Verpackungswahnsinn: Beispiel Pomelo

Ich mag die Pomelo-Frucht sehr. Schon lange. In der Schweiz zumindest kommen die Pomelos unverpackt auf die Theken der Läden.

Neulich im Rewe kaufte ich wieder zwei Pomelos und war schon sehr enttäuscht - natürlich nicht ob der tollen Frucht, sondern ob deren Verpackung!

Nachfolgend ein Bild der Pomelo. Für die, die sie noch nicht kennen. Man kann schon erahnen, dass diese Frucht schon für sich alleine optimal ihr delikates Inneres schützen kann.

Die Schale ist bei der im Foto ca. 1cm dick, sie wird durch Wasserverlust beim Aufbewahren schon immer dünner, aber das süsssaure Saftige blebt dadurch laaange erhalten.

Aber nein, sie muss nochmals in einer Plastikfolie und dann noch in einem Netz verpackt werden. Wie kann man nur sowas machen ... man möge mir die Gründe für diese hirnlose Energieverschwendung erläuten.

Damit mir keiner komme, "depp, frisst mit der Pomelo ja eine exotische Frucht, lass das doch besser". Ja, weiss ich, diese Pomelo kam aus China, die Dinger wachsen nicht bei uns. Schon klar.

Bei resourcensparendem Verhalten geht es nicht ums 100%ige Verzichten, sondern um das Eliminieren des Unnötigen, des Ballastes, des Bullshits.

Ich verstehe es nicht - wie ich auch nicht verstehe, wie Bio-Produkte in Cellophan verpackt werden. Klar, sie haben hoffentlich keinerlei Schutzmittel auf der Schale etc. Sie sind also nicht "haltbar" gemacht. Kommen die in Massen an und in Kontakt mit Sporen, Pilzen, Bakterien würden sie wohl sofort zu faulen beginnen. Also, was gewichtet nun stärker - weniger Pestizide versus Verpackung ...

Wie auch immer. Es fällt mir halt auf. Vielleicht frage ich mal das Personal, wenn ich das nächste Mal im Rewe bin.

BlockChain Alternative IOTA

Ich habe mich hier ja schon öfters über die BlockChain geäussert. Dass sie meines Erachtens ein Anstoss zur Diskussion neuer Datenstrukturen sein kann, aber niemals eine Lösung per se sei.

Da fand ich es sehr interessant, über den Artikel zu IOTA zu stolpern.

Darin wird die Alternative zur aktuellen Konsensfindung in der BlockChain nach einem Fork / Split aufgezeigt.Dadurch wird das energiefressende Hashen mit dem Noncen praktisch eliminiert. Das bringt statt nur gut 10 Transaktionen pro Sekunde gemäss Artikel bereits 10'000 Transaktionen pro Sekunde. Für eine weltweite Lösung immer noch zu langsam (im Artikel wird erwähnt, dass nur schon VISA alleine 70'000 pro Sekunde fahren könne).

Aber wenn ein Proof Of Concept und erste Softwaregeneration hier schon 1000x schneller ist als die BTC und erst noch skalieren kann, dann ist jene eigentlich schon tot.

Interessante Pausenlektüre. Und der Link zu IOTA direkt: IOTA.

Fair Food Initiative

Darüber wollte ich letztens schon mal was schreiben, jetzt kommt der Trigger grad, so dass ich es jetzt mache.

Kurz: Ich werde Fair Food annehmen. Wieso? Es hat bei mir gar nichts mit übertriebenem Schutz von Viechern, Natur und Gutmenschen zu tun. Ich habe anderswo schon argumentiert, dass die sogenannt zivilisierten Länder mit ihren Wirtschaftsstrategien die "Entwicklungsländer" zumindest niedergerungen haben. Das gilt für die EU erst recht.

Wenn per heute 78% der Schweizer Fair Food annehmen würden, ist das sicher etwas weltfremde romantisierende Träumerei. Denn wenn offenbar erst 10% Bio-Produkte kaufen, dann sind da wohl einige dabei, die sich das ganze noch nie wirklich durch überlegten. Diese Produktionsketten und Lebensgrundlagen sind sehr verzettelt und sie zu ersetzen bedarf des Augenmasses.

Auf der anderen Seite geben wir etwa 6% des Einkommens nur noch aus fürs (Fr)essen. Wenn man verzichtet, bewusst wählt, Saison-gerecht und erzeugerbewusst kauft, ginge wohl bei allen etwas. Mann/frau muss nicht Ananas haben, nur weil irgendwo auf der Welt Ananas angebaut werden. Und wenn, dann solche, die von Havelar oder anderen weiterverarbeitet werden. Apfel und Kartoffel dürfen nicht verschmäht werden, weil sie nicht perfekt durch die Schablonen passen.

Und dann dann Schlag-mich-tot-Argument: Wie sollen wir das denn in den Produzentenländern überhaupt kontrollieren können. Tja, wenn die Produzenten mehr verdienen, werden sie sich den Regeln wohl gerne unterordnen, ist ja zu ihrem Besten. Und dies könnte bekanntlich wie in allen Schweinezyklen auch eine Sogwirkung generieren. Wir müssen halt dafür sorgen, dass nicht die Zwischenhändler absahnen, sondern die Produzenten unseren Goodwill wirklich zu spüren bekommen.

Wenn wir als Schweiz an unseren Grenzen kontrollieren, was reinkommt, dann haben wir das im Griff. Schliesslich können wir ja auch sonst jeden beliebigen Schrott kontrollieren. Grauimporte wird es immer geben, aber dann macht der Produzent auch am Beschiss mit, und gegen diesen Fall ist eh nie ein Kraut gewachsen.

Dass man chemielastige, umweltschädigende Monokulturproduktionen eliminieren, Food-Waste verhindern, den Food-Snobismus ächten muss, ist vielen sicherlich aus verschiedensten Gründen klar und einsichtig. Das ist das, was jeder hier im Lande tun kann. Wir als Schweiz können es uns wohl aber auch leisten, an den Grenzen zu filtern: Wir können den Impuls an die Produzenten weitergeben, dass dieselben Imperialisten, die die lokale Landschwirtschaft zerstörten, nun doch eine Verbesserung wollen. Von mir aus unter dem Titel der Food Qualität und dem erwachten Konsumentengewissen.

Wer - wenn nicht die reichen Importeure - können den Food-Irrsinn überhaupt wieder in förderliche Bahnen lenken? Natürlich, die Produzentenstaaten sind souverän - sie könnten es. Aber, die Entwicklungshilfe, die sanften oder groben wirtschaftlichen Sanktionen belehren die eventuell schnell eines Besseren. Man beobachte ja nur, wie der Trump-Elefant sich im Porzellanladen aufführt ... einfach weil ihm keiner auf die Pfoten hauen kann oder will.

Und in Afrika, ob das in nächsten Generationen hinhaut? Denn immerhin sollte jeder Mensch auf dieser Welt - egal wie er wo lebt - sich zumindest einmal Gedanken machen, was das für ein Platz ist, die Erde. Und ob die alles mit sich machen lässt - und wenn nicht, wie wird es einen selbst betreffen, wenn es eben knapp wird ...

Aus dieser Sicht, dass man meinem Lieblingsspruch gemäss - Think globally, act locally - sich eben immer am grösseren Bild orientieren soll, habe ich keine Mühe damit, dass meine Food-Vielfalt nicht so gigantisch ist, denn ich kenne mich ja: Mein Alltagsfood ist mehr oder weniger auf höchstens 30 Produkte beschränkt. Selbst wenn ich etwas davon, weil teurer, mal streichen müsste, fällt mir deswegen kein Zacken aus der Krone. Es ist eben ein Trugschluss, dass wir Reichen immer alles zu jederzeit haben können. Weil diese Anspruchshaltung existiert, gibt's den Food-Waste. eine simple, arrogante Dekadenzerscheinung.

Ich bin gespannt, was sich wie ändern wird, wenn Fair Food angenommen sein wird. Dieses Experiment müssen wir uns als reiche Schweiz leisten wollen.

DSGVO - GDPR => PIA

Die DSGVO (engl. GDPR) ist ab heute in der EU zu befolgen. Da bin ich ja grad froh, dass die CH noch nicht alles der EU schlucken muss. Wie kann man so ein Schrott wirklich durchsetzen wollen - besser: können. PIA, übrigens, die Abkürzung zum amerikanisch-blumigen Pain In the Ass. So nützlich wie Hämorrhoiden halt.

Ich meine das so: Ein Gesetzeskrüppel, der auf Ideen und Erfahrungen des letzten Jahrtausends (!) basierend die heutige, sich rasant entwickelnde, mobile IT-Welt beschneidet. Anders kann man das nicht nennen.

Der Schutz von personenbezogenen Daten war ja mal ok, weil es gegen die Datensammelwut des Staates und vieler Firmen hilfreich sein sollte. Ich kenne Beispiele, wo die nicht vorhandene Auskunftspflicht manchen realen Geschäftsverlust bewirkte: Weil die gesammelten Daten schlichtweg falsch waren.

Damals gab es noch keine Smartphones, also keine Computers, die wir praktisch rund um die Uhr mit uns rumtragen. Ein Computer war damals nicht personenbezogen, denn man trug den nicht rum, man hatte sein soziales Leben nicht auf ihm abgebildet in Datensammlungen. Wie auch, der PC hatte meistens ja keine Kamera, GPS erst recht nicht - und eben, es war im besten Fall ein Schlepptop, kein Phablett. Und telefonieren konnten nur die wenigsten damit.

So war die DSGVO ausgerichtet auf den stationären PC. Wenn nun aber Profilerstellung und Verknüpfung der verschiedensten Aspekte des digitalisierten Lebens ja erst gerade *wegen* des Smartphones möglich wurde, praktisch überall gegen die DSGVO kollidiert, so darf man sich schon fragen, was denn das Resultat der DSGVO sein soll.

Derzeit füllt sich bei mir die Inbox von Texten, die einfach sagen "Ja, wir befolgen die DSGVO" über "Log dich ein, um zu akzeptieren" bis zu "Du musst dich neu registrieren".

Das ist sehr mühsam. Und vor allem: Was ändert sich denn? Dass ein Service beliebiger Couleur Daten speichern muss, ist doch den Benutzern klar. Jetzt muss ich allen nachrennen um zu bestätigen "ja, macht gefälligst weiter, ich will euren Service."

Cambridge Analytica und Facebook haben ja bewiesen, dass dem Gigant Facebook weder in der USA noch in der EU beizukommen ist. Die stereotypen Äusserungen von Zuckerberg zeigen doch: Bei meiner bestgemeinten Neutralität seiner Person gegenüber: Wer scheisst denn den zu mit Kohle? Die Industrie, weil sie an die Kunden rankommen wollen - personenbezogene Werbung. Dass Zuckerberg irgendwann Zugriff gegen Geld auf "seine" Daten zulässt, ist doch logisch. Und wer soll das beenden? Leute aus der Industrie? Die selbst Werbung auf FB machen? Da hackt doch eine Krähe der anderen kein Auge aus ...

1993 habe ich in IT-Schulungen begonnen, den Vorbehalt den Studenten zur Kenntnis zu bringen, dass mit Computern alles möglich ist. Und wenn was möglich ist, wird es gemacht. Ob jemals ruchbar wird, dass etwas gemacht wurde, steht ja auf einem anderen Blatt. Cambridge Analytica konnte sein Geschäftsmodell ja unbehelligt aufbauen. Wäre Trump nicht so ein polarisierender Typ, wäre CA jemals aufgeflogen? Bzw. der Datenselbstbedienungsladen FB?

Wie auch immer: Als die DSGVO geplant wurde, waren weder Smartphones, noch Clouds, noch Location-Services (GPS), noch Machine Learning, noch Face-Recognition noch vor allem die Like-Buttons vorhanden. Das erste, alles umwälzende iPhone erschien 2007!

Und meines Wissens ist es halt wirklich so, dass erst mit dem iPhone diese Smartphonitis zu grassieren begann. Diese Entwicklung war wohl nicht exakt vorherzusehen, da ja nicht Apple das smarte Telefon erfand, sondern Nokia. Aber Jobs hatte halt das Händchen, das Smarte in einem hübschen Gewand mit Streichelfaktor unter der Religionsmarke Apple unters Volk zu bringen.

So ist eigentlich alles, was wir heute machen, vor allem wenn wir es mit dem Smartphone machen - was bei vielen ja schon fast alles umfasst -, eine personenbezogene Datenverarbeitung.

Was nützt es da denn, wenn ich alles halt abnicke? Wenn da drin steht, dass Firma XY damit AB macht, was kann ich wirklich machen? Mit der DVSGO könnte ich, wenn ich wollte ... den Verknüpfungen nachgehen. Da bezweifle ich aber, dass das die allermeisten interessiert. Dass die Leute ja im Internet eh freizügig sind, wussten wir schon vorher. Wird sich diese Mitteilsamkeit ändern? Wohl kaum. Aber die Administrationslast auf Diensten, die was anbieten, ist halt gross geworden.

Gerade hat eine TV-Sendung als Beispiel eine mittelgrosse Käseproduktionsfirma genannt, die nun bis zu 15 Leute habe, die sich (teilzeitig) um die DSGVO-konforme Abhandlung von Daten kümmern müssen.

Aktivisten meinen gar, dass sie den Grossen der Branche, FB, Google, Amazon in die Hände spiele, da sich die schon mit dem Gesetz rumschlagen können. Aber Grassroot Dinge, die im Internet ja gang und gäbe sind, würden so im Keim abgewürgt.

Nun, die DVSGO tritt jetzt verbindlich für alle Betroffenen in Kraft. Und aus Deutschland kennen wir die Saubannerzüge der Abmahnindustrie. Davor haben wohl viele Schiss. Und lassen es vielleicht grad sein. So werden die Kleinen vielleicht gar nicht mehr interagieren können als Datenverarbeiter, sondern halt nur noch unidirektionale Dinge abliefern können. Eine Verarmung des doch recht demokratischen Internets sei die Folge, noch mehr Meinungsmache nur durch die Grossen.

Ein Impressum musste man ja sowieso schon länger haben, aber wenn einer wie ich in meinen Blog Google Analytics verwendet, muss ich dann Google zu einem Vertrag mit mir zwingen, sollte ich Kommentare in irgendeiner Form Google zukommen lassen, weil der Google Spider meinen Blog indiziert, weil ein Leser einen GA Call auslöst? Und möglicherweise eine Email-Adresse eines Kommentators mitbekommt? Das ist ja nicht so, denn es sind keine Email-Adressen von Kommentatoren im Quelltext dieser Blogwebseiten erkennbar, und an die Datenbank kommt Google ja nicht ran.

Dass man ein Auskunftsrecht hat, welche Daten in welchem Umfang wozu gespeichert sind, das haben wir in der CH auch schon seit langem. Klar, man musste halt nachfragen, was mit den Daten geschieht, wer sie wann wozu nutzt. Weil beliebige Verarbeitung nicht per se verboten war.

Die DVSGO verbietet das ja auch nicht, aber sie verlangt, dass ich bei Nutzung eines Dienstes nachschauen kann, was mit den Daten passiert. Das finde ich eigentlich das Beste, wenn die AGB denn schnell und übersichtlich zu lesen und zu verstehen sind. Das Verklagen, eben, das ist halt nun mit saftigen Strafen bewehrt. Das ist wohl das einzige Neue ab heute. In der EU.

Und ob Kraken wie FB und Google und Amazon ... man denke ja nur an Alexa etc ... sich wirklich in die Karten schauen lassen? Ich bin da sehr pessimistisch. Denn wenn die ihre KI-Netze lernen lassen wollen, brauchen sie ja die Masse unserer Daten. Und zwar wohl recht spezifische Trainingsdaten. Soll eine KI als Call Center Agent meine Laune zuverlässig erkennen und meine Aktionen vorhersagen können, muss sie doch irgendwie gelernt haben ... aus Datenprofilen. Klar, die kann man anonymisieren. Aber das ist ja nicht das Hilfsmittel. Profile helfen ja gerade, auch anonyme Leute zu identifizieren. Weil sie halt bei FB ev. noch anonym sind, aber bei Amazon Kreditkarte, Adresse und Vorlieben in Echt hinterlassen.

Die Kunst des Profil-Erzeugens ist ja gerade, aus verschiedenen Datenquellen ein Profil zu erstellen. Mir scheint, dass es da ein nur noch mittelgrosses Problem ist, eine Adresse zum Profil zu finden.

Ich mag mit all dem ja falsch liegen. Es ist nicht so wichtig. Ich bin einer von denen, die wissen, dass das Internet kein rechtsfreier Raum ist - dass es nur eine Frage der Zeit ist, wenn mich seine Speichergewalt einholen könnte. Also habe ich mich halt im Internet genau so benommen wie im realen Leben: Im Voraus überlegen, wem ich was wozu über mich preisgeben mag.

Nun, wir warten ja alle die ersten Gerichtsfälle zur DSGVO ab. Dann sehen wir, wie heiss die Suppe geschlürft wird.

March For Our Lives

Dank democracynow.org kann man ja eine andere Sicht auf Amerika mitbekommen hierzulande. Ich habe mir deren 4-stündige Berichterstattung zum March For Our Lives aus Washington D.C. angeschaut und fand sehr eindrücklich und berührend, was zu sehen war. Von der unbekannten 11-Jährigen bis zum berühmten Medienstar.

Die Genetik von Amerika scheint den Waffenbesitz von Generation zu Generation weiterzugeben. Vielleicht ist aber jetzt Schluss ... denn nun protestiert die Generation, die mit den Social Media aufwächst. Wenn Trolle noch mehr oder weniger unbekannt und unerkannt in den Sozialen Medien einen Narzissten zum Präsidenten machten, und es niemanden interessierte, so schreiten nun diejenigen hervor, für die Social Media genauso normal ist wie für eine frühere Generation das Mobile Telefon.

Diese jungen Leute wissen, wie sie Ihresgleichen erreichen ... denn sie sind die Profis der Sozialen Medien ... und es sind viele. Die alte Garde in den Machtzentren sollte diese fürchten, denn möglicherweise kann diese Aktion unpolitische Junge dazu bringen, sich genau für die Politik zu interessieren - um sie aufzumischen. Die sind richtig wütend. Und Wut ist eine enorme Macht, wenn sie förderlich gelenkt wird ...

Ich wünsche diesem Movement der Jungen, dass es durchhält und sich nicht weichkochen lässt. Damit in dieser Generation die Waffen-Gene zu rezessiven und schlussendlich ganz deaktiviert werden.

Denn die, die gestorben sind, die haben es hinter sich. Aber die, die überlebten, die haben traumatische Störungen für zumindest einige Zeit in ihrem Leben. Das Wort PTSD habe ich so viele Male gehört in der Sendung. Amerika erlaubt sich, eine Generation voller PTSDler heranwachsen zu lassen. Das kann auf deren Rücken zwar auch gut ausgehen, aber auch schlecht - wenn die irgendwann resignieren müssten ... denn die Paranoia, die sie nun ebenso mit sich tragen, kann schlimme Früchte tragen. Irgendwann ist das Fass voll.

Make America great again - ist sicher nicht der Spruch für Trump. Aber der Spruch für diese Generation und dieses Movement. Denn diese Jungen merken nun, wohin sie sich wohl entwickeln möchten ... die Amis haben ja auch das Inszenierungsgen - so dass deren Proteste für uns oft wie Volksfeste anmuten ... ich hoffe, dass es nur eine Verpackung ist, um Schwieriges in einer aufmunternden Art rüberzubringen. Es scheint mir diesmal, dass es nachhaltig sein könnte. Weil es die Jungen sind ... ich wünsche es mir und ihnen.

Wie einer sagte: "Today, this is not the climax, it's just the beginning."

Great!

Schweiz Waffenexport-Vize - ich schäme mich

In USA wieder mal ein Massaker an der Schule, das 19. seit Jahresbeginn vermeinte ich gehört zu haben. Diese unbegreiflichen und unverbesserlichen Amis.

Die Schweiz sei Vize-Exportmeister im Waffenbusiness. Diese unbegreiflichen und unverbesserlichen Schweizer.

Wann endet die Bigotterie des Ausblendens von Fakten?

Da ist mir der Trump bald lieber als die verlogene Wirtschaftspolitik. Dessen Ignoranz ist für wohl fast alle gut erkennbar.

Das Schweizer Parlament schmettert regelmässig Exportbeschränkungen ab, ja lockert bestehende sogar.

Henry Dunant gründete das Rote Kreuz. In dem Staat, aus dem die Garde des Papstes stammt. Woher das wohl kommt ... wir waren Söldner ... Krieger, und offenbar gut darin.

Doch eigentlich sollten wir diese Zeit überwunden haben. Und auch das Sandchästele ... hoffentlich ist dieses Scheinheilige nur noch ein Attribut der aussterbenden Generation.

Dafür schäme ich mich.

SBB Werbung

Derzeit macht SBB Werbung mit einem Chörli, das einem Menschen den Marsch singt, nachdem eine rüstige IT-affine Rentnerin den fragte, wieso er denn das Billet noch am Billetautomat kaufe statt mit der App. Er wolle halt seine Kreditkarte nicht angeben. Dem singt das Chörli die Hymne von der neuen Zahlungsmöglichkeit per Rechnung. Nett. Und doof. Wie wenn der nicht garantiert seine Kreditkarte schon dutzende Male für irgendwas Unbekannteres als die SBB irgendwo reingehackt hätte. Oder zielt die Werbung auf die verschwindend geringen Hardcore-KK-over-Internet-Verweigerer? Wow, dann viel Aufwand für wohl wenig Ertrag.

Ich finde die Werbung schon etwas kitschig und bieder ... aber das ist nicht der Grund, wieso ich das schreibe. Sondern der: Die App, die ich schon auch benutze, ist eine mögliche Preiserhöhung, wenn man Tageskarten kauft, weil sie die Mehrfachnutzung verunmöglicht.

Kaufe ich eine solche auf der App, ist das Ticket auf der App und personalisiert. Keine Weitergabe möglich.

Kaufe ich das Ticket am Automat, ist es genauso gültig, aber nicht personalisiert. Das soll auch so bleiben.

So kann ich das Ticket jemandem weitergeben, der es auch benutzen kann. Die App ist also eine "versteckte Preiserhöhung" ... in einem Haushalt mit mehreren Personen spart das Papierticket also schon gelegentlich mal Transportkosten.

No Billag? Der Markt wird ganz sicher nicht das Versprochene bringen

No Billag ist etwas Zwiespältiges. Ich finde 465.- jedesmal zuviel - wohl, weil es halt aufs Mal kommt. Aber ich kann auch nicht der Maxime zustimmen, der Markt würde die Qualität schon erhalten, schliesslich könne man gute Leistung ja abonnieren. Das ist Quatsch. Das Internet hat gezeigt, dass die Leute vom "es ist ja alles gratis"-Virus infiziert werden. Offenbar nur wenige überlegen sich, wieso eigentlich Inhalte erzeugt werden. Doch alle lesen Junk-Info wie die Gratisblätter im Zug oder sonstwo. Und halten sich dann womöglich noch für gut informiert. Und lesen eben nur das, was die potenten Verleger unters Volk bringen.

Jeder, der sich exponiert, der sich darstellt, will etwas bewirken, will andere de facto beeinflussen. Das war schon immer so, und es ist legitim, denn der Mensch ist ein soziales Wesen, er will kommunizieren, er will einer Gruppe angehören oder selbst Leader einer Gruppe sein - aus welchen Motivationen auch immer.

Das Schweizer Volk hat derzeit die SRG als nationsweite Inhaltserzeuger im Informationsbereich bestimmt. Dort arbeiten auch wieder Leute mit Motivationen aller Art. Doch den Lohn bezahlt der Steuerzahler. Der ist anonym, d.h. der Mitarbeiter bekommt einen Lohn, der nicht von seiner oder des Geldgebers Gesinnung abhängig ist.

Das Gesamtbudget bestimmt, was die SRG tun kann, jedoch ohne Zweckbindung. Der Bund hat der SRG zwar Regeln vorgegeben, die allerdings basieren auf der Verfassung. Ein Goldesel hat also eigentlich keine Möglichkeiten, die SRG zu seinem Sprachrohr zu machen. Dies könnte nur der Staat, also wir. In Ungarn ist das dummerweise halt grad so, dass das ebenfalls steuerlich finanzierte Radio/TV grad vom Staat missbraucht wird, weil der Staat sich einem Despoten ergeben hat. Dass hier natürlich die freie Marktwirtschaft dem Radio nichts bringt, ist ja klar. Der Despot wird den Staat missbrauchen, um die freie Wirtschaft nach seinen Wünschen zu dirigieren, wenn nicht an die Leine zu nehmen.

Aber zurück in die Schweiz. Hier sind die staatlichen Leitplanken noch immer frei - oder zumindest im Einklang mit den Lebenswünschen der meisten Schweizer, weil eben keiner diesen grossen SRG Apparat unmittelbar zu seinen Propaganda-Service machen kann. Und wenn es doch schleichend in die eine oder andere Richtung geht, gibt es eine Überwachungsinstanz, die die Regelkonformität der SRG beurteilt und ggf. entsprechend eingreift.

Was ist also, wenn die SRG ihre Finanzierung nicht mehr von uns, dem Staat hat? Wenn jeder Mitbürger meint, er könne sich in die Lenkung der SRG einmischen, weil nur genau er weiss, wie's am besten geht? Und dass man alles viel billiger haben könnte?

Das ist die alt-bekannte Wahrheit beim Fussball: 22 Männer spielen Fussball auf dem Platz und 3 Millionen Trainer wüssten natürlich besser, wie die beiden echten Trainer mit ihren Leuten umgehen müssten. Schön, dass die Pseudo-Trainers halt nichts ausrichten können.

Bei der Billag sind wir natürlich die 6 Mio. Geldgeber, wir haben also schon was zu sagen. Aber wollen wir wirklich zulassen, dass sich eine Firma von 6 Mio. Chefs führen lassen soll? Wie soll das denn gehen ... NoGo.

Wenn wir im März also aufgrund einer aufgeheizten "Die kosten zuviel"-Propaganda-Rhetorik aus lauter Frust den Hahn zudrehen, dann müssen wir uns alle schon mal klar machen, ob wir uns denn Rechenschaft darüber abgelegt haben, was anstelle der SRG dann kommen solle. Und zwar nicht die saft- und entlarvend hilflose "Dann haben andere kleine Sender ja endlich eine Chance"-Gestammel. Es wäre ja schön, wenn kleinere Sender auch ihre Reichweite hätten, doch ein Programm zu produzieren ist ja auch den kapitalistischen Spiel unterworfen ... selbst ein Radio-/TV-Pirat muss essen und schlafen - und gibt seine heeren Ideen vielleicht auf, weil er selbst einen kleinen Aufwand nicht finanzieren kann, um seine Sicht der Welt auszustrahlen.

Das können die Grossen mit ihrer ökonomischen Macht also wohl ganz sicher besser. Und: Es darf klar sein: Die Medien buhlen um unsere Aufmerksamkeit, die wir ja auch nicht unendlich haben - unser Empfangsfenster für beeinflussende Medieninhalte ist ja höchstens 3-5 Stunden täglich. Wenn es ums Beeinflussen geht, da können wir sicher sein, werden die Potenten dann schon dafür sorgen, dass wir vordringlich die ihnen genehmen Programme zu hören und sehen bekommen. Eben, siehe Ungarn etc.

Es ist zu erwarten, dass die, die wirklich im grossen Stile manipulieren wollen, ihre Kässeli öffnen und sich marktwirtschaftlich konform die Möglichkeiten besorgen, die sie dann kapitalistisch konform lenken und in ihrem Sinne als Sprachrohre benutzen können. Nur werden wir dann nicht mehr wissen, woher das Geld kommt, wieso wird dieser oder jener Inhalt erzeugt und an den Mann, die Frau gebracht.

Für mich geht es also darum: Kann ich ein Programm konsumieren, das verfassungskonforme Inhalte erzeugt und ausstrahlt. Oder muss ich Programme wegdrücken, die nur von hoffentlich offensichtlichen Partikulärinteressen befeuert werden. Um dann doch nichts als Alternative dazu oder nur seichten Billig-Ramsch zu finden in den "schweizerischen" Inhalten.

Meine Mission - und ich habe ja auch eine, ich bin auch ein soziales Wesen - ist, dass die Leute (wieder) lernen sollen, sich die Standardfrage zu stellen: "Cui bono?" - "Wem nützt es?"

Wem nützt es also wirklich, wenn der SRG ihre Betriebsmittel entzogen würden? Und stünde ich hinter diesen Absichten oder entdecke ich, dass ich für mich es nicht so haben will? Erst wenn ich etwas weiter als nur grad bis zur Nasenspitze gedacht habe, dann entscheide ich.

Für mich ist es derzeit so, dass ich noch keine Entscheidung getroffen habe. Eventuell werde ich mich der Stimme enthalten, denn ich kann nur meine derzeitige Finanzknappheit anführen, die mich gegen die 465.- jährlich stimmen liesse. Und das ist für so eine Entscheidung einfach keine wirklich brauchbare Grundlage. Denn wir 6 Millionen sind Geldgeber, die eine Gemeinschaft bilden (sollten), um ein solidarisches TV-Programm Jahr für Jahr für alle erzeugen zu lassen.

Und irgendwie ist diese gesamte Diskussion für mich einfach eine Neiddebatte nach dem typisch schweizerischen Modus "Wenn ein Grashalm höher wächst als die anderen, muss er zurechtgestutzt werden". Dabei scheint man zu vergessen, dass das sichtbare Resultat einer Unternehmung mehr ist als die Summe der Einzelteile. Die Initianten tun aber so, als könnte man einfach Teil x abschneiden, der dann auch nur einen x-tel des Resultats wegnimmt. Ich sehe das nicht so. Wenn die SRG nur noch als Informationssender dient, dann weiss ich jetzt schon, dass ich es nicht mehr so oft sehen werde, denn die SRG macht ein Programm, das für mich noch weitaus Gescheiteres als nur Info-Sendungen bringt. Wenn man die SRG nur auf die News reduziert, ist das eben das Filet-Denken.

Es ist entlarvend, wie viele als Filetstücke die 10vor10, Tagesschau, Rundschau etc. nennen. Eben, die News-Sendungen. Gerade die sind aber die einfachsten und billigsten, denn News kann man kaufen, dafür gibt es Agenturen. Und vor allem auch: News hat jede TV-Station in etwa dieselben. In der Logik müsste man genau deshalb sagen, News sollen von SRG nicht mehr gemacht werden. Zudem sind News wohl überwiegend negativ gefärbt und meistens rückwärtsgewandt, weil ja im Geschäft gilt: Only Bad News are Good News.

Da hat 10vor10 letztens mit der abschliessenden Rubrik "Die Idee" für mich einen bemerkenswerten Wandel durchgezogen: Der Zuschauer wird am Ende jeder Sendung mit Gedanken und Bilder auf etwas Künftiges und Förderliches entlassen - top!

Eine SRG ist für mich als Schweizer eine TV-Anstalt, die mir die Schweiz näherbringen soll - nicht langweilige und ubiquitäre News. Die Befürworter würden also wohl das Geld genau dort wegnehmen wollen, wo die SRG was tun kann: Im Darstellen, wie die Schweiz anderswo ist, oder was wir Schweizer halt toll finden, was uns ausmacht. Das soll die SRG mir zeigen, also all das, was ich noch nicht kenne von der Schweiz. Wer kümmert sich nach der NoBillag um sowas? Ich schaue de facto keine News-Sendungen mehr, oder wenn, dann ist es mir egal, von welchem Sender. Da habe ich dann eher was von Telezüri, denn in dem Kanton wohne ich.

Zudem ist die Initiative, wenn wir mal auf den Text schauen, absolut zynisch. Kein Geld mehr vom Bund für die nationale SRG, aber die Kantone dürften nach wie vor subventionieren. Aha, mein Geld darf also nicht mehr national via Steuern für TV abgezapft werden ... naja, dann halt via Steuern von Gemeine und Kanton. Ich sagte ja, Neiddebatte von irgendwelchen Neoliberalen.

Also: Cui bono? Und: Was will ich stattdessen haben?

Gute Arbeit, Kägi und Wilder! Weiter so, SRF!

Jetzt grad lief die letzte der 6 Episoden Wilder im SRF TV. Ich liebe gut vorgetragene und komplexe Storylines. Im Schweizer TV sind Produktionen wie diese m.W. ja recht selten. Einzelne Tatort-Folgen, einzelne Bestatter-Folgen, die in sich abgeschlossen sind, können wir ja auch gut, mindestens so gut wie alle anderen europäischen Länder.

Aber eine Miniserie wie Wilder ... eher selten. Mir hat die Serie wirklich sehr gut gefallen. Ich bin selbst sehr gerne auf dem Urnerboden, würde sogar gerne dort wohnen, ergäbe sich etwas Passendes, und Winter mag ich eh - als Nicht-Ski-ler fand ich daher die konstante Ski-Touri-freie Schneeumgebung, Nebel- und Wolken-verhangene Bergspitzen, kalte Winde, rauhes Klima sehr erfreulich ... nichts für Weicheier und Schönwetter-Fans.

Daher die langsamen Drohnenflüge etwas über dem Boden, durch Nebelfetzen, nicht bei strahlender Sonne über blütenweisem Schnee, sondern diffusem Licht über gräulichen fleckigem Boden ... auch Realität, eben schönen Wetter in den Bergen. Mit einer unaufgeregten stimmigen Musik immer sehr schön und dezent begleitet.

Der Charakter Kägi war der, der mir entspricht, meine Identifikationsrolle. Der einsame Kämpfer halt, beisst sich durch, eckt an, will es wissen, gibt nicht auf, braucht keine scheinbaren Freunde, tut was er tut nicht aus Profilierungssucht ...

Die Wilder selbst, eine aufstrebende Kommissarin halt, entdeckt die Familien- und Dorfgeheimnisse. Auch gut und glaubhaft gespielt. Das ganze Setup hat mir auch gut gefallen, die Klimax am Schluss war unerwartet und m.E. gut und treffend in Szene gesetzt.

In den Zeiten der No-Billag-Initiative finde ich, dass Wilder schön zeigt, was SRF zustande bringt. Ich finde zwar die 460.- / Jahr auch zuviel, wäre mit Doris Leuthards Idee von CHF 1.- pro Tag aber grad zufrieden. Gar keine Kohle mehr an SRF, dafür dann seichten Schrott wie in den werbefinanzierten TV-Stationen, wo dann eh noch alle 10 Minuten 5 Minuten Werbung Stimmung und Eintauchen zerstört ... omg

Also, danke nochmals für Wilder. Ich war und bin sehr angetan ... gerne weiter so SRF.

Weitere Gedanken zur BlockChain und BitCoin

Im meinem letzten Artikel habe ich erklärt, dass mir die BC (BlockChain) nun klar ist, weil ich dank des erwähnten Buchs vor allem die Konzepte zur "Fehlerbehandlung" dargelegt bekommen habe.

Weitere Punkte, die ich zur Betrachtung anbiete, die ich nicht ausreichend geklärt oder noch nicht behandelt fand, möchte ich hier kurz darlegen.

  • Die Datenmassen einer BC, speziell der BTC (BitCoin)
    Hier fokussiere ich auf die Datenmengen: Es ist mir immer noch nicht klar, wie die BTC ihre zu erwartenden Datenmengen speichert / speichern wird. Sagen wir mal, dass in der Bankenwelt die heutige IT pro Tag 1 Milliarde Transaktionen machen, so fallen da doch einige Daten an pro Jahr. Da die Transaktion zwei Partner hat, fallen die Datenmengen bei zwei Teilnehmern an - Banken eben. Die haben genug Kohle, um die Daten sicher und schnell zu verstauen - eben WEIL sie gross und stark sind. Die BTC hingehen soll solche Peers unnötig machen. Das tut sie ja auch in autoritativer Hinsicht. Aber: Sie tut es nicht bezüglich der Resourcen: Da die BTC alle Transaktionen vorhalten muss für das Kontrollieren der Integrität der BTC, müssen also alle Transaktionen bei jedem Teilnehmer der BTC gespeichert sein. Die BTC ist global. Es gibt keinen BTC-Teilnehmer mit weniger Datenmassen.

    Gemäss Statistik habe die BRD in 2016 etwas mehr als 6 Milliarden Bank-Transaktionen gemacht, so liege ich mit der täglichen 1 Mia. für die ganze Welt nicht ganz falsch, ich runde das mal auf ca. 500 Milliarden pro Jahr. Wenn wir mal mit einer Transaktionsgrösse von 1000 Bytes ausgehen, dann sind das also 500 TBytes pro Jahr an Zuwachs. Das ist natürlich nicht so schlimm, das schaffen die Banken schon, das schafft auch eine Firma. Aber wie gesagt, jeder Teilnehmer der BTC muss das tun. Ist das nachhaltig? Zusammen mit der "Geschwindigkeit" der Transaktionen, ist das Speichern das kleinste Problem, eine BC hat ja gerade das Paradigma, dass sie nicht schnell sein kann, weil das zur Integritätskonzeption gehört.

    So also noch etwas zur Transaktionen / Sekunde Zahl: Es gibt eine News-Meldung, die die Unverträglichkeit mit High-Speed-Transaktions schon mal mehr als nur andeutete und das schon im März 2016 ... https://www.heise.de/newsticker/meldung/Kapazitaetsgrenze-erreicht-Bitcoin-Transaktionen-in-der-Warteschlange-3132893.html

    Diese Meldung veranlasste jemanden, die weltweite Transaktionsgeschwindigkeit auf 7 TpS zu berechnen. Das ist natürlich ein mehr als lächerlicher Wert. Es ist schlichtweg ein absolutes NoGo.

  • Geschwindigkeit des Commits
    In der Welt der RDBMS ist ein abgeschlossener Commit das Zeichen des Systems, dass etwas verarbeitet und gespeichert wurde - mit allen Konsequenzen und Nebeneffekten. Für den Entwickler ist eine Speicherung damit abgeschlossen. Der Programmierer darf sich also guten Gewissens weiteren Dingen zuwenden. Doch wie erklärt, die BC kennt keine zentrale Stelle, die ein Commit ausgeben könnte. Im Gegenteil, es kann konzeptionell eigentlich beliebig lange gehen, denn wenn die BC Diskrepanzen aus der Welt schaffen muss, bedeutet das, dass ein Quorum der Teilnehmer sich einig werden muss, welchen Ast einer Verzweigung sie nun als autoritativ ansehen will. Für den Programmierer heisst das, dass er Programme schreiben muss, die sich rückwirkend(!) mit einer Annullierung der Transaktion und deren Konsequenzen rumschlagen müssen. Es ist sogar noch schlimmer: Es könnte zu einem Totalausfall kommen, wenn die BC es nicht schafft, einen autoritativen Ast zu finden.

    Das kann je nach Anwendungszweck natürlich verschieden gravierend sein. In der NoSQL-Welt sagt man dann "eventually committed" und meint, dass es schon Dinge gibt, die man nicht per sofort committed haben muss, dass sich ein Commit aber einstellt. Tja, aber es gibt Konfliktfälle. Ob diese ein Showstopper für den Anwendungsfall der BC sein könnte, ist wohl eben von eben diesem abhängig.

    Was wäre, wenn ein Angreifer, der die BC einfach lahmlegen will, sich also als Teilnehmer anmeldet, bei der Kontrolle von errechneten Blöcken einfach an die anderen meldet: "ich habe was anderes" ... und das via Botnet nicht einfach von nur einem Teilnehmer, sondern von Tausenden? Er muss sich ja nicht mit der Historie der BC rumschlagen, er will ja nur stören, also hat er nicht einmal eine grosse Rechenlast zu bewältigen.

    Die Datenmengen müssen bewältigt werden, denn nur so ist garantiert, dass die BC im Problemfall eine Chain total durchrechnen kann. Eine Art von Caching des letzten als absolut gültig betrachteten Block kann natürlich jeder bei sich vorhalten. Er könnte sagen, dass dieser Referenzblock immer dem aktuellen Tagesdatum um eine Woche hinterher läuft, um eine Verzweigung der BC optimal schnell handhaben zu können. D.h. die Validierung der von anderen errechneten Blöcken ist einfach und schnell. Sicher ist es ja auch, denn wenn die gesamte BC an eigenen, vertrauenswürdigen Orten gespeichert ist, ändert sie dort niemand und man könnte sie jederzeit komplett nachrechnen, um den Referenzblock zu validieren. Es könnte also sein, dass der Commit einer Transaktion konzeptionell schon recht schnell erreicht werden kann.

  • Wegelagerei, sprich Transaktion-Fees
    Das führt dazu, das die Miners, die ja eine Belohnung fürs Betreiben der BC bekommen wollen, sich bei den vielen Transaktionen die auswählen, die ihnen am wahrscheinlichsten eine Belohnung einbringen. Im Ethereum-Projekt nennen sie das Gas. Der Ersteller einer Transaktion gibt da eine Obergrenze an Gas mit, die er den Minern als Belohnung zur Berechnung des BC-Blocks für seine Transaktion anbietet. Ein Ethereum-BC-Teilnehmer kann sich also entscheiden, ob er diese Transaktion rechnen will. Und er kann sich sogar entscheiden, wieviele Resourcen er dafür einsetzen will, denn das Gas gibt ihm ja ein Entscheidungskriterium mit.

    Für den Transaktionserzeuger hat das diese Konsequenzen: Er weiss nicht, wie schnell seine Transaktion in die BC gelangt. Und es kostet ihn was und er weiss nicht einmal, wie sicher der Block nun ist ... denn wie erklärt, die BC kann manipuliert werden, es ist nicht unmöglich. Wenn er also einen Zahlungsvorgang über diese BC einspeisen möchte, und das in Real-Time, so kann ihm die BC diese garantierte Antwortzeit nicht erbringen. Wie im realen Leben kann er aber ein "Guter Kunde" werden, wenn er zuviel Gas anbietet. Das kann zu einer bevorzugten Behandlung führen. Ein Widerspruch zur Konzeption der BC.
  • Ökologie und Geldwäsche
    Wie es sich trifft, hat auch André Kramer im Editorial der c't einen Punkt aufgegriffen, der mir natürlich schon seit Anbeginn der BC ein Dorn im Auge ist: Die Ökobilanz der BCs. Das Mining kostet ja aufgrund des Hash-Puzzles enorme Mengen an Energie, denn wer schnell sein will, muss klotzen, nicht kleckern. Kramer:

    “Denn der Stromverbrauch des Bitcoin-Mining ist immens. Die Nachrichtenseite Digiconomist hat eine einzige Bitcoin-Transaktion mit 215 Kilowattstunden Strom berechnet, dem Jahresverbrauch eines Kühlschranks. Einer Studie zufolge entsprach der Stromverbrauch für Bitcoin-Mining im Jahr 2017 dem von 159 Ländern. Die Rechnung ist kaum überprüfbar; ihr Kern bleibt aber wahr: Bitcoin-Mining trägt in hohem Umfang zur Klima-Erwärmung bei.

    Der Großteil davon findet in China statt, das seinen Energiebedarf aus fossilen Energien speist. Miner der Währung Ethereum haben Boeings des Typs 747 gechartert, um Grafikkarten an ihren Einsatzort zu fliegen. Wer sich solche Stunts leistet, betreibt höchstwahrscheinlich Geldwäsche, nicht Geldanlage.”

    Mit dem letzten Satz reisst er an, wofür die BC natürlich ideal geeignet ist - um so mehr, je mehr Business an einer BC wie der BTC hängt, denn dann ist die BC fast ideal geeignet, Geldwäsche zu betreiben. Und wenn man die Kursexplosion von BTC beobachtet, so ist das Spekulieren bei ihr angekommen und im gleichen Masse wohl auch die ebenso massive Geldwäscherei. Beide schrauben sich wohl in die Höhe.

    Denn die BTC ist zwar voll transparent, aber es war auch noch nie so leicht, ein Portemonnaie zu erzeugen - vollautomatisch von einem Computer, der im Darknet auf seinen Besitzer wartet, den er nicht mal kennt. Da muss man sagen, dass die Strafverfolgungsbehörden ja immer noch nach der "Folge dem Geld" Regel verfahren können, denn irgendwann muss das virtuelle Geld in reales gewechselt werden - für reale Genussfreuden. Noch. Wenn BTC eine von den Staaten und Gesellschaften akzeptierte Währung würde, fällt auch das weg. Das wird die Geldflussverfolgung sicherlich noch um 1-2 Grössenordnungen schwieriger und vielleicht aus ökonomischen Gründen unmöglich machen.

Es gibt ja den Text, dass je komplizierter ein System ist, es um so anfälliger sei. Die BC ist konzeptionell einfach, aber die Implementationen sind anfällig.

Hacker müssen sich ja nicht um die Konzeption kümmern, sondern sie kümmern sich um die jeweiligen Implementationen: Wenn sie da reinkommen, dann kann alles noch so gesichert sein, wenn sie im Code sind, ist alles möglich, was die Konzeption zulässt.

Die BTC-Börsen und andere wurden schon oft um mehrere Tausend BTC erleichtert. Von Hackern. Während das Geldwäschern vielleicht egal sein kann, so ist der Verlust des Portemonnaies einem Geschäftstreibenden überhaupt nicht egal. Und da es in der BC konzeptionell keinen Verantwortlichen gibt ... keine Kulanz von niemandem ... keine Schuldigen ... Schwarzpeter-Rumgeschiebe ... denn jeder wird eine Walletsoftware nutzen müssen. DAS Angriffsziel für Hacker und Malware-Programmierer ... eventuell grad schon auch grad geliefert mit Hintertüren für Geheimdienste, Finanzamt, Hacker etc. etc. In Zeiten von schnellem Internet – wer ist schon in der Lage, den Verkehr zu inspizieren, zu verstehen und Gegenmassnahmen zu ergreifen? Die Masse sicherlich nicht. Schöne neue Welt.

Gerade aktuell wieder ein BC-Hack: https://www.heise.de/newsticker/meldung/Kryptogeld-Mining-Marktplatz-Nicehash-gehackt-und-bestohlen-3913041.html

Ist die BC also einfach eine Spielwiese für Technik-Nerds, IT-Profilierer, Real-Geld-Spekulanten, Geldwäschern? Es hiess ja schon beim Gold-Rush: "Reich werden nicht die Schürfer, sondern die Verkäufer von Equipment wie Schaufeln etc."

Wir werden sehen ...

PS: Ich bin derzeit kein aktiver Benutzer von BCs. Ich habe mich nur schlau gemacht und etwas weniges probiert. Gerne lese ich Korrekturen von Euch zu meinen Gedanken, sollten diese falsch oder unstimmig sein. Danke dafür.

PPS: Noch was zur Übertragungssicherheit von BTC. Eine Transaktion ist ja de facto dann auch eine Benachrichtigung an eine Email-Adresse, an ein anonymes Wallet. Kein Wunder, gibt es bereits Malware, die solche Transaktionen erkennen und auf andere Wallets umleiten: https://www.heise.de/security/meldung/Schnueffeltrojaner-Evrial-tauscht-im-Windows-Clipboard-Bitcoin-Adressen-aus-3947596.html

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