Stand der Bitcoin Kritik heute

Klare Ansage vorab: Ich verstehe Bitcoin, ich stehe 100% hinter den Konzeptionen von Bitcoin. Dennoch vergöttere ich Bitcoin nicht. Und in meinem Falle: mit Bitcoin meine ich immer die Kombination von Bitcoin als solides Fundament mit seinem ersten grossen, auf ihm basierenden Anwendungszweck: Schnelle Transaktionen = Lightning. Dazu etwas mehr später.

Ich möchte hier mal den Stand der aktuellen Bitcoin Kritik summieren und den gelisteten Punkten einen anderen Blickwinkel gegenüber stellen. Es möge mir gelingen. Sollte jemand mit mir in Dialog treten wollen, es gibt ja gleich nebenan das Kontaktformular.

Ich beginne mal mit der Summierung all der Absichten, die die Entwickler von Bitcoin hatten:

  1. Digitales Geld für eine zunehmend digitale, "kopierbare" Welt
    Was so einfach klingt, ist in der Computerwelt extrem schwierig zu erreichen, denn ein Computer kann keine Materie bewegen, er kann aber Informationen kopieren. Nur sieht man dann einer Kopie nicht an, dass es eine ist - und dem Original nicht, dass es kopiert wurde. Und es will wohl keiner, dass digitales Geld von einem Hacker oder einem bösen Dämon einfach unbemerkt kopiert wird. Denn könnte man digitales Geld einfach duplizieren, wäre es kein Geld. Hierzu verweise ich immer gern auf das Buch Der Bitcoin Standard, denn welche Qualitäten ein Geld zu einem stabilen Geld machen, ist dort sehr anschaulich erklärt.

  2. Erlaubnisfreier Zugang
    Jeder auf der Welt hat jederzeit vollwertigen Zugang zu BTC. Mit jede:r sind auch die gemeint, die keinen festen Wohnsitz haben, daher kein Bankkonto bekommen, und einfach üblicherweise mit einem Schulterzucken vom globalen Handel ausgeschlossen sind - weil uns reiche Länder deren Schicksal nicht oder nur wenig interessiert. Gerne mit dem Lokalitätsprinzip abgehandelt "nicht unser Problem, müssen die schon selbst richten". Ja, aber in Zeiten des Internets gibt es keine physische Geographie mehr.

    Der Afrikaner, der Vietnamese, der Albaner, der Tibeter, der Mandschure etc., Siedler und Nomaden, sind sofort und jederzeit mit ihren digitalen Leistungen erreichbar. Nur: Wie bezahlen? Bezahlen so, dass nicht Zwischenleute sich mit Wuchergebühren reich machen, sondern mein bezahlter Betrag zu 99.5+% beim Leistungserbringer ankommt?

  3. Dezentralität
    Die zum Betrieb des Bitcoins nötige Infrastruktur ist derart, dass jeder, der einen kleinen Computer hat, daran teilnehmen und so die Infrastruktur-Basis bereitstellen und unabhängig machen kann. Je mehr das tun, desto dezentraler und manipulationssicherer. So dass es keinen Player mehr gebe, der sich irgendeine Monopolposition verschaffen kann. Weder Multimilliardär noch Schurkenstaaten, geführt von hoffentlich legitimierten, nur in sich selbst verliebten Egomanen. Ein solides Geld ist für alle ein Handelsmittel, kein Unterdrückungswerkzeug.
  4. Konsensregeln
    Alle Unklarheiten über Erschaffung von Bitcoins und deren Besitzverhältnisse werden innerhalb des Systems abschliessend und automatisiert gehandhabt. Es ist kein menschlicher Eingriff nötig.
  5. Nicht diskriminierend
    Jeder, ohne Ansicht von Rasse, Glauben, Geschlecht, Gesellschaftsstatus, Ideologie, Landeszugehörigkeit, Alter, Genetik, Kaufkraft, Kenntnisstand etc. kann teilnehmen.
  6. Anonymität und Transparenz
    Durch den Gebrauch von nur einmalig verwendeten Bitcoin-Transaktionsadressen sind zwar die Herkunft und der Werdegang seit "Geburt" eines Bitcoins unveränderbar nachvollziehbar, aber die hinter den Transaktionsadressen lebenden Besitzer sind mit den Mitteln des Bitcoin-Systems nicht eruierbar.
  7. Manipulationssicher
    Niemand kann in der Erschaffung von Bitcoins jemand anderen auf Umwegen etc. übervorteilen. Es gelten für alle dieselben Regeln und derselbe Hüter: Die nicht vorhersehbare Ausgabe einer Hash-Funktion und die vom Konsens aller Teilnehmer akzeptierten Ansprüche an die Ausgabe, um als neu erschaffener Bitcoin gelten zu dürfen. Würde jemand den Konsens verlassen und hätte eigene Bitcoins, würde der Konsens den Gebrauch seiner Bitcoins automatisch ausschliessen. Damit ist die Motivation zum Beschiss gebrochen. Es ist lukrativer, im System nach dessen Regeln zu spielen, als dagegen. Das gilt sogar, wenn kriminelle Energie vorhanden ist: Der Bitcoin ist neutral, eine Bewertung seiner Nutzung ist eine menschliche und damit gefärbte, von aktueller Moral gefärbte Schubladisierung.

So, damit nun zu den Kritikpunkten:

  1. Vorwurf: Bitcoin ist eine Blase, Bubble
    Eine Blase, ein Hype ergibt sich aus einem Impuls, dem viele aus mannigfaltigen Gründen folgen, ohne etwas oder nur viel zu wenig von der gehypten Sache zu verstehen. Das war bei der Dotcom Phase ums Jahr 2000 so wie auch bei der Finanzkrise 2008.

    Für Kenner der Sache ist sowas nicht neu, denn es gelten die Regeln des Schweinezyklus. Der heisst so, weil im frühen 20 Jahrhundert die Beobachtung gemacht wurde, wie sich Angebotsmangel (an Schweinen) mit hohen Preisen und Angebotsüberfluss mit billigen Preisen (und desaströsen Auswirkungen) auf die Agrarwirtschaft auswirkte.

    Gerade bei Bitcoin gab es dies bis zu ca. 2015 nicht. Bitcoin hatte also etwa sechs Jahre lang eine unbeschwerte Adoleszenz. Danach folgten sicherlich spekulative Einschüsse, weil Fiat-Geld ja im Überfluss in der Welt ist und angelegt werden will/muss. Dieser Fokuserhalt sorgte meiner Meinung nach garantiert zu Effekten des Schweinezyklus.

    Wenn nur aus dem Blickwinkel als Anlageobjekt betrachtet: Dies sollte der Bitcoin nie sein. Seine Kindheit beweist das ja auch. Er wurde erst zum Spekulationsobjekt wurde, als Investment-Sucher Geld auf den Bitcoin setzten - sicherlich unter vielen anderen gewinnversprechenden Assets. Eben der Gewinnmaximierung des Schweinezyklus folgend.

    Der in absolutem Wertvergleich wohl massivste Crash dann um 2017 zeigte, dass es auch damals noch keine substantielle und nachhaltige Nachfrage gab. In diesem Sinne reiht sich Bitcoin in viele andere Hypes ein - weder schlechter noch besser.

    Oder doch? Gute 25 Jahre (= eine Menschen-Generation) nach dem Internet wie es die meisten kennen, dem HTTP, ist die jeweilige Fallhöhe immer grösser ... das heisst, dass die "Bubble" eben keine ist, denn wie auch das Internet überlebt die Konzeption des digitalen Geldes für die digitale Welt diese Rücksetzer. Das Internet ist hier. Punkt. Bitcoin ist hier. Punkt.

    Gegenüber dem Internet hat der Bitcoin sogar noch den Vorteil: Man kann ihn einfach "stehenlassen". Würden Restriktionen von beliebiger Seite her den Zugang zu ihm blockieren ... die gespeicherte Transaktionsgeschichte bleibt auf allen Computern liegen. Und dass wir diese Maschinen in einem Wahn alle zerstören würden — daran glaubt wohl keiner auf der Welt. Bleiben Computer, bleibt das Internet, bleibt der Bitcoin.

    Ob er eine Kauf- oder Tauschkraft haben wird in 10 Jahren, wie gross diese sein wird ... dies ist abhängig vom Bildungsstand der Menschen und was sie als wichtig oder wünschenswert erachten. Bitcoin braucht eine Community, eine Teilnehmerbasis. Denn wie alle menschengemachten Dinge: Menschen schaffen etwas, Menschen erhalten etwas. Ich hoffe im Förderlichen, dass es das Zahlungsmittel Bitcoin ist. Die Chancen stehen gut, aber wissen - kann man es nicht. Punkt.

  2. Vorwurf: Exorbitanter Stromverbrauch
    Es ist schwer, die Annehmlichkeiten unserer modernen, westlichen Gesellschaften energiebilanztechnisch zu bewerten. Schliesslich hinterfragt wohl niemand mehr, ob es der Menschheit dient, dass

    • Elektrizität Licht ins Leben der Leute bringt und Fortschritt und Bildung ermöglicht
    • Klimaanlagen Hitze erträglich machen
    • TVs und Handys uns mit der Welt verbinden
    • Wäschetrockner einzelnen etwas Wartezeit abnehmen
    • eine moderne Küche ohne Stromverbraucher fast nicht mehr zu denken ist
    • Google und Wikipedia uns jederzeit unsere Fragen beantworten und Bildung bringen
    • Aluminium zu den leichtgewichtigen Werkstoffen gefertigt werden kann
    • Mobilität ein Schlüssel zu persönlicher Entfaltung in materieller wie auch immaterieller Sicht sein kann
    • in Zeiten des Klimawandels Wärmepumpen als Mittel der Wahl für Heizungen gelten
    • Öffentlicher, elektrischer Verkehr in den Städten uns mobil macht

    Was haben diese doch wohl vorwiegend anerkannt fortschrittlichen Dinge gemeinsam? Sie brauchen Infrastrukturen. Und diese sind nicht ohne. Wir wissen genau, dass diverse Infrastrukturen enorm ressourcenvernichtend, undemokratisch, ausbeuterisch, gesundheit- und umweltschädlich sind:

    • Da wir die Photovoltaik und die Energiespeicherforschung mehr als ein Jahrhundert lang einfach ignoriert, zumindest sehr vernachlässigt haben, weil es billiger war, weggespeicherte Sonnenenergie in Form von Öl und Gas wieder in die Atmosphäre zu holen, erzeugen wir die Premiumenergie mit Verbrennung. Und das, obwohl die gesamte auf die Erdoberfläche auftreffende Energiemenge der Sonne mehr als fünftausend Mal grösser als der derzeitige Energiebedarf der Menschheit ist.

      Ich sage jeweils: Die Technologie dieses Planeten ist die Photosynthese, der Energieaustausch via Zucker — alle Pflanzen und Tiere beherrschen diese Technologie, natürlich auch wir Menschen. Doch das Leben als Teil der Natur scheint dem Geist des Menschen nicht zu genügen, der Mensch will erschaffen ... und da er zwar seine Nachkommen mit der vorherrschenden Technologie erschaffen kann, aber eigentlich nicht genug über diese Technologie der Natur weiss, stellt er ihr etwas gegenüber, was mit der nicht kompatibel ist: die unbelebte Technik. Und mit der zerstört er die Naturtechnologie, von der er selbst aber abhängig ist. Eigentlich nur zum Kopfschütteln ...

    • Enormer Naturverbrauch für Strassen, Individualverkehr, Energieverteilung. Wir geben soviel Natur hin, nur damit unsere Autos und Lastwagen drüberfahren können. Strassen erzeugen keinen Sauerstoff mehr, heizen sich auf, so dass man ohne Schuhe nicht mehr drauf gehen kann, und trennen Lebensräume. In Städten scheint man erstaunlicherweise erst jetzt festzustellen, dass Grünflächen die Hitze senken, Schatten spenden, Biodiversität steigern und den Wasserhaushalt regulieren. Ich persönlich ärgere mich regelmässig über die Kurzsichtigkeit, eine Fläche mit Beton versiegelt zu sehen, wo wir doch wissen, wie desaströs versiegelter Boden ist.
    • Schäden an Natur und Menschen durch Schadstoffe in der Luft, Abfall an den Strassenrändern, Abfall im Meer statt Recycling, keine Bildung bez. Umweltschutz und Recycling-Kreisläufe, Raubbau und Monokulturen, Ausbeutung von Völkern, Indigenen, kurzfristige Interessen Mächtiger wie Bolsonaro oder derzeit Putin, die sich einen Dreck um globale Wahrheiten scheren.
    • Schäden bei der Energiebeschaffung oder Abfallrecycling. Erdöl, seltene Erden, Gold, aber auch Nahrungsmitteln werden mit enormen Nebeneffekten ignoriert oder der Allgemeinheit überantwortet - zum Ziele wirtschaftlicher Gewinne. Atomare Abfälle zu entsorgen ist immer noch nicht gelöst.
    • Nicht zuletzt: Marode Infrastrukturen. Wenn elektrische Energie oder auch Lebensenergie, Wasser, einfach in veralteten, nicht anständig oder gar nicht gewarteten, nicht überwachten, abzweigbaren Transportsystem transferiert werden: Wie beim Wasser wird elektrische Energie ohnehin verschwendet, weil sie nur im Fluss was bewirken kann. Daher produziert man lieber mal zuviel, lässt sie dann auch ganz bewusst versickern, sich tot- oder wirkungslos auslaufen.

    Aber eben, bei Vorwürfen an den Bitcoin blenden die meisten Kritiker einfach all das aus, was noch viel mehr Fokus verdiente. Man könnte derzeit eine Parallele ziehen zu den Ukraine-Flüchtlingen in Europa: Wie sehr sich doch alle um diese Kriegsflüchtlinge kümmer(t)en, wie leicht ihnen Zugang zu unseren Arbeitsplätzen, Sozialhilfen gemacht wurde - wo es doch beileibe nicht der einzige Krieg auf der Welt ist. Doch Krieg in Jemen, Syrien etc. bewog uns nicht zu gleicher Hilfsbereitschaft, im Gegenteil: Abschotten, Frontex, abschieben - Menschen sind schon irrationale Wesen ...

  3. Vorwurf: Elitäre Währung, Arme bleiben auch im Bitcoin-Standard arm
    Ja, denn Bitcoin ist kein Weltretter. Wer jetzt Bitcoins hat und nicht veräussert, hat auch in Zukunft dieselbe Anzahl, denn es wird ja nicht mehr als die bekannten 21 Millionen geben. Wer sich jetzt einige Satoshis nur leisten kann, wird halt auch nicht mehr haben und es gibt keine Möglichkeit, passiv aus denen mehr zu machen. Doch wenn die Kauf- oder Tauschkraft des Bitcoin steigt, werden auch wenige Satoshis diese Steigerung mitmachen.

    Die Armut haben ja nicht Währungen gemacht, sondern die Politik, Religion, die Wirtschaft, die Globalisierung - sprich, die Gleichgültigkeit der Menschen in ihren Ländern. Der Bitcoin kann das nicht ändern, aber er kann dafür sorgen, dass ein Armer irgendwo auf der Welt am globalen digitalen Wertaustausch mitmachen und seine Leistungsfähigkeit bezahlt anbieten kann. Denn das Handy, das gibt es mittlerweile ja schon überall auf der Welt.

    Wer heute reich an Fiat ist, kann auch viele Bitcoins erwerben. Und wenn nicht kaufen, kann er sich zumindest das Mining überlegen. Auch hier hat er dann einen Vorteil, er kann sich mehr Apparate kaufen, die ihm eine statistisch grössere Treffermöglichkeit beim Mining verschaffen, aber eben keine Garantie, dass sich sein Einsatz vervielfache.

  4. Vorwurf: Volatilität
    Aus Sicht der Gründer: wohl irrelevant. Das Spiel um Auf und Ab ist ja genau das Game der Fiat-Reichen und Mächtigen. Währungsmanipulationen sind gang und gäbe. Grossbanken sind fast alle verurteilt, weil sie sowas durchführ(t)en - egal in welchem Land. Bitcoin wie jedes andere Asset verliert ja nicht seinen innewohnenden Wert ... aber sein Tauschwert, der variiert halt ... das ist dann wieder der Schweinezyklus.
  5. Vorwurf: Keine materielle Grundlage
    Seit Abkehr von Gold trifft das auf alle Fiat-Währungen zu. Dieser von den Mächtigen aus einer Verlegenheit der Mittelbeschafftung eingerichtete Beschluss war eigenmächtig, undemoktratisch und in höchsten Masse einfach eine Ignoranz bis dahin bestehender Anerkennung, wie Geld sein soll, um ein solides Geld zu sein. Aber mit solidem Geld konnte man halt nicht das machen, was die Mächtigen wollten.

    Doch unbesehen davon: Alles Geld ist ein Glaubenssystem. Wertpapiere auch. Gerade diese haben ganz offiziell den Status eines Glaubens, eines Hoffens, einer Wunschvorstellung, eines Vertrauens in Menschen, eine Idee. Denn keiner kann mit Geld etwas anfangen, wenn ein anderer es nicht will. Gold war für die Inkas auch nichts Spezielles. Die Gier der Invasoren danach brachte - neben unbekannten Krankheitserregern - den Untergang in ihre Gebiete.

    Auch für mich persönlich nicht - dürfte ich mir was Materielles herzaubern, wäre es sicher nicht Gold, auch nicht Platin, Diamanten oder was auch immer.

    Wertpapiere ... haben ihren Wert nur, weil sie eben eine Hoffnung verbriefen: Wäre ich ein Apple-Fanboy gewesen oder ein Musk-Jünger, ginge es meiner Depotbewertung schon besser ... aber eben, ich bin es nicht, ich gebe nicht meine durch Arbeit geminte Energie auf Luftschlösser weg. Im derzeitigen Fiat-System halt falsch gedacht. Natürlich finde auch ich Ideen von Musk interessant und wünsche ihren Durchbruch, man denke nur an seine Firmen Tesla, SpaceX und Hyperloop. Das sind wenigstens Fortschritte. Aber Apple, was soll an denen heute noch wertvoll sein? Was machen die für den allgemeinen Fortschritt der Menschheit?

  6. Vorwurf: Währung der Kriminellen, Dark Net
    Tja ... wen wundert's dass Kriminelle, die ganz sicher anonym bleiben wollen, sich natürlich des Bitcoins als Transaktionsmittel bemächtigten. Schliess kann man in den überwachten Fiat-Geldflüssen ja eben nicht mal aus Kolumbien in die Schweiz über eine Bank ein paar Millionen überweisen. Da alarmieren die Bankenrechner sofort - und das von Staates wegen.

    Aber es ist dennoch zu kurz gedacht: Denn in der Blockchain ist Geburt und Werdegang eines Bitcoins von eben dieser, seiner Erschaffung aus lückenlos nachverfolgbar. Die dünne Schutzwand der Anonymität der Bitcoin-Adressen muss im Falle von Strafverfolgung halt die alten Tugenden durchdrungen werden: Folge dem Fluss des Geldes ... denn irgendwann wird ein anonymer Nutzniesser sich mit schwarzem Geld etwas Physisches leisten wollen. Ab dann kommt digitale Kaufkraft in die physische Welt, wo wir leben. Auffällige Leute kann man hier ganz klassisch unter die Lupe nehmen.

    In Fiat-Währung geht es viel leichter, Geldwäsche zu betreiben, egal, wie der Staat sie bekämpfen will. Wäre es anders, würden wir den Tatbestand der Geldwäsche ja nicht kennen.

    Nun kann man sagen: eben, um diese Schattenwirtschaft zu bekämpfen, muss der Staat mit Geldflussüberwachung ja ankämpfen können. Jein, denn der Staat benutzt verknurrt dazu die Banken. Und er oder die Banken sind dann eben auch Zensoren. Und natürlich, echte Kriminelle brauchen ja nicht unbedingt eine Bank für ihre Geschäfte. Ihrer habhaft zu werden, klappt also nur bedingt.

    Zudem habe ich erst letztens von einem IT-Forensiker erfahren, dass Bitcoin bei Drogenleuten immer noch recht beliebt ist – weil die Strafverfolgungsbehörden da nicht mehr so genau hinschauen oder nachkommen. Die menschlich sicherlich unisono verurteilte Pädophilie wird viel stärker verfolgt. Und was passiere? Diese Leute benutzen bevorzugt Monero, weil die vollständige Anonymität der Transaktionsdaten da ein Schlüsselmerkmal ist.

    Die Rückseite dieser Sache ist aber, dass eben viele Leute kein Bankkonto haben dürfen, weil sie die Ansprüche der Überwachbarkeit nicht erfüllen - eben die Nomaden, die Armen, die Wohnungslosen, die Unregistrierten, die Unerlaubten ... sie zu opfern, nicht zuzulassen an Geldgeschäften, ist also der gesellschaftliche diskriminierende Preis, den Staat und wir eventuell für die Geldwäschebekämpfung zahlen. Und dass Staaten ihre Pappenheimer kennen und eventuell aus egoistische Gründen ja gar nicht so sehr am Austrocknen dieser Sümpfe interessiert sind, zeigen ja die laschen Massnahmen gegen Briefkastenfirmen auf Guernsey (GB) oder in Delaware (USA).

  7. Vorwurf: Eben gerade nicht so anonym wie Bargeld
    Bargeld ist nicht so anonym mehr. Ich hole mein Bargeld aus dem Bankomaten oder am Bankschalter. Dabei werde ich gefilmt. Natürlich nur zu meiner Sicherheit. Ohne Ironie. Aber wenn man nun denkt, das sei es auch: Nein, Banknoten können eine chemische Signatur im Bankomaten erhalten, die das mir ausgegebenen Geld mit mir verknüpft und verfolgbar machen, wenn diese Scheine wieder irgendwo auf ein geeignetes Prüfgerät treffen. Ein Bankomat kann heutzutage eine individuelle chemische Signatur aufs Papier bringen, die ein Mensch nicht erkennen kann. Fachleute haben da von bis zu drei chemischen Uhren gesprochen. Eine davon kann zur Umlaufszählung oder Bestimmung des Ausgabealters benutzt werden, die andere Reichweitenmessung, die letzte für Anbindung an mich als Bezüger des Scheins. Ein Bankomat könnte also auch einen Geldschein blockieren, vernichten, nicht akzeptieren ... der Fantasie sind bei Bargeld ebenfalls keine Grenzen mehr gesetzt.
  8. Vorwurf: Zu langsam, nicht geeignet für heutige Zahlungsflüsse
    Ja, dies ist wirklich ein Punkt. Die Gründe für diese vermeintliche Schwäche erläutere ich hier nicht weiter – sie lassen sich jedoch alle aus den eingangs erwähnten Absichten der Erschaffer ableiten. Nur soviel, seit ca. 5 Jahren ist auf dem Diamant-harten Buchhaltungsregister der Bitcoins, der Blockchain, die Lightning Technologie gewachsen, die zeigt, wie man schnelle und vor allem abgeschlossene Transfers rund um die Welt in Sekunden bei grösster Anonymität und Beschiss-Sicherheit und nach wie vor ohne notwendige menschliche Jurisdiktion durchführen kann.

    Bei Lightning gilt nach wie vor das Bitcoin-Mantra: Don't trust, verify. Wenn eine Lightning Zahlung bei mir ankommt, kann niemand mehr sie blockieren, stornieren, zurückverlangen, kein "Käuferschutz" eine Zahlung zurückhalten, keine Bonitätsprüfung die Zahlung verweigern. Wenn die Satoshis bei mir erscheinen, sind sie unverrückbar bei mir.

    Man meine doch nicht, dass eine Visa- oder Mastercard-Zahlung Geld wirklich von meinem Bankkonto auf dasjenige eines anderen transferiert hat, wenn der Webshop mir anzeigt, dass meine Zahlung erfolgreich war. Es ist nur eine Aufzeichnung eines Bezahlungsversprechens, einer Transaktion, die wegen mangelnder End-zu-End Signaturen auch von den Beteiligten Infrastrukturbetreibern jederzeit manipuliert werden kann.

    Weshalb wohl gibt es Trust-Programme von Visa oder MasterCard ... weil es eben Missbrauch gab und gibt. Was diese Firmen seit Jahrzehnten wissen und angesichts ihrer Gewinne getrost ignorieren können. Und erst in den letzten Jahren erkannt haben, dass das Vertrauen der Kundschaft geschmolzen ist. Also diese Marketing-Massnahmen von Trustprogrammen. Die nicht mal überall wirken: Mein Swisspass der SBB kann mir meine Kreditkarte ohne Benachrichtigung "belasten", obwohl ich verlangt habe, dass alle Belastungen meiner Kreditkarte gefälligst ein SMS auslösen sollen. Die damalige Erklärung seitens MasterCard: "Ja, wir haben dieses Programm, aber wir können unsere Partner ja nicht zwingen, es zu benutzen". Tja, ohne Worte. Bei Lightning geht sowas nicht.

  9. Vorwurf: Zu kompliziert für Otto Normalverbraucher
    Das hat sicherlich gestimmt, je nach Wahl der Wallets gilt das wohl auch heute noch etwas. Wer sich allerdings beispielsweise auf dem Handy die Wallets Blue Wallet, Muun, Breeze oder Phoenix installiert hat, sieht, dass es mindestens so einfach ist wie bezahlen mit TWINT (CH). Einfach und schnell bei wesentlich grösserer Sicherheit als kontaktloses Visa, MasterCard oder was auch immer. Das Handy war für viele Ältere oder Technologie-Verweigerer anfangs auch undurchsichtiges Teufelszeug, Messengers wie WhatsApp, Signal oder Threema auch. Und doch, wenn mensch will, kann er/sie sich allem anpassen und damit umzugehen lernen.
  10. Vorwurf: Es gibt bessere Coins als Bitcoin
    Nun, hierzu könnte ich die Technologie-Konzepte der Bitcoin-Gründer erläutern, aber Erklärvideos finden sich im Internet zu Tausenden. Nur ein Punkt will ich wirklich verstanden sehen: Der sogenannte Proof Of Work, ein Hallmark von Bitcoin. Er wird gerade im Zusammenhang mit dem Energieverbrauch immer kritisiert, es gäbe doch sicherlich effizientere Lösungen. Bei meinem ziemlich soliden Kenntnisstand über Technologien und Informatik: Nein.

    Wieso? Es ist nicht der Energieverbrauch, der das ursächliche Problem ist, er ist nur eine mögliche Konsequenz: Sondern der Aufwand, den Miner (freiwillig) betreiben, um Bitcoins zu finden / minen. Das Bitcoin-Rätsel ist mit Computer-Power zu bewältigen, aber auch mit Papier und Bleistift. Nur, wenn ich das Rätsel nicht mit Erfolg lösen kann, dann muss ich halt mehrfach probieren. Genau das lassen sich Miner viel Geld kosten, weil die Computer dieses Rätsel viele Milliarden-mal in einer Sekunde spielen können im Vergleich zu mir als Mensch. Mit diesem Nadel-im-Heuhaufen-Suchen wollen sie die Wahrscheinlichkeit zu ihren Gunsten beeinflussen. Mehr ist es nicht.

    Zu den gewaltigen Zahlen verfasste ich vor Jahren den Artikel Wofür also die Blockchain, der ein paar Berechnungen zum Zahlenraum präsentierte.

    Der Energieaufwand ist halt eine Auswirkung des Rätsels. Und daran zeigt sich auch: Es gibt offenbar keinen anderen Weg, das Rätsel zu knacken, als mit roher Rechenpower. Weder für Putin, USA, China, Musk, Amazon, Google, IBM, Quantenrechner ... die Hash-Funktion ist die Magie für Integrity-Checks. Obwohl es theoretisch unendlich viele Lösungen gibt für einen bestimmten Hash, ist nur schon das Finden einer einzigen Lösung nur durch Versuch und Irrtum möglich. Nur darum ist der Energieverbrauch so hoch: Weil halt niemand weiss, wie er auf anderem Wege eine Lösung schneller finden könnte. Findet ein zweiter Leibniz, Einstein, Euler, Hawking etc. eine Lösung auf anderem Weg - Puff ist der Energieverbrauch weg. Aber dann auch die gesamte restliche, digitale Kommunikationsbasis, auf die wir ja kaum verzichten wollen oder können.

    Das bedeutet im Umkehrschluss: Solange Proof Of Work der einzige Weg zur Erschaffung von Bitcoins ist, kann niemand bescheissen. Keine Regeln können ausgetrickst werden, keine geheimen oder diskriminierenden Absprachen getroffen werden, keine Machtverhältnisse betoniert werden. Das ist genau einer der Kronjuwelen am Bitcoin. Alle sind vor ihm gleich. Niemand ist gleicher. Niemand muss anderen trauen, die Hashfunktion ist der neutrale Richter. Alle anderen Regeln, Proof of Stake oder wie sie alle heissen ... haben genau das nicht ... es gibt den menschlichen Einfluss. Und der kann gebrochen werden. So ist es.

    Die meisten alternativen Coins rühmen sich, dass es besser geht: Keine Limitation der Ausgabemenge, grössere Transaktionsblöcke, schnelleres oder "billigeres" Mining. Damit verwässern sie genau das, was Bitcoin eben diamanthart macht. Es bedarf halt der intensiven Beschäftigung, um zu erkennen, dass Bitcoin so sein muss wie er ist, um die eingangs erwähnten Ideen in der volatilen, digitalen Welt umzusetzen. Und nicht zuletzt: Der Bitcoin hat keine Wartungsmannschaft mehr, kein Aggressor kann Menschen real am Leben bedrohen, um seinen Willen durchzusetzen.

    Aus aktuellem Anlass: Wieso lässt man Putin all seine Eskapaden durchgehen, sehend, dass es Tausende von Toten gibt? Weil der halt mit seinen Atombomben noch mehr Tote und eine lebensfeindliche Welt für alle hinterlassen kann. Der Starke muss mit den Idiotien von Schwachen halt etwas Geduld haben und andere Wege der Zurechtweisung finden. Wie in der Kindererziehung - Putin ist einfach ein Trotzkopf, der pubertierende Verhaltensmuster zeigt - das kommt am Ende ihres Lebens bei vielen vor, die zuvor nach ihren Ansprüchen nichts erreicht haben. Man könnte ihn mit Kriegsmitteln sanktionieren, aber das wäre eben noch schädlicher - für alle, für die Welt. Es ist schon schlimm genug, dass der Westen Fiat-Geld für Kriegsgeschäfte aufwirft, das eigentlich zur Anpassung an den Klimawandel hätte gesprochen werden sollen. Auf der anderen Seite: Jede Medaille hat eine Rückseite: Die dreckige Putin-Vorderseite und die erhellende Rückseite, dass einigen aufgeht: Die Energieversorgung muss wieder dezentral werden.

    Wie auch immer: Man muss also abwägen, eben weil man real Menschen und das Leben bedroht sieht. Wie könnte man das bei Bitcoin machen? Es gibt niemanden (mehr), den man zur Änderung der Konsensus-Regeln zwingen könnte ... es hätte in den Jugendjahren des Bitcoin nur die sogenannte 51% Attacke gegeben ... aber das ist heute auch praktisch nicht mehr möglich, denn einer alleine kann nicht mehr das ganze Bitcoin-Netzwerk überzeugen, dass seine Blockchain die richtige ist ... angesichts der aktuellen Hashrate der Miner von ca. 220 Exa-Hashes pro Sekunde (22 x 1019). Welcher Egomane könnte mit eigenen Resourcen diese Hashrate toppen? Und was dann erreichen? Wer das macht, würde ja im Bitcoin konform mitmachen wollen ... Niemand. Und damit erfüllt der Bitcoin eben eingangs erwähnte Designidee "Manipulationssicher".

Sollte ich ein Kriterium um den Bitcoin vergessen haben, freue ich mich, das zu erfahren. Ich würde gerne dann einen Pro- und Kontra-Punkt zu einem vergessenen Kriterium für mich selbst finden und ggf. hier publizieren.

Fazit

Die Pandemie zeigte das Hauptproblem aller Währungen. Der Supply Shock. Unabhängig von irgendeinem Geld. Währung ist dazu da, ein Vertrauen in die Leistungsfähigkeit eines Handelsteilnehmers über ein Verwaltungssystem auf der einen Seite der Welt einem anderen Teilnehmer auf der anderen Seite verfügbar zu machen. Das Verwaltungssystem sind die internationalen und nationalen Banken. Ein Trustsystem ...

In Fiat-Geld müssen wir glauben, dass meine Bank irgendwie messen kann, ob der andere sein Geld wert ist. Die Banken sind also die heimlichen Eminenzen. Der Bitcoin will diese eliminieren. Das hat er aus meiner Sicht geschafft, denn er basiert nicht auf Einschätzungen irgendwelcher Leute, die eine Leistung Fiat-messbar machen wollen. Ich komme wieder auf Apple. Apple ist absolut überwertet. Apple macht nichts für die physische Welt. Hunderte anderer Firmen sind tiefer eingeschätzt, obwohl sie unendlich viel mehr physische Dinge in der Welt tun. Aber Apple ist ein Hype, drum ist deren Börsenwert so unverständlich hoch.

Solange alle physischen Bedürfnisse von uns allen gedeckt sind, können Fiat-Spieler machen was sie wollen. Nicht sie treiben den Zustand der Welt, sondern die Verteilung der physischen Güter, auf denen wir alle basieren. Das Bankensystem spielt das globale Spiel von Bewertungen und deren Verwaltung. Dummerweise bin ich als Arbeiter am Ende auch davon abhängig davon, denn die Zahl der CHFs am Ende eines Monats auf meinem Bankkonto ist die Bewertung, was ich für meine Lebenszeit bei Ansteller XY bekommen solle. Die Arbeiter sind die Ende der Glaubenskette, wir bekommen nur das, was die Banken uns zugestehen. Da wir alle aber in diesem System vernetzt sind, fällt uns deren Macht halt nicht mehr auf, denn auch der KMU-Gründer, der physische Dinger bewegt, ist dem Bewertungssystem ausgeliefert.

Und hier zeigt sich meine Hauptkritik an allen von Realitäten losgelösten Systemen, seien es Staatsanleihen, Derivaten oder Coins etc. Wir als Körper haben eine absolute Spielfeldgrenze, das ist das Umfeld, in dem wir leben, also die Erde. Unsere Körper können ohne sie nicht leben. Genauer, ohne all die Dinge, die unsere Körper halt ausmachen, die vom System Erde gefüllt werden können. Also, die Erde ist der Supplier, und bisher haben wir als moderne Menschheit noch keinen harten Supply Shock von ihr erlebt.

Die erwähnten losgelösten Systeme sind ein Bewertungssystem für diese physischen Dinge. Ein Bewertungssystem muss sich nicht um eigene Limiten kümmern, es muss ja nur das Physische bemessen. Wie die Mathematik: Man kann sie im Alltag sehr gut brauchen, aber Betrachtungen über eine Billion Nachkommastellen bei Pi ist mentale Spielerei für die, deren physische Bedürfnisse von der Erde gedeckt sind.

Der berühmte Spruch „Erst wenn der letzte Baum gerodet, der letzte Fluss vergiftet, der letzte Fisch gefangen ist, werdet ihr merken, dass man Geld nicht essen kann." sagt das doch an. Jeder physische Mensch muss dem zustimmen, denn ohne Nahrung innert zwei Monaten - eigener Tod. Das Ende der physischen Realität.

Die Pandemie ist ein kleiner Supply-Shock seitens unseres Lebensraumsystems. Wenn wir das begreifen, ALLE, dann werden Dekaden von Finanz-Produkt-Idiotien verschwinden, weil sie nichts Physisches tun. Die eingangs erwähnte Dotcom-Blase, die Finanzkrise ... ist jemand daran gestorben? Klar, beide haben Kummer verursacht, aber der Supply der Nahrungsmittel für die Menschheit war ja da.

Auch als das Container-Schiff Ever Given im Suez-Kanal quer lag, zeigte es uns, dass die physische Welt nach wie vor das Mass der Dinge ist, der Handel mit den physischen, lebensnotwendigen Dingen. Was kam doch da alles ins Stocken ... eben ein Supply Shock.

Wäre es da nicht langsam sinnvoll, ein Bewertungssystem einzuführen, das eine Limite, eine harte hat und einer dem Lebensraum ähnlichen Realität nicht entfliehen kann? Eben, sowas wie Bitcoin?

Live long and prosper, Bitcoin.

PS: Wer englisch kann, sei eingeladen, diesen Podcast zu verstehen ... es war amüsant und vor allem dankenswert klar und direkt. Everything you know about the economy is wrong

Toller Lanz und Precht

Gesagt habe ich das auch schon oft ... ich liebe Denker, die wirklich denken können. Daher ein absolutes tolles Treffen von Markus Lanz und Richard David Precht im Talk von Lanz heute Dienstag abend. Absolut nachdenkenswert. Ich will die Themen gar nicht auflisten, die sie da durch gehen ... aber was ich wirklich wünschte, ist, dass alle Leute sich die Gedanken machen und dann entsprechend handeln wie es diese beiden und natürlich auch andere vordenken.

Fast nichts vom Diskutierten ist neu ... es ist halt nur so, dass niemand sich nach den logischen Schlüssen richtet.

Der Mensch macht halt nie das, was wirklich nötig ist, sondern nur das, was dringend ist. Nun denn, der Westen ist auf dem absteigenden Ast. Wer etwas Geschichte kennt, könnte sehr wohl sagen, recht so ... eine G7 mit knapp 800 Mio. Leuten, meint immer noch, wichtig zu sein. 2.5 Mia Leute in China und Indien ... wer sind da wohl die nächsten Chefs ... und dann Afrika ...

Bitte anschauen, nachdenken, Entschluss fassen und danach leben ...

Crypto-Schrott Luna crasht - Gier und Desinteresse

Das Crash des Crypto-Schrotts Luna schaffte es heute sogar in die nationalen Schweizer Radionachrichten. Der Wirtschaftsredaktor meinte "wie könne denn solcher Schrott an die Börse gelangen" ... Tja, frage ich mich auch: Wann lernen die Leute endlich, dass es als Crypto-Objekt per se neben Bitcoin eben nur Sh*tcoins gibt ...

Oder man muss halt wirklich klar sein: Wer in einen Coin investiert, der nicht Bitcoin ist (sic), der investiert in eine Idee, die nicht Geld ist, sondern irgendwas anderes. Ein Schrott halt in dem Sinne, dass es sicher nicht dezentral ist, dass es ein Management-Team gibt, das man realistischerweise jederzeit zu Änderungen im Sinne einer Partikulärinteressenslage "beeinflussen" kann ...

Ich habe grad gestern dem gut 4 Stunden langen Podcast von Lex Fridman mit Saifedean Ammous beigewohnt. Ammous ist ja der Autor des Standard-Werks zu Bitcoin "Der Bitcoin Standard". Zweimal Standard ... ja, weil sich sein Buch zu einer Art Bibel für Bitcoin-Einsteiger gemausert hat.

Er sagt da markige Sätze wie "Land is a scam" ...als er angesprochen wird auf die Landverwaltung in Israel ... sehr amüsant, dass dies ein gebürtiger Palästinenser sagt. Ich mag klare und deftige Sprache - ich fühlte mich gut unterhalten in dem Podcast.

Fazit ist halt: Um den himmelweiten Unterschied zwischen Crypto-Müll und Bitcoin zu verstehen, muss man sich mit dem Cui Bono eines Crypto-Projekts auseinandersetzen. Dann folgt: Wie muss ein System aufgebaut sein, das diesen Begehrlichkeiten eines teilnehmenden Partners widerstehen kann, aufgebaut sein, um ein global nutzbares, nicht korrumpierbares, erlaubnisfreies Wert-Speicher und -Verwaltungssystem darstellen zu können. Wer sich diese Mühe macht, indem er mal eben dieses Standard-Werk liest, kommt unweigerlich drauf: Hoppla, da kommt ja Bitcoin raus. Müsste man ja genau so erfinden, wenn es nicht als Bitcoin schon seit 12 Jahren existierte. So ist es.

Alles andere ist Casino-Games ... natürlich darf man spielen, aber es soll nachher keiner heulen, wenn reales Geld weg ist. Und die Intermediäre, Banken, Börsen und Konsorten, spielen da halt mit, weil sie sich sowieso immer frei halten von Ansprüchen, ihr Geschäftsmodell sind ja die Spesen, die sie kassieren. Da ist es egal, ob ein Crypto-Schrott in den Himmel steigt oder in die Hölle abstürzt. Ich habe kein pauschales Erbarmen mit Gamblern.

Wer übrigens den Unterschied zwischen Eigentum (Property) und Wertpapier (Security) noch nicht so klar im Kopf hat, der sollte den ebenfalls sehr langen Talk mit Michael Saylor anhören, weil er da so oft diese Begriffe erklärt. Dann hat's wohl jeder begriffen.

Taliban Salamitaktik ein Scheibe weiter in die Dunkelheit

Heute las und hörte ich, dass die Taliban die Burka für Frauen in der Öffentlichkeit bestimmen und fordern.

Da fiel mir spontan halt wirklich nur die Salamitaktik ein ... nach der Machtübernahme noch moderat erscheinen, dann aber langsam aber sicher immer mehr Rückfall in alte Methoden. Eventuell nachdem die Verträge mit Hilfswerken und ausländischen Supportern gemacht wurden - auf der Basis der versprochenen, moderaten Führung?

Es ist schon krass ... wenn wir meinen, wir hätten auf der Erde nur eine aktuelle Ära, so stimmt es halt nicht. Eine Ära zeichnet sich durch geistige Inhalte aus. Wir sagen ja oft, jemand lebe noch im Mittelalter ... ich weiss grad nicht, was für geistige Inhalte da dominant waren ... eventuell lebten die "besser" als wir.

Man schaue sich die geistigen Inhalte einiger Länder an, in denen Inhalte wie Putin, Bolzonaro, Xi Jinping, die Taliban, Trump etc. aufkommen und überleben können.

Ich denke nicht, dass es im Mittelalter so war. Oder wenn es solche Inhalte gab, hatten die auf der irdischen Spielbühne genug Platz und räumliche Freiheit, sich ohne den anderen zu treffen auszutoben.

In der heutigen Ära der globalen globalen Technik sehen wir, was sich alles tut an geistigen Inhalten in diesem Spielplatz, den wir Leben nennen. Wieso bloss wollte ich in diesen Szenarien mitspielen? Ich danke mir oder wem auch immer, dass ich in Zentraleuropa inkarnierte. Denn hier ist bei weitem nicht alles Gold was glänzt, so brachte es der Mitte-Präsident Gerhard Pfister im Zusammenhang mit dem Ukraine-Krieg auf den Punkt "Ab wann wird Neutralität unanständig?", weil es ja nicht so einleuchtend ist, dass wir Waffen nach Saudi Arabien liefern, aber bei der Ukraine unsere Neutralität als Schammäntelchen vorschieben, es erst nach vielen Wochen zu erlauben.

In dem grossen Raum, den wir Weltall nennen, gibt es wohl Billionen von Sternen, und womöglich sogar mehr physikalisches Leben unseres Verständnisses ermöglichende Planeten. Wieso bin ich grad hier? Inwiefern spiegle ich, worin ich lebe? Was hat das alles mit mir zu tun? Kann es mir am Arsch vorbeigehen oder sollte ich mal etwas reflektieren darüber? A la Buddha? Wäre wohl für Verstand und seelischen Gleichmut förderlich ...

Fazit: Alle geistigen Inhalte erhalten sich über die Zeit. Sie sterben nicht, es gibt keine Zeit für sie. Für sie alle gibt es Orte auf dem Spielplatz Erde, wo sie Erfüller / Umsetzer in die physische Realität finden können.

Wenn ich höre von Leuten, die aus diesen Beeinflussungssphären weg wollen, finde ich das immer toll - erst recht, wenn sie's schaffen. Denn wenn jemand sich physisch aufmacht und es umsetzt, die geistigen Inhalte zu wechseln, dann finde ich das auf der physischen Ebene eine der beeindruckendsten Leistungen. Noch krasser, wenn sie diese geistigen Inhalte in der physischen Realität der anderen ausleben: wir kennen diese Leute ja: Mahatma Gandhi, Mutter Theresa, Nelson Mandela, und viele anderen die ich vergesse und nicht kenne, die eine Sicht auf die Menschen hatten, die nicht den dort vorherrschenden Inhalten entsprach.

Religion ist das Knechtungsmittel der Wahl. Siehe Taliban.

Ich kenne einen anderen Spielplatz, in dem wir es halbwegs schafften, einen Common Sense aufzubringen, in dem geistigen Inhalte sich aufgrund der Rationalität (Verstand) durchsetzen - nicht immer schnell, aber meistens doch: Hier heissen die Grössen Galileo Galilei, Isaac Newton, Albert Einstein, Marie Curie, Max Planck, Werner Heisenberg, Erwin Schrödinger ... es ist die Wissenschaft.

Deren geistige Inhalte sind auch behäbig, aber es gibt den gemeinsamen Willen, sie durch die Ideen und Erkenntnisse Weniger für alle zu zum Zwecke des allgemeingültigen Verständnisses (Verstand) anzupassen oder zu ändern. Und alle dortig arbeitenden Menschen schaffen das! Ausnahmen bestätigen die Regel.

Ich bin dankbar, dass sich mein Charakter für diese Inhalte interessiert(e) - in einem Umfeld, wo der Verstand wichtig ist. Zumindest mal die Religion während der Arbeit draussen gehalten wird.

Für die Emotionalität gibt es ja auch noch ein anderer grosse geistige Spielweise: die Musik. Hier die Leute aufzulisten, die für eigene persönliche Highlights sorgten, ist zwecklos, zu viele an ihrer Zahl. In der Musik spielen Religion und Wissenschaft keine Rolle.

Religion, Wissenschaft, Musik bestimmen beträchtlich unseren Alltag. In welchem Masse wählt jeder selbst. Und flieht, wechselt, wenn er Mut, Kraft, Fähigkeit und Möglichkeit hat.

Aus irgendwelchen Gründen ist die Politik irgendeine Mischung zwischen Religion und Verstand, die sich unter dem Titel "Land" eine Einmischung verbessernder geistiger Inhalte explizit verwehren kann. Auf der technischen Ebene hat sich das pannationale Internet durchgesetzt, das es uns allen erlaubt, von geistigen Inhalten anderer Regionen zu erfahren. Und äussere Inhalte in diese isolierten Bereiche zu bringen ... auf dass sich die Inhalte dort durch die inkarnierten Erfüller langsam aber doch ändern.

Doch eventuell, von einem noch entfernteren Winkel betrachtet, scheint das grosse Pendel irgendwie umgekehrt zu haben .. siehe Putin. Oder eben grad nicht, weil der die Entwicklung anderswo wohl verschlafen hat? Und sich im Westen halt doch vieles à la Wissenschaft geändert hat? Ich wünsche mir das, auf dass geistige Inhalte wie de der Taliban austrocknen, verhungern, verdursten, aussterben.

Neues Jahr, 15 Blogjahre vorbei, 1. Land mit Bitcoin

Nun ist es ziemlich genau 15 Jahre her, dass ich mit diesem Blog begonnen habe. Ich gestehe, der Elan, immer wieder zu schreiben, hat nachgelassen ... erstens weil bis auf die Blog-Boomjahre nachher praktisch nie mehr ein Feedback an mich gelangte. Das ist natürlich sehr schade aus meiner Sicht. Aber es ist für mich auch verständlich ... Blogs sind unidirektionale Dinge, auch Podcasts ... und ich schrieb ja auch schon mal, dass ich hier was schreibe, wenn ich wirklich was loswerden bzw. verbreiten möchte mit meinen bescheidenen Mitteln. Für die ohnehin viel bessere, weil bereichernde Kommunikation nutze ich lieber Clubhouse.

In neuerer Zeit Zeit ist mein Thema natürlich der Bitcoin, der aus meiner Sicht die Qualität hat, einen friedvollen Weg in eine moderne Welt zu pfaden. In der inflationsgetriebenen Welt der Fiat-Währungen, die bekanntlich nur soziale Brennpunkte und menschenunwürdige Prekariate und gleichzeitig Superreiche schaffen, wird es dadurch aus meiner Sicht noch recht ruppig zu und her gehen in der näheren Zukunft. Die Ausprägungen werden wir erleben.

Nun, in El Salvador werden wir beobachten können, wie es den kleinen Leuten mit Bitcoin / Lightning ergeht, werden sie stabilere Preise sehen, werden sie sich souveräner erleben, werden sie für sich Vorteile erkennen, dass keine Geschäftsbank mehr als Durchlauferhitzer des Geldflusses Prozente absaugen kann ... und ohne Eigenleistung die Arbeiter parasitiert ...

Denn: Bitcoin ist die Währung, die die Welt repräsentiert: Die Ressource ist endlich. Im Fiat-Money tut man so, wie wenn das nicht gälte ... der olympische Spruch citius, altius, fortius mag im Sport noch halbwegs erstebenswert sein, aber in der Bewirtschaftung unserer physischen Lebensressourcen gehört so eine Denkweise nicht mehr rein.

Auf der Google-Earth gibt es keine weissen Spots mehr, der Mensch hat alles erobert und erforscht. Wie bei grossen Unternehmergenerationen gilt ja: die erste Generation erschafft ein Vermögen, die zweite bewahrt es und die dritte ruiniert es. Unsere 2-300 Jahre Industrialisierung sind ev. analog also die 1. Generation. Jetzt beginnt der Aufstieg der 2. Generation. Und dazu müssen die Mittel der 1. Generation weg. Bitcoin ist der Wertspeicher und das Austauschmittel, das der zweiten Generation das Bewahren ermöglicht.

Alle, die geistig noch in der ersten Generation leben, werden wohl aussortiert bzw. auf der physischen Ebene einfach aussterben. Dafür hat irgendwer das Leben und den Tod erfunden. Denn wir haben Körper, um immaterielle Ideen in die physische Welt umzusetzen. Die geistigen Inhalte bleiben oft zeitlos, weil deren Verkörperer nichts lernen im Leben. Doch auch sie müssen dank des Todes gehen, ihre Wirkungskraft endet. Dummerweise aber eben nicht die geistigen Inhalte, die überleben und finden einfach neue Körper, sich darzustellen ... Belege dafür gibt es unzählige. Vielleicht ist Corona ja einer der Wandel-Beschleuniger ...

Es ist also ohnehin Zeit, ein neues Austauschmittel zu finden für die 2. Generation. Der Bitcoin ist das. Dazu der sehr schöne Film Human ₿, denn die meisten bisher recht eindrücklich fanden. Er fasst gut zusammen, dass die Probleme unseres Geldsystems bis auf 1971 zurückgehen, in dem Nixon in seinem Dekret temporär die Aussetzung der Bindung des Papierdollars ans Gold bekannt gibt (im Film ab 13:40).

Das Provisorium hält bis heute an und hat nachhaltig unsere Umwelt versaut, Kriege gefördert oder zumindest verlängert, die Schere zwischen Arm und Reich erst richtig aufgehen lassen, den ökonomischen Imperialismus gefördert und die zerstörerische Denkweise des Schuldenmachens eingeführt, welche nur die kurzfristig denkenden Geistesinhalte in der physischen Welt belohnte. Hier sind also die gemeint, die im Finanzbereich arbeiten. Die erlebten einen Boom, denn Geld war nun wirklich in der Erzeugung nicht aufwendiger als Papier bedrucken. Diese "Geschäfte" profitieren von dem Cantillon-Effekt. Arbeiter "profitieren" nur von der daraus entstandenen Inflation. Kein Wunder, haben die Mächtigen das Provisorium nie mehr abgeschafft. Aber nicht nur die Amis haben das, wenn ich nach Deutschland schaue, gibt es da nicht immer noch den temporären Soli?

Das schreibe ich als einer, der noch genug früh auf diese Welt kam, um als Kind von den Eltern ein Sparkonto angelegt zu bekommen, für das die damalige Bank bekanntgab: 7.5% Jahreszins. Der Rest ist Geschichte.

Also, Human ₿ anschauen, Gehirn einschalten und nach dessen Erkenntnissen handeln.

Ein gutes und inspirierendes 2022.

Immer wieder gut, Dr. Daniele Ganser, kritischer Historiker

Ich habe heute zufällig wieder mal einen Youtube Video erwischt von Dr. Daniele Ganser, dem Schweizer Historiker, der immer so unangenehme Fragen stellt. Zu allem und jedem. Ich mag das.

Sein Video Können wir den Medien noch vertrauen? ist wiedermal ein toller Vortrag, die Fähigkeit zu erlernen oder zu bewahren, in die Beobachterhaltung zu kommen. Was bedeutet das?

Es ist so einfach: Niemandem einfach etwas abzunehmen, zu glauben, nur weil er/sie/es glaubhaft oder bedeutungsschwanger oder mit vielen Likes oder Thumbs Up darstellen können. Mein Lieblingstext, den ich hier auch schon öfters erwähnte Cui bono?, (Wem nützt es?), ist immer die Frage, wieso wird eine Information mir zugetragen? Und vor allem wie? Und was soll sie in mir bewirken? Nur wenn man sich diese Fragen immer wieder stellt, jeden Text, jedes Bild, jeden Podcast, jedes Video daraufhin abklopft, kommt man in diese Beobachterhaltung, die eigentlich so früh wie möglich - alle gelehrt - ein Leben lang halten soll.

Warum ist das wichtig? Weil es zerstörerisch ist, wie Fake-Informationen die Leute teilen ... wir sehen es aktuellerweise beim Corona, früher beim Irak-Krieg, bei 9/11 und sonst noch ach so vieles ...

Ich schreibe diesen Artikel aufgrund des Videos auch genau deshalb, weil Ganser in einem Nebensatz noch gleich die Nationalbanken abhandelt, die nach ihren eigenen Regeln Papier bedrucken und das Geld nennen und wir daran glauben (sollen) ... und das ist ja das Bitcoin-Thema.

Zum Jahresabschluss also noch diese Video-Empfehlung, denn das Geld liegt doch wohl den meisten am nächsten ... und da sollten wir ganz genau hinschauen. Cui Bono?, Cantillon-Effekt, Zensur, Währungsmanipulation, Imperialismus, Diktatur, Meinungskontrolle, Angstschürer, Influencer ... alles sehr interessante Themen, die nur schon beim Geld wichtig sind ... aber eben natürlich immer und überall am Laufen sind.

Wenn ich mir etwas für alle im neuen Jahr wünsche, dann, dass jeder und jede sein / ihr Gehirn benutzt und sich eben fragt: Cui Bono? und dann für sich selbst entscheidet, mit dem Herzen dabei, folge ich dem Vorgebeteten oder entscheide ich mich anders und befolge einen möglicherweise menschlicheren und verantwortungsvolleren Weg und den auch mit klaren Schritten und Taten begeht.

Das würde die Welt in unserer hochmedialen Gesellschaft wieder natürlicher machen.

Panama-, Paradise-, Pandora-Papers, wie lange noch? Bitcoin stoppt das

Ob es legitim ist, Geld dank Gesetzeslücken rumzuschieben, ist ja erst mal Sache der meistens nationalen Gesetzgebung. Moral hat damit also noch nichts zu tun. Moralinsauer wird es erst, wenn die Täter öffentlich genau gegen solche Schiebereien aufmucken, sich selbst dann aber wie selbstverständlich davon ausnehmen.

Dieser Affront, den jeder in den Steuergesetzen gefangener Kleinverdiener nicht wirklich verstehen kann, zeigt eben: Politiker sind weder schlecher aber vor allem eben auch sicher nicht besser als der Durchschnittsbürger. Ausnahmen bestätigen zwar wohl auch diese Regel, aber die sind selten. Und vor allem kämen solche Charaktere wohl kaum in die Verlegenheit, Toppolitiker werden zu können, weil sie durch den ganzen Zirkus wohl nicht unversehrt und unkompromittiert durchkämen.

Darf oder muss man daher davon ausgehen, dass alle Toppolitiker Heuchler und nur Bestandesverwalter sind? Wohl sicher nicht, aber der Fall des ukrainischen ehemaligen Komikers Selenskyj zeigt, dass es eben nicht mehr lustig ist, wenn man selbst zu Macht und Geld kommt. Vorher rummäkeln, wenn man selbst unten ist, aber danach, wenn man oben ist, sich doch von den Privilegien der Oberen 10'000 kräftig was mitnehmen und es nicht mehr so genau nehmen mit den ehemaligen Kritikpunkten. Ein bewusster Selenskyj hätte sich mal wirklich mit Abstand vornehmen sollen, wieso er denn gewählt wurde – er war thematisch ja offenbar schon an den wahren Problemen dran – weshalb er wohl hoch kam.

Es ist also so, dass die inflationäre Art des Fiat-Geldes dafür sorgt, dass es einfach immer so weiter geht. Wie wäre es denn, wenn das Schmiermittel dieser Schmierenkomödien nicht einfach beliebig vermehrt werden kann? Wie wäre es, wenn Bitcoin das Wertesystem wäre? Wo 100%ige Transparenz herrscht? Wo auch Komiker nichts mehr zu lachen haben, wenn jeder Bürger jederzeit mittels Blockchain-Analysis aus reiner Neugier oder Langeweile mal eben die Geldflüsse zumindest mal nachvollziehen könnte? Denn in der Bitcoin-Blockchain sind alle Transaktionen seit 12 Jahren unveränderbar öffentlich einsehbar gespeichert.

Diese Datenbasis, eben die Bitcoin-Blockchain, haben Zigtausende von Computern als vollständige Kopie bei sich zuhause, um von Leuten befragt zu werden, ohne einem Zugangswächter Absichten und Herkunft der Abfragen offenbaren zu müssen.

Da kann auch ein Mächtiger aus heutiger Sicht nichts machen - seine Geldflüsse sind an Zigtausend unabhängigen Rechnern nachvollziehbar. Die Frage ist halt nur, wann hat das gemeine Volk endgültig die Schnauze voll von diesem epischen Theater der Gutmenschen.

Ich persönlich wüsche dem Bitcoin vor allem deshalb den Durchbruch, weil solches Gemauschel dann zwar wohl nicht aufhört, es aber keiner investigativer Journalisten mehr bedarf, um es offensichtlich zu machen.

Bitcoin kann die Probleme der Weltbevölkerungen nicht lösen, aber es kann dafür sorgen, dass nicht mehr alle nach dem Motto "Nach mir die Sintflut" leben und agieren können.

Und ich denke, das ist etwas, was wir von jedem Menschen, auch Nicht-Politikern fordern müssen, sonst werden Nachfolgegenerationen nur noch mit Aufräumen und Abfedern der Exzesse sein werden, die unsere Generationen angerichtet haben.

Ob sich wenigstens die Auswüchse von vier der sieben Todsünden – Überheblichkeit, Gier, Völlerei und Neid – verringern würden, wage ich allerdings zu bezweifeln. Es muss also Leiden hinzukommen – dafür wird unsere Lebensgrundlage, die Erde, wohl schon sorgen.

Ein nachdenklich machender Video zu diesem Thema? Hier.

Leschs Kosmos zu den Deepfakes - sehenswert!

Wieder mal eine tolle Sendung von Harald Lesch - diesmal zu Deepfakes.

Ich habe darüber auch schon geschrieben hier ... es ist eine der nächsten Challenges für die Menschen.

Einfach in der ZDF Videothek vom 13. April 2021 nachschauen. Empfehlenswert!

Träume - was ist wirklich wirklich

Die Realität ist schon etwas Verwirrendes. Wann findet sie statt? Wer entscheidet, was real ist und was nicht? Ich? Wer ist ich? Ist das Ich das, was "ich will" oder "ich bin so und so" sagt am Tag? Und in der Nacht, wenn "ich" träume? Im Traum meine ich doch auch ein Ich zu haben, aber das ist offenbar nicht dasselbe Ich wie am Tag. Denn wie kann es sein, dass sich mein Ich im Traum nicht an mein Ich am Tag erinnern kann? Oder umgekehrt, dass mein Tages-Ich sich nicht (immer) an das Traum-Ich erinnern kann? Und es doch möglich zu sein scheint, dass die Realitäten beider Ichs sich zu überschneiden scheinen?

Nach dieser Einleitung schildere ich ein wiedermal sehr eindrückliches Erlebnis, das mir heute geeignet erscheint, diese Titelfrage wieder einmal in den Raum zu stellen.

Es ereignete sich so: Am Morgen habe ich geduscht und legte mich nochmals kurz ins Bett – mein Handy spielte das lokale Radio. Ich betrat einen Seminarraum und suchte einen Platz. Mein üblicher Platz war belegt, was mich veranlasste, einen Platz näher an der Bühne zu finden. Den fand ich auch, recht prominent. Ich hatte mein Jacket noch an und plötzlich begann ein Handy zu reden, also Radio abspielen. Ich zückte es hervor und wollte es abschalten. Es ging aber nicht, das Ding reagierte nicht auf alle meine Tricks. Es wurde weder leiser noch konnte ich es abschalten. Die Leute fokussierten sich schon auf mich, während ich mich abmühte. Schlussendlich verspürte ich ein sehr intensives Atmen in meinem Nacken. Da verliess ich den Raum – immer noch probierend, das Handy auszuschalten. Ich war schon recht verzweifelt, dass sowas Peinliches mir, einem IT-Profi, passieren kann. Ich ging zum Auto und legte das Handy aufs Dach, wo es natürlich einfach in konstanter Lautstärke weiterredete. Es erschien mir dann, dass ich die Herkunft des Schalls gar nicht genau lokalisieren konnte. Auch wenn ich das Ohr direkt ans Handy legte, schien der Ton weder lauter noch anders zu klingen. Ich holte aus meinem Jacket noch ca. 5 andere Handies hervor, jedes von denen schien nicht der Grund des nervenden Plapperns zu sein. Frustriert gab ich dem Auto einen Kick an die Reifen. Das erregte wiederum Aufmerksamkeit der Passanten, so dass ich das Auto in eine Parknische schob. Und immer noch plärrte irgendein Gerät, das schon zu mir gehörte ... ich war wirklich verstört, weil das Ganze Theater nun schon sicher 15 Minuten lang dauerte.

Ich habe bemerkt, dass mein Haupthandy immer noch an war, auf dem Bett neben meinem Kopf lag und ein längeres Interview abspielte.

Wo war ich denn? Wieso kann sich das Traum-Ich nicht erinnern, dass das Tages-Ich gerade im Bad war und mich nur etwas hinlegte? Warum hat das Tages-Ich nicht bemerkt, dass es eingeschlafen war? Wieso merkte das Traum-Ich nicht, dass ein Einfluss jenseits seines Horizontes in sein Leben reinspielte? Und überhaupt das Interessanteste: Offenbar sind die Welten durchlässig, denn wieso konnte das Traum-Ich einen Einfluss aus dem Tages-Ich überhaupt wahrnehmen, sich den aber nicht erklären, weil es sich nicht erinnern kann, dass das Tages-Ich sich nochmals kurz ins Bett legte?

Ich, also das Tages-Ich, findet solche Erinnerungen immer sehr spannend, denn offenbar ist weder das Tages- noch das Traum-Ich alles, was "mein" Dasein ausmacht. Jedesmal eine Erinnerung mit dem Zaunpfahl, dass wir wohl mehr sind als nur ein paar Trillionen Atome in einer sogenannten Realität ...

Gerne lese ich Eure Erlebnisse ...

David Precht gegen Wolfgang Kubicki: Was darf der Staat?

Ich liebe Streitgespräche von gebildeten Leuten. Denn nur schon durch aufmerksames Hinhören merkt der aufmerksame Denker, dass die besprochenen Dinge eben kompliziert(er) bis komplex(er) sind.

In der Sendung vom gestern haben sie sich über die Frage gestritten, was der Staat darf, die Grenze der Freiheit.

Kubicki ist ja ein FDPler, also ein Liberaler. Ich habe ihn schon oft gesehen im TV und finde, er ist ein sehr kleverer gebildeter Mann, mit einigem Humor und Esprit, er ist Rechtsanwalt. Precht konnte ihn recht fordern, ein Thema konnte sogar überhaupt nicht durchgeackert werden - wohl weil die Sendezeit es einfach nicht zuliess.

Precht brachte das Thema auf, dass der Staat doch den User von Services wie Facebook und Google vor der Abgabe des Verfügungsrechts über die eigenen Daten schützen müsse. Und zwar indem er den Grossen verbietet, solche Abtretungsrechte überhaupt in Verträge, Cookie-Texte einbauen zu dürfen. Kubicki wollte dem nicht folgen, weil er argumentierte, dass der User auch unvernünftig mit seinen Rechten umgehen darf. Precht wollte ihn festnageln, dass der Staat doch auch nicht erlaube, dass eine Firma das Recht auf Schutz vor Bedrohung an Leib und Leben in Verträgen aufheben dürfe.

Ich konnte Prechts Argumentation folgen, Kubicki schien diese Denkweise nicht nachvollziehen zu können. Aus meiner Sicht hatte Precht hier den Punkt.

Aber wie auch immer: Ich liebe es, argumentativ zu streiten. Und Kaliber wie den Precht und den Kubicki dabei beobachten zu dürfen, ist für mich immer ein kleines Highlight am Tag ...

Mehr Einträge

BlogCFC was created by Raymond Camden. This blog is running version 5.9.8.012. Contact Blog Owner