und Vorstellungen hat, die es selbst meint, geheimhalten zu müssen, weil sie ja so eh kein anderer hat.
Dass dies falsch ist, weiss jeder, der psychologische Unterstützung anbietet. In meiner diesbezüglichen Selbsterfahrung und "Abhören"-Erfahrung zeigt es sich so. Fast alle meinen, sie hätten höchstpersönliche unmitteilbare Dinge, die auf der Seele brennen. Und drum verheimlichen sie sie. Was für eine Erlösung, wenn sie bemerken, dass es anderen ähnlich geht.
Solche Dinge nennt man ja Tabus. Es scheint, dass überall auf der Welt noch drei Tabus existieren, in denen viele bei Fragen dazu zurückschrecken:
Geld, Glaube und Sexualität
Wer's nicht glaubt, einfach mal fragen in lockerer Runde: "Woran glaubst du wirklich?", "Wieviel Geld verdienst du?", "Welche sexuell 'abartigen' Vorstellungen und Wünsche hast du?" Oder besser noch, sich selbst fragen, dann erst die anderen.
Es sind doch nur Informationen - und doch, selbst wenn man sich selbst vor den Spiegel stellt: Wage ich es mir zu sagen, dass ich eigentlich gerne ...." machen würde? Ich persönlich hätte hier nun mit Leichtigkeit meine sexuellen Phantasien hinschreiben können. Doch meine Erfahrung lehrte mich, dass solche Offenheit schaden kann.
Die KI ist noch kein Mensch, wird wohl auch keiner, denn ihr fehlt unsere Unperfektion, unser Geist, unsere Emotionen, unsere versteckten Ängste, Wünsche, Triebe, Vorstellungen aller Art, die wir nicht meinen, teilen zu können oder zu wollen.
Daher stammt für mich die beobachtbare Faszination an der KI. Mehr nicht.
Gut, ich bin mit den Computern aufgewachsen, ich verstehe (fast) alles um sie herum. Und seit mehr als 30 Jahren bin ich spirituell genauso interessiert.
Mir ist nichts Menschliches fremd. Ich bin ja einer ... :-) Und deshalb unterstütze ich diejenigen auch, die sich selbst erkennen möchten. In sehr kleinem Rahmen, mit garantierter Verschwiegenheit. Ich kenne mich doch, ich Pappenheimer :-)
Ob die KI also ein Hype ist? Ich denke schon, sie ist derzeit eben die Projektionsfläche aller unserer geheimen Ängste, Wünsche und Vorstellungen.
Wenn die Ent-Täuschung kommt darüber, dass die KI doch nichts anderes ist als jener Besserwisser, dem man sowieso immer unterlegen ist, dann ist die KI dort, wo sie hingehört:
das Man-Maschine-Interface zum Computer.
"Data, Scannen sie die Bioformen auf diesem Planeten, Anzeichen von Intelligenz?", "Aye, Sir"

