Der SRF Wunschfilm: Die Brücken von Madison County
Es ist nun fast 20 Jahre her, eigentlich zu Beginn und Grund meines Unternehmens "Blog" sah ich diesen Film. Und heute wird er wieder mal ausgestrahlt.
Er berührt mich noch immer sehr. Sogar mehr, denn in der Zwischenzeit war ich verheiratet mit einer Frau, die ich sehr lieb(t)e. Nur bei uns klappte es nicht, das verflixte 7. Jahr, viele Jahre Unterschiede der Lebensphasen, andere Kultur ... Ich bin geschieden. Und doch, nach einer jugendlichen, vergeblichen Liebe war diese Frau meine zweite grosse Liebe ... diesmal immerhin ein paar Jahre, die Trennungsjahre nicht eingerechnet.
Mit all diesen Erfahrungen ist der Film nochmals tiefer. Ich erinnerte mich nicht mehr an alle Szenen, jetzt aber empfand ich sie dafür um so bewegender, kraftvoller.
Die Liebschaft mit dem Fotografen ging nur 4 Tage, aber sie war Quelle für Kraft und Durchhalten, Unverzagtheit und vielleicht Hoffnung auf Erfüllung geheimer Wünsche.
Der Film beginnt mit einer mühsamen und überraschenden Testamentseröffnung im Jahre 1965 vor den zwei Kindern nach dem Tode ihrer Mutter. Mit dem Lesen der letzten Worte beginnt der filmische Rückblick auf ein Leben voller Routine und einer Episode von tiefstem, zeitlosestem Glück und davon zehrendem Durchhalten, liebevoller Aufopferung für die geliebten Mitmenschen.
Die Mutter Francesca hatte 30 Jahre lang niemandem was erzählt von ihrer Affaire. 4 Tage als Strohwitwe, weil die Familie weg war zu einer Tierschau, in der sie etwas erlebte, was vielleicht jede/r mal wünscht, was auch wieder weggehen muss, weil es sonst dröger Alltag und die Vorstellungen enttäuschen würde.
Der Fotograf Robert Kincaid macht eine Reportage über die überdachten Brücken von Madison County und sie begegnet ihm, weil er sich leicht verirrte auf der Suche nach der ersten Brücke. Sie gibt ihm Auskunft und zeigt ihm der Einfachheit halber als Beifahrerin den Weg. Dort angekommen, geht er unter die Brücke und fotografiert. Derweil beobachtet sie ihn von der Brücke aus. Es ist heiss und er gibt ihr einen Blumenstrauss. Dann fahren sie wieder zurück und wollen sich verabschieden, aber sie lädt ihn zu einem Eistee ein.
Es beginnt etwas Neues, der Zauber, der allem Neuen innewohnt. So erzählen sie sich ihre Leben. Sie vor allem ihrs. Robert ist neugierig, denn er kommt halt rum. Sie erzählt von einem routinebasierten geruhsamen, ritualisierten Leben. Es sie nicht das, was sie sich als junges Mädchen vorstellte, aber so sei es halt.
Er hilft ihr beim Kochen, sie unterhalten sich nach dem Essen, sie lachen, sie erfreut sich wie ein Teenager über dieses unbeschwerte Abendessen. Sie ist fasziniert von den Erzählungen des weitgereisten Fotografen aus der weiten Welt. Es wird spät abends. Die Gesprächsthemen gehen tiefer. Er ist geschieden, weil er als Fotograf nicht zuhause sein konnte/wollte. Sie sieht immer dieselben paar Leute im Alltag. Sie hat Familie, er hat keine Familie, er liebt alle Menschen, sie kann das nicht genau verstehen. Das führt sogar zu kleinen Reibereien, er will darob gehen und fährt weg. Sie ist wieder alleine auf ihrer Ranch, sie pflegt sich, steht vor dem Spiegel, betrachtet ihren nackten Körper und entscheidet, dass sie ihn wiedersehen will. Dazu verfasst sie eine Einladung und pinnt diese an die Brücke. Er findet sie, und sie finden sich nach etwas Umwegen an der Brücke, wo er nicht nur die Brücke, sondern auch sie fotografiert - wie französische Models, wie er ihr schmeichelt.
Danach bei ihr zu Hause machen sie sich nacheinander frisch und sie findet immer mehr alles an ihm erotisch. Beim gemeinsamen Abendessen klingelt das Telefon und während sie spricht, streichelt sie seinen Nacken und sie tanzen. Enger und intimer, mit zögerlichen Widerstand vor dem ersten Kuss. Sie haben eine sexuelle Nacht und vor dem Feuer des Kamins träumen sich nach Italien, woher sie ursprünglich stammte. Die gemeinsame Zeit liess sie sich als andere Frau fühlen, eine andere liebende Francesca. Die mit ihm auch alles mal loslassen konnte, selbst in einen Musikschuppen ging, der garantiert nicht ins aktuelle Leben passte, wo sie aber als Jugendliche öfter verkehrte.
Als er schlief, beobachtete sie ihn und sinnierte darüber, wie sie das handhaben sollte, dass er gehen würde. Sie verfällt in Klischees und schmeisst ihn de facto raus, weil sie nicht handhaben kann, dass er sie liebt, aber nicht auf die Weise, die sie kennt. Und sie weiss, dass sie gerade gegen ihre eigenen Gefängnismauern poltert. Es kommt zur dritten Nacht. Er möchte, dass sie mit ihm geht. Sie packt. Ein Candle Light Dinner offenbart, dass sie doch nicht will. Sie argumentiert nicht aus ihren Wünschen, sondern aus der Vorstellung, welche Wünsche die anderen wohl hätten. Und sie malt den Alltag nach der möglichen Abreise an die Wand. Sie redet sich um Kopf und Kragen. Sie könne doch nicht ihr Leben wegwerfen. Und wirfst sich ihm an den Hals. Und dennoch er geht, nicht ohne zu sagen, dass so, wie er sie liebt, es wohl nur einmal im Leben geschehe. Sie rennt ihm noch etwas nach, doch er ist schon weg.
Am nächsten Tag kommt die Familie zurück und der Alltag holt sie ein, gesichert in der Routine fällt die Trennung leichter. Am nächsten Tag - es regnet wie aus Strömen, fährt sie mit dem Ehemann in die Stadt einkaufen. Da begegnet ihr Robert, der in den Regen raussteht und auch ihr Auto zukommt. Sekundenlang treffen sich ihre Blicke, das Wasser läuft ihm übers Gesicht. Er wartet. Ihre Hand verkrampft sich am Türgriff des Autos und sie weint. Doch sie steigt nicht aus, um mit ihm zu gehen.
Für mich die absolut stärkste Szene, wie Robert da steht mit erwartungsvollem Lächeln, die nassen Haare im Gesicht, der Regen triefend.
Zuhause angekommen weint sie im Stillen weiter. Während des Abendessen der Familie sinniert sie, was sie gewonnen hätte mit Robert, was sie verloren hätte an ihrer Familie. Es scheint, als ob es für sie die richtige Entscheidung war.
Dann springt die Zeit im Film. Sie ist alt geworden, ihre Ehemann stirbt. Sie denkt danach jeden Tag an Robert und versucht ihn zu finden, schafft es aber nicht. Sie erhält dann ein Paket mit den Habseligkeiten von Robert. Briefe, das Mediallion zurück, das sie ihm um den Hals legte. Und das Fotobuch, das er dann doch herausgab, obwohl ihm das als erfolgloses Unterfangen vorhergesagt wurde.
Der Film hatte zwischendurch einige Zeitsprünge in die Gegenwart, in der ihre Kinder diese Tagebücher lasen und mit schwankenden Gemütslagen reagierten. Doch sie verstanden danach, wieso sie ihre Asche an der Brücke verstreut haben wollte. An der Brücke, wo auch Roberts Asche verstreut wurde. Aus den letzten Worten ihrer Mutter erkennen die Kinder, dass es um die Liebe geht, die menschliche Liebe, dass sie eine amouröse und erotische Liebe nicht zum Anlass nahm, die humane Liebe zu ihren Menschen aufzugeben. Sie opferte und widmete ihr Leben den Leben ihrer Kinder und ihrem Ehemann. Dass sie nach dem Tod des Ehemanns sich mit einer ausgeschlossenen, weil in der damaligen Moral ausgestossenen Frau anfreundete und sich mit ihr aus der moralisierenden Dorfsitte emanzipierte, konnte sie das Leben bis an ihr Ende heiter füllen. Sie endet mit der Empfehlung, dass sie, ihre lesenden Kinder, sich doch mit viel Liebe um ihre Nächsten kümmern mögen, auf dass sie ein erfülltes und befriedigendes Leben hätten.
Das ist der Film. Mit toller Musik und Bildern. Ich schreibe das parallel zum Schauen, denn so ist es authentisch, nicht nachgedacht, nicht redigiert. Er rührt mich wie vor fast 20 Jahren zu Tränen. Er hat einige Parallelen zu meinem Leben. Ganz offenbar, sonst würd ich ja nichts schreiben - weder damals noch heute.
Er bewegt mich, weil er meine Wahrheiten bewegt. Es sind meine Themen, die darin anklingen. Ich habe meine Frauen als Menschen geliebt. Und es reichte offenbar nicht. Sie konnte im Film das geruhsame, beschauliche Leben führen. Geführt, getragen von der ländlichen Gemeinschaftsmoral des amerikanischen Midwest. Sicherlich romantisiert, denn das ganze Bild der Gemeinschaft wurde nicht gross beleuchtet, weil es ja auch nicht um diese ging, sie mischte sich auch nicht in die Story ein. Ob sich ein Leben in der Zeit meiner Jugend so in Midwest abspielen konnte - weiss ich nicht, aber eben, es ist auch irrelevant.
So oder so, ich habe meine Rezension vor 20 Jahren wieder gelesen und finde, dass ich damals auch dran war, aber irgendwie anders. Weniger gefühlsbetont. Ich spüre es ja. Meine Ehe dazwischen, meine Wünsche damals und heute, wie ist meine Art der Liebe, was meinte ich geben zu können, was ich meinte, dass es doch angenommen werden möge, all das ist etwas anders.
Und dennoch, es ist Liebe. Es ist eins.








