Wieso tut Madonna sich das an?

Gestern habe ich nebenbei den ESC geschaut und damit auch den Auftritt von Madonna. Der war grottenschlecht - vom Gesang her ... es fiel wohl sicher jedem auf. Fremdschämen.

Ich war daher gespannt auf den Kommentar von Sven Epiney, der ja der Kommentator der SRF war. Erwartungsgemäss liess er mit keinem einzigen Wort seinen Eindruck verlauten. Professionell.

Barbara Schöneberger im Deutschen TV sagte in der After-Show Party dann "jeder sang besser als Madonna". Stimmt aus meiner Sicht.

Ich fragte mich schon während Madonnas Auftritt "Wieso nur?". Wie sollen dich deine Fans denn in Erinnerung behalten? Immerhin sollen den ECS ja 200 Millionen Leute sehen ... als alternde Frau, die nur noch von ihrem Ruhm lebt? Für sich? Die sich erlaubt, minderwertige Qualität abzuliefern? Alle Fans lieben ihre Musik, ihre Qualität, auch ich teilweise. Und dann das.

Dieser Auftritt - er demontiert Vorstellungen. Das ist ja an sich nicht schlimm. Doch gerade bei Musik gehört halt die Emotion so inhärent dazu, dass man sie nicht abtrennen will. So war ich einfach enttäuscht, dass Madonna "es nicht mehr bringt". Ob sie das auch weiss oder sich eingesteht? Sie hat klargestellt, dass sie vorbei ist im Musikgeschäft. Ob sie das so wollte?

Im Leben kommen manchmal Ereignisse, in denen man sich entscheiden kann, wie man weitergehen will. Ob man festhalten will an der Vergangenheit und zur Gänze nur noch in ihr leben, oder ob man die Vergangenheit in Ehren ruhen lässt und für sich klärt, dass das eine Warheit war. Die aktuelle Wahrheit ist aber möglicherweise oder fast sicher anders. Es ist die Gegenwart. Und wenn sie sich selbst anhört, wird sie sicher wissen, was es geschlagen hat.

Ich hoffe es für sie - ich hoffe es aber natürlich auch für mich. Dass ich immer klar sehe, was meine Warheit und was die aktuelle Wahrheit ist. Damit ich in der Gegenwart leben kann.

Alle Jahre wieder: Der Advent neuer Hightech im Alltag

Allen, die meinen Blog doch noch lesen, ein gutes 2019 ... es wird sicherlich turbulent ... auf allen Ebenen.

Das hätte mich nicht zum Schreiben verleitet, aber nach der Lektüre des gut illustrierten Fachaufsatzes The Missing Link packte es mich schon ... etwas virtuellen Senf abzulassen.

Alle Tendenzen haben eine Ein- und Rückschwingphase ... bis es sich auf ein allgemein akzeptiertes Mass einpendelt. In der industriellen Produktion nennt man das die Schweine-Zyklen, andernorts einfach und simple "übertreiben", "gesundschrumpfen" etc.

In dem Artikel habe ich mir zuerst die Fotos angeschaut ... und natürlich kann ich wie auch wohl 99.9% aller anderen eine heutige, komplett virtuelle Komposition schon lange nicht mehr von einer echten unterscheiden. Das "neue exotische schwarze Topmodell", so ein Körper könnte existieren ... deshalb ist es ja exotisch, weil wir sowas nicht aus dem Alltag kennen. Aber es für garantiert echt zu halten, das ist eben vorbei. Und gerade Vorbilder suchende Menschen, egal welchen Alters, müssen im Umgang mit dem Internet wirklich lernen und verinnerlichen, dass dort a priori alles mal nur Show ist. Nichts davon sei wahr ... so kann man ja mal anfangen. Wenn es doch interessiert, dann kann man sich auf anderen Kanälen - inklusive Internet - ja informieren - man nähert sich dem Thema am besten nicht direkt, sondern mäandriert etwas über benachbarte Gebiete und kämpft sich hinauf zum Ziel: Sich eine eigene Meinung von dem Vorgesetzten zu erarbeiten.

Wie auch immer, das Virtuelle hat ja auch eine Faszination: Etwas zu sehen, was es an Menschen so (noch) nicht gibt: In Total Recall mit Schwarzenegger von 1990 gibt es eine Frau mit drei Brüsten - klar, Show. Dann gibt es Bilder von Frauen mit drei Brüsten oder zumindest drei Brustwarzen. Die sollen echt sein. Häja, es gibt ja genetische Abweichungen. Fake? Packt man das Foto in den Kontext einer Ärztefachzeitung, eines Medizinjournals ... es gibt ja auch Hermaphroditen, weil im genetischen Ablaufplan etwas nicht durchgelaufen ist, was normalerweise im Uterus noch passiert ... was habe ich denn schon, um gewiss zu sein, dass ein Foto echt ist. Wir sagen ja im Deutschen, "Foto machen" ... mit der VR stimmt das absolut.

So sehen wir also Ungesehenes, hören Unerhörtes. Da wir Menschen ja auch oft sagen "Ich glaube nur, was ich sehe" ... naja, da ist doch die VR gut geeignet, unsere Toleranzgrenzen auszuweiten. Was man schon mal gesehen hat, vor dem hat man keine oder weniger Angst. Käme uns ein Avatar real entgegen, hätten wir sowas Ähnliches schon mal gesehen. Oder einen Alien aus den diversen Spielberg-Filmen.

Ich warte jeweils bei IT-Trends einfach auf den Rückschwung des Pendels. Wer hätte gedacht, dass es doch wieder in werden könnte, vor der Ehe keinen Sex zu haben - nach all den sexuellen Revolutionen - nicht Befreiungen, nur Revolutionen. Das Gut-Finden ist ja jedem selbst überlassen und muss auch in keiner Weise missioniert werden.

Ich jedenfalls habe sehr viel Abstand zu meinem Berufshobby, der IT. Als Mensch, nicht als Berufsmann. Als Mensch lernte ich schon lange, wirklich immer öfters die Nase weg vom Schaufenster der neuesten Gadgets zu nehmen und das Dargebotene wieder mal in seinem Rahmen zu sehen. Dann sehe ich, ob ich glücklich würde mit dem Kram, der da vorgeführt wird.

Der Kram ist in der VR halt nun so, dass er in gewissen Lebensbereichen, die wir eben alle zu kennen glauben, den Anspruch auf Echtheit erheben kann. Das Auge und die gespeicherten Phänotypen sind überwunden bzw. die Technik erzeugt aus dem digitalen Nirwana konkrete Bilder und Filme, die eben "echt" sind. Aber wozu? Tja, das ist die Kernfrage ... immer. Cui bono? Im Schaufenster hat's Zeug zum Kaufen.

Wir sollen also unser Geld dort lassen. Auch wenn nicht geworben wird ... über Umwege wird eben immer geworben: Möchte ein Mensch seinen Körper "verbessern" ... wo wird er wohl hinschauen, wo wird er VorBILDER suchen? Tja, und wenn so ein Vorbild dann mal als Ziel angenommen wurde - jetzt kann man dem Menschen Zeug andrehen, das ihm doch nur befhilflich sein soll, seinen Lebenstraum zu erfüllen.

Also, alle wollen was von uns. Paktisch immer. Nur die Liebe (nicht Eros) ist die, die nichts will, die weder ändern noch bestimmen will. Aber spürt man sie in den virtuellen Surrogaten? A propos: Dieser Film mit Bruce Willis ist ja einfach das Ende dieser VR verrückten Zeit: Nachdem alle ihre Schokoladenseiten in der realen Welt in Form von Cyborgs ausgeführt hatten, aber als steuernder Körper zuhause im Bett als Halbleiche rumlagen, entdeckte Bruce Willis eben, dass er doch seine Frau liebe, wie sie sich real im Zimmer zuhause darstellt. Nicht deren geschönte und makellose Avatarin. Mehr sei nicht gesagt, um denjenigen die Spannung nicht zu vermiesen, die den Film noch nicht kannten und ihn mal sehen wollen.

Sogar im Film schwingt das Pendel zurück. Gut. Oder: Ist ja klar., Filme werden von Menschen für Menschen gemacht, da muss irgendetwas Versöhnliches her am Schluss. Offenbar wissen wir Menschen instinktiv schon, wie wir es eigentlich haben wollen. Und doch lassen wir uns andauernd verwirren und ablenken. Denn diese Fake-Infos sorgen dafür, dass Leute vom Schlag "Ich glaube nur, was ich mit eigenen Augen sehe", die das Sehen in der Glotze mit dem Sehen in der Realität verwechseln, wie die sprichwörtlichen Lemminge über die Klippe in den Abgrund geführt werden können. Oder andersrum: Sie haben dann als Masse ja eine Durchschlagskraft ... auf die Macht-affinen Politiker. Siehe Europa, siehe Welt.

Nur schon darum bin ich auch froh, schwingt das Pendel sooo weit aus, dass sich fast keiner seinen eigenen, essentiellen Fragen entziehen kann: Was ist mir wirklich wichtig? Wozu will ich meine beschränkte Lebenszeit nutzen? Wie kann ich dieses mit meinen eigenen Mitteln erreichen?

Stellten sich die Leute diese Fragen jedesmal wenn Bilder locken, dann kann das Pendel von mir aus auch rundum kreisen. Es wird keinem die Illusion des Hamsterrades aufdrängen können. Denn das Hamsterrad ist ja nur nach hinten oder vorne unbegrenzt. Räumlich ist es ja ein sehr überschaubares, kleines Gadget. Mit dem man aber immerhin einen Geist, ein Leben einfangen und für die eigenen Zwecke einspannen kann. So strampelt der Hamster dem unerreichbaren Ziel entgegen, brennt aus, wird depressiv, weil sich alles wiederholt ... und füllt vielleicht jemandem eh nur die Energiekasse. Vielleicht. Würde der Hamster während der Hast nur mal den Blickwinkel ändern, nach links oder rechts schauen: Der Ausgang aus dem Rad kommt wohl alle 360° mal vorbei ...

Verpackungswahnsinn: Beispiel Pomelo

Ich mag die Pomelo-Frucht sehr. Schon lange. In der Schweiz zumindest kommen die Pomelos unverpackt auf die Theken der Läden.

Neulich im Rewe kaufte ich wieder zwei Pomelos und war schon sehr enttäuscht - natürlich nicht ob der tollen Frucht, sondern ob deren Verpackung!

Nachfolgend ein Bild der Pomelo. Für die, die sie noch nicht kennen. Man kann schon erahnen, dass diese Frucht schon für sich alleine optimal ihr delikates Inneres schützen kann.

Die Schale ist bei der im Foto ca. 1cm dick, sie wird durch Wasserverlust beim Aufbewahren schon immer dünner, aber das süsssaure Saftige bleibt dadurch laaange erhalten.

Aber nein, sie muss nochmals in einer Plastikfolie und dann noch in einem Netz verpackt werden. Wie kann man nur sowas machen ... man möge mir die Gründe für diese hirnlose Energieverschwendung erläuten.

Damit mir keiner komme, "depp, frisst mit der Pomelo ja eine exotische Frucht, lass das doch besser". Ja, weiss ich, diese Pomelo kam aus China, die Dinger wachsen nicht bei uns. Schon klar.

Bei resourcensparendem Verhalten geht es nicht ums 100%ige Verzichten, sondern um das Eliminieren des Unnötigen, des Ballastes, des Bullshits.

Ich verstehe es nicht - wie ich auch nicht verstehe, wie Bio-Produkte in Cellophan verpackt werden. Klar, sie haben hoffentlich keinerlei Schutzmittel auf der Schale etc. Sie sind also nicht "haltbar" gemacht. Kommen die in Massen an und in Kontakt mit Sporen, Pilzen, Bakterien würden sie wohl sofort zu faulen beginnen. Also, was gewichtet nun stärker - weniger Pestizide versus Verpackung ...

Wie auch immer. Es fällt mir halt auf. Vielleicht frage ich mal das Personal, wenn ich das nächste Mal im Rewe bin.

Wasserstoff speicher- und transportierbar

Es ist schon schön ... was Leute finden, wenn sie "vergiftet" dran sind. Im Deutschen TV sah ich zufällig den Deutschen Zukunftspreis ... da war ich doch grad geplättet. Da hat doch ein Team es endlich geschafft, den zwar perfekten, aber unhandlichen Treibstoff Wasserstoff zu bändigen, damit er genau so leicht speicher- und transportierbar wird wie Benzin. Denn die geeignete Vertriebsinfrastruktur besteht ja fast überall auf der Welt, wo Menschen leben. Und für den Rest gibt es Kanister und Tanks.

Wir wissen, dass Wasserstoff problemlos herstellbar ist - aber halt nicht grad am Polarkreis, dafür aber in den Wüsten oder in Windparks. Nur, wie kommt der nun in die Städte, zu den Autos? Wir haben eine Infrastruktur für flüssige Betriebsmittel. Könnte man also den Wasserstoff so leicht wie Öl transportieren, wäre das doch endlich mal der Schritt, der Wasserstoff-Mobilität Vorschub zu leisten.

Das Team hat zwar nicht gewonnen, aber wir wissen, dass diese Technologie mehr Leben retten wird über die Länge als die diesjährigen Gewinner. Denn der Klimawandel kann nur begrenzt werden, wenn der Treibstoff CO2-neutral erzeugt und verbraucht werden kann.

Bitte lesen und jedem Weitersagen: Flüssiger Wasserstoffspeicher. Wer investieren will, dort ansaugen ... sowas rettet die Welt im Grossen. Ich bin sehr glücklich, dass es so viele innovative Leute auf der Welt gibt, die das Nötige (er)finden, damit die nächsten Generationen auch noch eine lebenswerte Erde vorfinden könn(t)en ... ich wünsche ihnen allen Erfolg der Welt – für die Welt – Urbi et Orbi.

Boyan Slat - Thank you for Ocean Cleanup System 1

Wer es nicht sah, sollte es sehen: Der Start des ersten grösseren, passiven Ocean Cleanup Systems. Was das ist? Ganz einfach, die Aufräumarbeit für unsere Sauereien: 1.8 Billionen Plastikteile schwimmen in den Ozeanen. Dem 16-jährigen Holländer Boyan Slat fiel das beim Schnorcheln in Griechenland auf - wie vielen anderen auch. Doch er, er war einer derjenigen, der was unternahm. Das ist nun 8 Jahre her. Und er hat's geschafft, Crowd Fund Raising und viel Volunteer Arbeit brachten es zustande, dass nun das 600m lange, passive System endlich gestartet werden kann. Mit 120m wurde schon getestet, aber 600m sind schon noch mal was anderes. Es muss sich beweisen, dass es dem rauen Wetter lange standhält, denn als passives System kann es nichts aktiv unternehmen, um sich den Meeresgewalten zu fügen.

Boyan war also der, der sich nicht beirren liess. Im Interview sagte er, er habe sich des Problems angenommen und er wusste, dass er verschiedene Meinungen, wenn nicht gar Widerstand zu erwarten habe. Er sagte, dass er eigentlich nur dann stoppen würde, wenn er physikalische Gründe akzeptieren müsste, die ein Nicht-Funktionieren begründen würden. Das sei aber nie so gewesen, das was er gehört habe, seien Meinungen! Und zum Glück ist Boyan einer, der sich an denen orientierte, die ermutigen, nicht Bedenken vortragen.

Ich gebe derzeit wieder Schule - was ich sehr liebe. Meine Studenten sind im Schnitt wohl 25. Ich wünsche ihnen, dass sie immer nur denen begegnen, die zwar vielleicht sagen, etwas wurde noch nie gemacht, die aber auch ermutigen, es genau deswegen zu probieren. Erfahrungen sind wirklich wertvoll, aber sie dürfen nie zu einer Fixierung gegen Neues führen. Erfahrungen sind auch nie genau zu demselben gemacht worden, was jetzt eben neu sei. Wieso also sollten Erfahrungen etwas Neues wirklich behindern oder gar verunmöglichen dürfen.

Ich bin einer derer, die genauso sagen: ICH weiss nicht, ob etwas klappen kann. Aber DU solltest es auf jeden Fall probieren, wenn das Thema dich anzieht. Alles andere wäre Stillstand. Und den haben wir anderswo schon lange, und er macht sich mehr und mehr schmerzhaft in unseren Alltag bemerkbar.

Ich hoffe, dass Boyan Slat mal denselben Ruhm hat wie Jaques Cousteau oder anderen. Sein Vorbild sei ja Nikola Tesla. Der war genial, starb aber verarmt. Gut, der hatte noch kein Internet. Boyan wird seinen Weg auch nach Ocean Cleanup machen, da bin ich sicher. Probleme gibt es genug, hoffentlich auch Charaktere wie Boyan Slat, die sich derer annehmen.

Ich hoffe, dass dieser Tag in die Geschichte eingeht und ein Feiertag wird: Der Tag, an dem wir begannen, die Meere aufzuräumen. Damit das, was wir aus den Meeren essen, nicht mehr unser Abfall ist.

Chapeau, Boyan Slat!

Fair Food Initiative

Darüber wollte ich letztens schon mal was schreiben, jetzt kommt der Trigger grad, so dass ich es jetzt mache.

Kurz: Ich werde Fair Food annehmen. Wieso? Es hat bei mir gar nichts mit übertriebenem Schutz von Viechern, Natur und Gutmenschen zu tun. Ich habe anderswo schon argumentiert, dass die sogenannt zivilisierten Länder mit ihren Wirtschaftsstrategien die "Entwicklungsländer" zumindest niedergerungen haben. Das gilt für die EU erst recht.

Wenn per heute 78% der Schweizer Fair Food annehmen würden, ist das sicher etwas weltfremde romantisierende Träumerei. Denn wenn offenbar erst 10% Bio-Produkte kaufen, dann sind da wohl einige dabei, die sich das ganze noch nie wirklich durch überlegten. Diese Produktionsketten und Lebensgrundlagen sind sehr verzettelt und sie zu ersetzen bedarf des Augenmasses.

Auf der anderen Seite geben wir etwa 6% des Einkommens nur noch aus fürs (Fr)essen. Wenn man verzichtet, bewusst wählt, Saison-gerecht und erzeugerbewusst kauft, ginge wohl bei allen etwas. Mann/frau muss nicht Ananas haben, nur weil irgendwo auf der Welt Ananas angebaut werden. Und wenn, dann solche, die von Havelar oder anderen weiterverarbeitet werden. Apfel und Kartoffel dürfen nicht verschmäht werden, weil sie nicht perfekt durch die Schablonen passen.

Und dann dann Schlag-mich-tot-Argument: Wie sollen wir das denn in den Produzentenländern überhaupt kontrollieren können. Tja, wenn die Produzenten mehr verdienen, werden sie sich den Regeln wohl gerne unterordnen, ist ja zu ihrem Besten. Und dies könnte bekanntlich wie in allen Schweinezyklen auch eine Sogwirkung generieren. Wir müssen halt dafür sorgen, dass nicht die Zwischenhändler absahnen, sondern die Produzenten unseren Goodwill wirklich zu spüren bekommen.

Wenn wir als Schweiz an unseren Grenzen kontrollieren, was reinkommt, dann haben wir das im Griff. Schliesslich können wir ja auch sonst jeden beliebigen Schrott kontrollieren. Grauimporte wird es immer geben, aber dann macht der Produzent auch am Beschiss mit, und gegen diesen Fall ist eh nie ein Kraut gewachsen.

Dass man chemielastige, umweltschädigende Monokulturproduktionen eliminieren, Food-Waste verhindern, den Food-Snobismus ächten muss, ist vielen sicherlich aus verschiedensten Gründen klar und einsichtig. Das ist das, was jeder hier im Lande tun kann. Wir als Schweiz können es uns wohl aber auch leisten, an den Grenzen zu filtern: Wir können den Impuls an die Produzenten weitergeben, dass dieselben Imperialisten, die die lokale Landschwirtschaft zerstörten, nun doch eine Verbesserung wollen. Von mir aus unter dem Titel der Food Qualität und dem erwachten Konsumentengewissen.

Wer - wenn nicht die reichen Importeure - können den Food-Irrsinn überhaupt wieder in förderliche Bahnen lenken? Natürlich, die Produzentenstaaten sind souverän - sie könnten es. Aber, die Entwicklungshilfe, die sanften oder groben wirtschaftlichen Sanktionen belehren die eventuell schnell eines Besseren. Man beobachte ja nur, wie der Trump-Elefant sich im Porzellanladen aufführt ... einfach weil ihm keiner auf die Pfoten hauen kann oder will.

Und in Afrika, ob das in nächsten Generationen hinhaut? Denn immerhin sollte jeder Mensch auf dieser Welt - egal wie er wo lebt - sich zumindest einmal Gedanken machen, was das für ein Platz ist, die Erde. Und ob die alles mit sich machen lässt - und wenn nicht, wie wird es einen selbst betreffen, wenn es eben knapp wird ...

Aus dieser Sicht, dass man meinem Lieblingsspruch gemäss - Think globally, act locally - sich eben immer am grösseren Bild orientieren soll, habe ich keine Mühe damit, dass meine Food-Vielfalt nicht so gigantisch ist, denn ich kenne mich ja: Mein Alltagsfood ist mehr oder weniger auf höchstens 30 Produkte beschränkt. Selbst wenn ich etwas davon, weil teurer, mal streichen müsste, fällt mir deswegen kein Zacken aus der Krone. Es ist eben ein Trugschluss, dass wir Reichen immer alles zu jederzeit haben können. Weil diese Anspruchshaltung existiert, gibt's den Food-Waste. eine simple, arrogante Dekadenzerscheinung.

Ich bin gespannt, was sich wie ändern wird, wenn Fair Food angenommen sein wird. Dieses Experiment müssen wir uns als reiche Schweiz leisten wollen.

10vor10: Künstliche Intelligenz Serie

Diese Woche hatte 10vor10 eine schöne KI-Serie gemacht. Hat mich gefreut! Denn ich habe hier ja auch schon oft über solche Themen geschrieben.

Der Freitag war wohl als Klimax gedacht - und so war es auch ... das Ersetzen von Gesichtern in einem Video durch ein anderes. Wer hat das so noch nie gesehen? Wie war's? Die Gefühlslage?

Wir, die wir alle so bildorientiert sind, wurden mit einem Gesichtsaustausch von Andrea Vetsch in die Kopfform von Susanne Wille konfrontiert. Wir müssen beide Gesichter kennen, um das überhaupt bemerken zu können.

Die Einstanzfehler waren meiner Meinung nach noch anderswo zu sehen, die Experten zeigten dann auf eine doppelte Augenbraue, die ich nicht sah am TV. Also noch nicht perfekt. Aber das war ja auch nur eine Software, die jeder runterladen und probieren konnte. Allerdings hatte SRF ja auch genug Trainingsmaterial.

Wie auch immer, wer könnte sicher sein, würde er nur eine der beiden Frauen kennen, ob das Bild nun echt ist oder nicht, ob die Frau das wirklich sagt, was akustisch vernehmbar ist und was visuell mit den entsprechenden Mundbewegungen übereinstimmen soll?

Ich hatte ja anfangs Jahr einen Artikel geschrieben, in dem ich das Jahr 2018 als dasjenige bezeichne, in dem Maschinen sich wie Menschen anmuten werden. Drum freut mich ja auch die 10vor10 Serie.

Ein Fake-Jäger entwickelt Software, um Fälschungen zu erkennen. Blade-Runners Voight-Kampff-Test lässt grüssen. In jener Dystopie ist das Faken ja Alltag, interessieren tut es bis auf die Blade-Runner eben niemanden mehr.

Der Fake-Jäger meinte dann auch, dass man eben KI gegen KI antreten lässt - also Fälscher gegen Detektive. Nett. Es zeichnet sich ja überhaupt überall immer mehr ein Rückzug der menschlichen Interaktion aus den ehedem von ihm erschaffenen Szenarien ab:

Kriege werden mehr und mehr virtuell im Internet oder von Drohnen geführt. Berufe werden von Robotern und KI übernommen, Landwirtschaft wird ebenfalls bald Robot's Farm, Pflege sowieso, Banken verlieren an die BlockChain, Dienstleister und Call Agent werden von Bots und sprechenden Lautsprechermikrophonen ersetzt, und so weiter ...

Wenn man sich das mal alles ansieht: Der Mensch ist wie im Zauberlehrling: Der Knecht macht alles besser und schneller. Und der Meister wird träge ... und kann schlussendlich nicht mehr abstellen. So ein Szenario haben unzählige Science-Fiction Autoren schon längst durchgekaut. Nun wird es also langsam Realität - in den reichen Ländern zumindest. Oder sagen wir mal, in den kapitalistisch-religiösen Ländern.

Die Antwort eines anderen Experten in der Sendung: Die Menschen werden das schnell lernen, einige wenige hochkarätige Fakes, die enttarnt werden, und sie haben es gelernt.

DA bin ich mir aber überhaupt nicht sicher. Die Masse wird nur noch mehr gegängelt mit irgendwie wahren audiovisuellem Schrott. Als Gamer weiss und staunt man, wie gut die Immersion in Topgames heute sein kann, aber der Gamer weiss auch, dass er sich nun in ein Game begibt. Daraus wird er in einigen Stunden wieder rauskommen.

Aber wir? Der TV oder das Netz spielen uns so viel Videomaterial wie noch nie ins Haus. Wohl dem, der wirklich jedweder Videopräsentation eines Faktes oder Gegenstandes total gelassen entgegentreten kann - weil er im Innersten weiss: Es ist keinem Material mehr zu trauen. Aber eben, die Emotionen sind ja das, was treibt. Die sind im Menschen nicht weg. Das an-ein-Video-Glauben-Wollen wird daher wohl nicht so schnell verschwinden wie die Fakes in die Breite gehen.

Ich hoffe schwer für die Gesellschaft, dass sie klar kommt mit der umwälzenden Veränderung der visuellen Gewohnheiten. Was man nur über die Mattscheibe kennt, ist einfach per se als ungewiss zu klassieren.

Idealerweise könnte es ja dazu kommen, dass man die internen Vorurteile abbaut, oder gar nicht erst aufbaut, denn: Wie baut man denn Vorurteile überhaupt auf? Unter anderem so: Man glaubt an etwas, sieht Bestätigendes Bildmaterial und glaubt mehr. Das Bildmaterial bildet also die Meinung aus. Amerikanischer Wahlkampf lässt grüssen. Wie auch immer. Schaffen wir es, das vermeintliche Wissen wieder abzubauen? Weil es auf Fake-News basierte? Diesmal halt eben Fake-Videomaterial?

Es gab schon nie eine einzige Wahrheit, es gibt keine einzige Wahrheit und es wird auch in Zukunft keine einzige Wahrheit geben. Für die Unterhaltung spielt das keine Rolle. Fürs Erreichen eines Zieles mittels Video dann eben schon. Enkelbetrüger-Tricks etc. funktionieren auf der verbindenden und empathischen Art des Menschen. Falsches Videomaterial wird da noch einige mehr übern Tisch ziehen.

Drum mein Standard-Hinweis: Cui bono? Wem nützt es? Der Video? Selbst in der Unterhaltung: Wieso muss ein Nicolas Cage Gesicht in einem neuen Video möglicherweise recyclet werden? Weil sein Gesicht in einem Film immer noch irgendwie irgendwo mehr Geld einbringt? Sic. Dann weiss man es. Ist das schlimm? Keine Ahnung, ich bin nicht auf Stars aus, bei mir geht es immer nur um die Story, Schauspieler sind austauschbar. Ähem, nun werden sie's auch ...

Aber eben, bei vielem wird man es nicht mehr wissen, weil man es erst gar nie wusste. Wenn eine Firma also einen Hornbrecht Dinkelbaum als neuen Influencer puschen will, dann kann sie den komplett virtuell vom Baby bis zum Teenie-Star altern lassen, bzw. eine visuell stimmig mit Video untermalte Baby-Legende herstellen, so dass der Hornbrecht als eine reale Person erscheinen kann. Tja, und je weniger Leute wir wirklich im realen Leben kennen, desto offener steht die Tür für den Rattenfänger.

Also, cui bono. Immer!

PS: Nett, den Zuschauer vom Gesicht des Stephan Klapproth verabschieden zu lassen ... wer's nicht bemerkte: so leicht geschieht das eben ...hoffen wir, dass es immer harmlos sein werde.

Von wegen (gutes) Karma ... Coops Verpackung

Ich mag ja asiatisches Snack-Zeug. Also der Griff mal zu Coops Karma Linie ... ein Aisa-Mix. Ist grad im Backofen, aber da dachte ich beim Auspacken also sofort: Von wegen gutes Karma! Sechs Plastiktüten mit vier Arten von Snacks, zwei für dieselbe Sweet-n-Sour Sosse.

Und Plastik von der sehr starken Sorte.

Wie auch immer, wo ist denn hier das Karma? Könnte Coop nicht einfach auch noch besser verpacken? Gutes Karma kommt ja nicht (nur) zustande, wenn mann/frau keine Tiere (fr)isst. Wer so einen Titel im Produkt führt, muss meines Erachtens vor allem auch an den Abfall denken.

Fortschrittlich wäre gewesen, wenn die Plastiktüten wenigstens kompostierbar wären. Doch soweit reicht der Wunsch fürs gute Karma im nächsten Leben dann offenbar doch nicht ... kommen die Macher das nächste Mal wohl als Fische im Plastikozean zur Welt ... Karma heisst ja nur, das Erleben von etwas im Wechsel von Erzeuger und Erdulder.

CHF 5500.- für 5.5 Zimmer? Und das von einem grünen Vermieter

Schon krass, der Grüne Stadtrat Daniel Leupi der Zürcher Stadtregierung vermietet in seinem Haus eine 5.5-Zimmer Wohnung für: CHF 5500.-

Mir fehlen da die Worte. Es zeigt sich, dass Wasser predigen halt schon weniger geil ist als Wein saufen. Aber vor allem: Politiker aller Couleur scheinen überhaupt nicht mehr zu wissen, was Relationen sind - die Relationen, die den Durchschnitt der Bevölkerung, die sie ja wählt, im Alltag betreffen oder gar plagen.

Der Medianlohn in der Schweiz liege bei rund CHF 6500.- (Median meint, dass es genauso viele Messwerte - hier Löhne - darunter wie darüber gibt). Politiker machen offenbar derart viel Kohle mittels und ausserhalb ihres Amts, dass es ihnen scheissegal ist. Es geht ja darum, dass Politiker de facto Leute und Werte vertreten. Vertritt mich einer, der eine Wohnung vermietet, die etwas weniger als die Hälfte der Bevölkerung nicht einmal bezahlen könnte?

Klar, selbst wenn man der Regel folgt, dass Miete höchstens einen Drittel des Monatseinkommens sein sollte und man schon weiss, dass es genug Leute gibt, die diese CHF 15'000.- pro Monat zusammenbekommen: Von einem Grünen erwarte ich schon mehr Sozialkompetenz. Aber eben, in Deutschland sind die ergrauten Grünen halt auch Kapitalisten geworden - ob egoistisch, lasse ich mal aussen vor.

Im TV wurde das Haus gezeigt. Gemäss Immobilienmakler soll es so oder so viel zu teuer sein, denn die Lage ist nun nicht grad breathtaking.

Also, mir passt das gar nicht, dass Politiker nur immer mehr eben das Wasser predigen, aber selbst heimlich und reichlich Wein saufen. Damit anerkenne ich deren Exposition in die Allgemeinheit schon an, und ich möchte keiner derer sein, die die Auswüchse in den Social Media erdulden müssen. Doch eben, Leupi ist nicht der erste Grüne, der auffiel durch erzkapitalistisches Verhalten.

Chinas Totalüberwachung ... wieviele Jahre vor uns?

Heute hat die Rundschau einen dystopischen aber schon realen Überwachungsstaat portraitiert: China

Der Junge, der da von Face++ spricht, ist stolz auf sich und seine Arbeit: die Erkennung eines beliebigen Gesichts innert 1 Sekunde, wenn man sein Gesicht irgendeiner Kamera offenbart.

Klar, gegen Kriminelle: Aber dieses soziale Creditsystem ist natürlich brutal. Einer der letzten 3(!) unabhängigen Journalisten darf kein Zugticket mehr buchen, vom Fliegen ganz zu schwiegen, kann keine Wohnung kaufen, nichts mieten ... einfach, weil die landesweite Datenbank sein soziales Ranking kennt ... er sei "kein guter Mensch" ... eine Erziehungsmassnahme soll das sein.

Tja, aber wie kommt das Ranking zustande? Keiner scheint das zu wissen, nur die Regierung. Das heisst natürlich, dass keiner weiss, was ein guter Mensch ist. Bzw. wie man zu einem schlechten wird. Das heisst ganz einfach, landesweites Misstrauen, Angst, Unsicherheit.

Der Jüngel ist stolz, dass er die Bösen direkt an die Polizei liefere .... ich frage mich, ob der weiss, dass er selbst mal zu einem Bösen werden könnte ... ohne wissentlich dazu beigetragen zu haben ... einfach, weil einem der Regierenden irgendwas schräg in den Hals gekommen ist, was er sagte, oder weil er selbst zu gefährlich wurde, eine persona non grata ...

Da geht es dann schnell ... und da Daten ja praktisch ewig gespeichert werden können, weiss man nicht, was künftig gegen mich verwendet wird, was ich heute an Daten abliefere ... das war auch Phil Zimmermanns Text übers Verschlüsseln: Es gehe nicht darum, dass Verschlüsselung möglicherweise knackbar sei oder nicht. Wenn der Datenabgriff aber zu einfach ist, speichert der Staat alles. Und eben, wer weiss, was eine künftige Regierung mit dem Datenfundus machen wird. Davor habe Zimmermann Angst. Daher sagt er, wir sollen verschlüsseln.

China ist also das, was in der sakrastischen TV-Serie Black Mirror schon mal in extremis thematisiert wurde.

Wollen wir in Angst, Ausgrenzung und ständiger Furcht und Misstrauen leben müssen? Wer sagt, ja, ist ja China. Nana, Angst, Ausgrenzung, Misstrauen ... dies zu schüren, braucht es kein totalitäres Regime.

Ceterum censeo: Think globally, act locally.

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