Robots in Datingseiten - wie erkennen? Oft ist es einfach

So, letztens kam ich über so einen URL-Verkürzer auf die Datingseite mein45plusflirt.com. Diese gemäss Impressum aus Holland betriebene Website soll dem Publikum über 45 also schnelle und einfache Erwachsenenspiele vermitteln, also das unkomplizierte Erotiktreffen.

Da ich schon mal da war und ich diese Plattformen ja kenne und zum Altersbereich passe, dachte ich, ich schau mal rein, um zu sehen, was mir denn eine holländische Website in Zürich und Umgebung so vorschlagen würde. Denn klar war nur, dass jede Meldung an einen Teilnehmer um die CHF 2.50 kostet, also recht teuer ist. Wer grad ein Abo bucht, den kommt's günstiger.

Da konnte ich dann also loslegen, ein Profil erzeugen, das natürlich vor der Freigabe von irgendwas kontrolliert wird. Neben festgelegten Filterkriterien konnte ich einen freien Text hinzufügen. Das tat ich, annehmend, dass natürlich jegliche Nummern und Web- und Email-Adressen nicht durch kämen. Und so war es ja auch. Der Text wurde einfach nicht freigeschaltet. Erwartungsgemäss. So probierte ich einige Dinge, um den Kontroller herauszufordern.

Interessanterweise liess der dann einen Satz stehen, in dem ich um einen Vorschlag zum "Realitäts- und Anti-Bot Check" bat bei denjenigen, die mich anschreiben würden. Da die mir antwortende Person ja auch bezahlt haben musste, könnte sie dann auf meinen Profiltext eingehen und etwas offerieren, wie beispielsweise den anonymen Ad-Hoc-Chat stin.to oder irgendwas anderes. WENN sie an einem Kontakt interessiert wäre ...

Die Website listete mir also schon sofort ein Dutzend williger Frauen auf, die auf mein Profil passen würden. Alle mit Foto. Alle so ab 35 - 55, aber mit Fotos in Top-Qualität, selten je eines, wo man die eher mediocre Qualität einer Handyknipse oder so erkennen konnte. Dennoch alle Ausschnitte so gewählt, dass man zwar die Person schon sah, dass aber die Google-Bildersuche nichts fand. Theoretisch also mögliche, authentische Fotos. Wenn auch meistens zu jung vom Bild her und auch sonst nicht mit altersgemässen Effekten belastet. Oder dann halt alle gut geschminkt.

Wie auch immer, es hatte also welche, die mir gefielen. Und eine einzige Meldung war ja schon mal kostenlos. Wobei als Meldung jede beliebige, auch vorgefertigte Benachrichtigung galt. So konnte man einen Kuss zuwerfen, der wirklich nur eine Notification ist. Auch für die waren schon die CHF 2 fällig.

Ich hatte also mein Profil gemacht, andere angeschaut und ein paar Favoriten gefunden und verliess das Portal, ohne jemanden anzuschreiben. Am nächsten Tag hatte ich von fast allen meiner Matches eine Benachrichtigung in der Inbox. Entweder eben diese Notifications oder sogar einen scheinbar selbst formulierten Text.

Darunter auch ein Text von meiner Favoritin. Da ich ja noch diese einzige kostenlose Meldung hatte, sandte ich der einen Text, indem ich meine Email und andere mögliche Angaben für einen immer noch beidseitig anonymen Erstkontakt durchgab. Ich schrieb auch, wieso ich das so will ... von wegen Erfahrungen mit Datingsites etc. etc.

Die Antwort darauf kam am nächsten Tag. Kein Minitext, es wird wohl schon ein Mensch gewesen sein, der die Antwort schrieb. Sie war so formuliert, dass klar wurde, meine Meldung wurde verstanden. Der Autor tat mein Ansinnen aber ab, mit "ich weiss auch nicht, ob das alles hier echt ist, aber ich nehme keine Deiner Kontaktaufbau-Möglichkeiten an". Und dann aber doch noch eine Anreizfrage an mich. Häja, schliesslich sollte ich ja Geld generieren für die Website. Meine Favoritin wurde also von der Liste derselbigen gestrichen.

Nun waren auf der aber weitere mir passende Fotos hinzugekommen, jeden Tag präsentierte die Website 2-4 neue mögliche Matches. Und die meldeten sich auch - entweder mit den vorgefertigten Notifications oder auch mit Texten, die meist Allgemeinplätze waren, aber niemals auch nur annähernd auf meinen Profiltext, geschweige denn meinen Wunsch auf Realitätscheck eingingen. Wow, so viele wollten mich. Logisch, die Website hat sie doch auf mich gematcht. Da sollte ich ja wohl freudig in die Tasten hacken und Geld loswerden. Denkste ...

Es fand sich dann eine weitere Favoritin, die eben "zu toll um wahr zu sein" war, der ich dennoch eine Meldung zukommen lassen wollte. Da rang ich mich durch, die CHF 2.50 über ein Telefonbilling zu bezahlen. Denn klar, wenn etwas echt ist, ist es auch wert, bezahlt zu werden. Und ich hätte diese Person auf dem Foto wirklich sehr gerne zumindest mal kennengelernt.

Nach der Bezahlung ging also diese Meldung mit ähnlichem Inhalt wie die erste raus. Postwendend ebenfalls eine Antwort mit ähnlichem, auf die Meldung eingehendem Text, aber natürlich ohne Annahme einer der offerierten Kontaktmöglichkeiten. So formuliert, dass eine Antwort provoziert werden soll.

So, etwas länglich erzählt, weil ich das Verhalten der Website schon über längere Zeit beobachtet hatte, bevor ich mein Profil wieder löschte und diesen Blog schreibe. Und da ich ja solche Setups kenne, wollte ich mir ziemlich sicher sein, dass es sich hier um eine reine Abzockersite handeln könnte.

Daher meine Liste von möglichen Erkennungsmerkmalen:

0. Man ist Mann. Schon mal grundsätzlich gute Voraussetzung, dass man nur abgezockt wird.

1. Website erzeugt viele Matches, Treffer

2. Diese Matches kontaktieren einen daraufhin auch fast alle und regen Instinkte an (siehe 0.)

3. Selbst die scheinbar auf mich gemünzten Meldungen gehen nicht auf mein Profil oder den Freitext ein

4. Die Texte stellen Fragen oder wollen einen anderweitig in einen Ping-Pong-Dialog verwickeln und verweigern jeden Echtheitstest.

5. Jede Kontaktmeldung kostet, oft schon unbeeinflussbare Interessensbekundungen.

6. Selbst wenn man konkrete Informationen übermitteln kann, wird darauf nicht eingegangen, oder nur so oberflächlich, dass man meinen könnte, es sei so gewesen.

7. Der eigenen Fantasie, Gier, Geifer widerstehen. Diese Emotion ist der Motor für solche Websites.

Zum Fotomaterial, das ja wegen 0. und 7. präsentiert werden muss, gilt folgendes anzumerken:

1. Fotoqualität: Hier gilt es aufs Handwerkliche zu schauen. Sehen Schnappschüsse wirklich so aus? Ist da nicht professionelles Licht-Equipment erkennbar?

2. Fotosuche: Man soll doch mal diese Fotos über die Google-Bildersuche finden lassen. Ein Treffer bei der Bildersuche beweist natürlich nicht grad den Fake-Status, aber je nach Konnotation ist es dann klar.

3. Objektqualität: Hat die Person die bekannten, realen Alterseffekte? Ist die Haut zu rein, zu straff um zum Alter zu passen? Ist sie geschminkt? Sind grössere Hautpartien zu uniform, um wahr zu sein? Ein Blick auf eigene Hautpassagen sollte zeigen, was zu beachten ist.

4. Passgenauigkeit: Passt das Foto zur Beschreibung, die diese Person über sich selbst abgegeben habe.

Gerade Punkt 4 ist etwas, was ganz andere Wahrnehmungsfähigkeiten als die visuelle in uns triggert. Daher kann man diesem Bauchgefühl schon sehr gut trauen.

Ich hatte also aufgrund meines Katalogs schon fast die Sicherheit, dass es hier um eine reine Abzockersite geht. Nach einigen Tagen und vielen neuen Matches fand die Googlesuche dann einen Verräter. Da war ein Foto drin, das Dutzende Treffer ergab, wo jeweils überhaupt mal Namen und bei jedem Foto erst noch verschiedene Namen ergaben, bei Twitter, Flickr, Snapchat, in englischem Text, auf amerikanische Themen bezogen ...

Nun ist es ja so, dass jede Website sich vermarkten muss. Das ist ok, aber bei Datingseiten ist halt das Problem, dass die Vermarktung eigentlich nur über das Interesse des Suchenden läuft. Die Website selbst kann da nicht punkten, deshalb greifen einige halt zu Beschiss, denn nur Köder locken die Suchenden. Das ist so gewesen bei Tinder, Lavoo, Adultfinder ... aber auch bei den "Seriösen" wie Parship, Elitepartner ... bei den Seriösen kann man vom reinen billigen Fotomaterial auch auf eine physische Person upgraden, die dann halt nach einem echten Kontakt sagt, dass es leider nicht passe. Zweck erfüllt, der Suchende hatte einen Treffer und einen Kontakt gehabt - er muss nur aufpassen, ob er dadurch implizit die Glaubwürdigkeit der Website auf 100% setzt, was natürlich eben nicht zwingend logisch ist.

So bleibt also das Kennenlernen über Websites immer ein Risiko auf Zeitverschwendung, Geldverlust, Energieverschwendung in Luftschlösser, Träumereien, Unwahrscheinlichkeiten.

Und dennoch: Wenn ich so eine Website nutze - und ich bin echt - dann tut das ja vielleicht auch eine andere, reale Person. Die Chance besteht also. Man(n) muss nur einfach etwas realistisch oder mit Lebenserfahrung an die Sache rangehen.

Meiner Erfahrung entsprechend sind diese sehr klar themenbezogenen Websites zu stark verseucht mit Fakes, wohingegen eine normale Chat-Website die besseren Chancen bietet. Denn hier gibt es oft auch Chaträume für Erwachsenenspiele ... aber eben auch anderes. Und man sollte so einen potentiellen Sexpartner definitiv auf Alltagsthemen abklopfen. Denn Sex ist zwar schön, aber von den 16 Tageswachstunden macht das wohl keiner immer so lange und tagein. tagaus. Und daher gibt es Themen, mit denen man die Echtheit eines Menschen schon finden kann, wenn man(n) denn will.

So war es spassig, vor allem mich und meine Triebe oder andere Emotionen wieder mal gut zu beobachten ...

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dibidaebi's Gravatar Ein Riesenkompliment für Ihren Kommentar. Ich teile Deine Meinung 200%ig. Das ist gekonnte, schmalbrünstige Abzockerei made in the Netherlands. Ein grausames Spiel von Animierdamen, die sich so einen kleinen Batzen verdienen. Kassieren, im grossen Stil, tun die Besitzer dieser völlig beschissenen Plattform aus Holland. Passt zum Gemüse und den faulen Eiern, welche die Holländer weltweit zu verbreiten suchen.
# Erfasst von dibidaebi | 07.09.17 20:16
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