Rechtzeitig zu Allerheiligen / Halloween: Der Binance Hack
Und schon schlägt die digitale Axt wieder nieder: USD 6.3 Milliarden seien an Cryptos gestohlen worden - bei Binance, der grössten Digitalbörse. Nur genau zwei Monate nach dem ColdCard Desaster.
Schon krass, aber für mich nicht überraschend. Wer so lange mit Hardware und Software zu tun hat, weiss, dass es halt nichts digital Sicheres gibt.
Selbst die beste Software ist nur so gut, wie ein Chip, der sie ausführt. Wenn - wie gemutmasst wird - Nordkorea dahintersteckt, dann ist auch genug an Ressourcen da, um einen Chip zu bauen, der eine "sichere" Software ausführt. Der Chip könnte dann jede beliebige Diagnostik laufen lassen, also ausplaudern, was die Software wie auch immer zu verstecken versucht. Sicherungen funktionieren hier nur über die einzige unkorrumpierbare, physikalische Grösse: die Zeit.
Der Chip muss ja auch nicht schnell sein, er muss nur alles dokumentieren auf einem Diagnose-Port, was geschieht. Wenn man dann noch in etwa weiss, was die Software macht, kann man im Zeitalter der KI den Diagnose-Output nutzen, um alle Daten zu rekonstruieren.
Es geht einfach nicht anders. Jede Software läuft auf einem Chip. Bau den nach, und du weisst alles, was diese Software macht. Besser noch, dreh solche Chips deinen Opfern an.
Alles schon vorgekommen. Das ist die Computer-Welt.
Deshalb sagen wir auch immer, alles Digitale, was Top-Secret sein muss, muss man auf einem Computer ausführen, der weder WLAN, Bluetooth, NFC oder was auch immer hat, was funken oder tönen kann. Eigentlich darf er keinerlei physikalisch erzeugbare Effekte erzeugen.
Früher konnte man die Ablenkfrequenzen der TV-Röhren messen, um herauszufinden, was auf dem Bildschirm steht. Mit den heutigen Flatscreens ist das wohl nur noch sehr schwer möglich, aber eben, ein schlechtes Kabel, das abstrahlt ... und schon kann im Nebenzimmer der Hacker das Bild reproduzieren ...
Es lohnt sich, ab und an nachzulesen, was in Laboren schon alles an Abhörmethoden für allerlei Geräte vorhanden ist.
Deshalb muss ein digitaler Safe wie die Bitbox so gebaut sein, dass sie minimale elektromagnetische Abstrahlungen hat, dass das Display so minimal wie möglich ist, um eben nicht auch noch abgehört zu werden.
So, wo nun alle Karten auf dem Tisch sind - man muss ja gar nicht immer einen digitalen Safe knacken können, wenn man die Computer knackt, mit denen legitimierte Leute den Safe öffnen können.
Wieso sollte man also die physische Bitbox knacken, wenn es leichter ist, die Software, mit der sie interagiert, zu knacken. Und wenn das auch nichts bringt ... wartet man halt, bis der legitime Benutzer auf legitime Weise den Safe öffnet.
Denn die Safe-Bediensoftware muss ja irgendwie den Safe öffnen.
Gut an Hardware-Wallets ist, dass sie eigentlich nur den Befehl bekommen, etwas zu signieren mit dem in ihnen gespeicherten Schlüssel. Es gibt bei Hardware-Wallets nie einen Grund, wieso die Box den Schlüssel zum Safe rausrückt. Weil das so ist, sind die Hardware-Wallets ja an sich sicher. Doch eben, sie brauchen Bedien-Software.
Und die läuft auf einem Computer - gleichzeitig neben vielerlei anderer Software, die - selbst wenn sicher - auf einem Chip läuft unter der Kontrolle eines Betriebssystems. Und jeder von uns weiss, dass derzeit wöchentliche Updates Betriebssystemen erscheinen, weil die KI immer neue Angriffsszenarien findet, die zum Erfolg führen können.
Der Erfolg ist: Man bekommt existentielle Basis-Funktionen eines Betriebssystems unter die eigene Kontrolle, ohne dass dies bemerkt wird. Denn ab nun kann man schalten und walten, wie man will.
Also, egal wie gross der Name Binance ist, am Schluss muss ihre Software irgendwann das tun, wofür sie geschaffen wurde. Und Binance weiss das, ihre Sicherheitsmassnahmen waren und sind sicher so, dass mit auch grossem Aufwand niemand illegitim etwas Unerlaubtes auslösen kann.
Obwohl: Wir von aussen können die Sicherheitsmassnahmen nie beurteilen. Nur hoffen.
Aber eben, die Mitarbeiter der Firma sind nicht gleich ausgestattet.
So sagen die News, der Computer eines Mitarbeiter sei kompromittiert worden.
Et voilà. Es ist angerichtet.
Es gibt ja das Bonmot: Wenn zwei Leute sich als Antilopen auf der Flucht für einem Raubtier finden, wie schnell muss eine rennen, um den Raubtier zu entkommen? Dem Gepard entkommt kein Tier durch Geschwindigkeit. Muss es aber auch nicht, es muss nur schneller als die andere Antilope sein.
Dieses Rennen machen Hacker und Security Leute andauernd. Wenn die Festung uneinnehmbar ist, lohnt sich dies nicht. Siehe Troja. Aber eben, es gibt ja auch Leute, die in eine Festung ein und aus gehen.
Dann krallt man sich diese.
Der langen Rede kurzer Sinn:
Wer Software erfordernde, digitale Schlüssel auf einer Börse wie Binance hält, muss halt mit dem Risiko leben, dass ohne sein eigenes Zutun das digitale Geld weg ist.
Und wenn es nicht die Börse ist - war ja beileibe nicht die erste -, dann kann es auch perfider noch Angriffe auf Geräte wie die ColdCard oder den Ledger geben. Diese sind teilweise läppisch einfach wie bei der ColdCard, oder brauchen Eingriffe auf der Supply-Chain wie beim Ledger.
Beim Ledger hätte man es vielleicht noch erkennen können, weil das Gehäuse nicht mehr integer ist, so war es bei ColdCard unmöglich. Denn die wurde nicht verändert, gehackt - sie kam schon direkt vom Hersteller mit miserabler Software.
Das Irre daran ist, dass die Hardware, also der zuvor erwähnte Chip, ja in Ordnung war. Es war bei ColdCard die Bedien-Software, bei Ledger waren es die Zwischenhändler.
Zurück zu Binance: Mein Freund sagt schon seit 10 Jahren:
"Es gibt keine sicheren Börsen. Es gibt nur solche, die noch nicht gehackt sind."
Q.E.D.
Angesichts all dieser Stories über fremde Risiken: ist da die richtige Selbstverwahrung der Schlüssel von Bitcoin nicht viel leichter zu machen, als der Sicherheit eines Gegenparts, der Börse, vertrauen zu müssen?
Denn die Grossen sind Ziel aller Hacker. Die grössten Trophäen, die grössten Jackpots. Es wird irgendwann irgendwie klappen.
Bei einem kleinen Player, wo's nichts Vergleichbares zu holen gibt für Hacker, ist das Risiko, dass jemand den Aufwand macht, genau mich zu hacken, wohl recht klein. Denn eben - Aufwand versus Ertrag.
Ich persönlich denke, die persönliche Verwahrung der Keys ist leichter zu machen für einen Kleinen als es ist für die Grossen - denn deren Biotop ist einfach um ein Vielfaches grösser als unseres und viel belebter mit allerlei Kreaturen, die man nicht unter Kontrolle halten kann.
Binance hat sicher alles gemacht, um diesen Fall zu verhindern - und sie konnte es nicht.
Ich finde, das ist wiedermal ein Argument für die sichere Selbstverwahrung. Dazu gehört noch mehr als nur Technik, es sind vor allem Regeln fürs eigene Verhalten. Das kann man ja auch jederzeit kontrollieren. Aber was Binance Mitarbeiter tun oder nicht - ich bin mir nicht sicher, dass Grössen wie Binance das können.
Denn superschlaue Computer-Nerds bzw. -Teams gibt's im weissen wie auch tiefschwarzen IT-Umfeld. Kommt noch viel Geld hinzu, können die zusammen mit der heutigen KI die Suche nach dem Zugang in der Festung massiv verschnellern.
Denn das Dumme ist halt: Der Verteidiger muss alle Zugänge finden und sichern - der Angreifer braucht nur einen einzigen, zweckdienlichen Zugang zu finden.
Ich bin nicht schadensfreudig, höchstens in kleinen Fällen. Aber nicht in solchen Fällen. Ich stelle nur fest, mein Freund hatte halt wieder mal recht.
Also: Ich stimme für Selbstverwahrung.
Ich unterrichte das ja auch. Es ist anspruchsvoll, aber sicher leichter zu managen als es für Binance war.
PS: Was ich noch krass finde: Wenn Börden oder Stable Coins wie Tether den Handel einstellen, sind Gewerbetreibende die Beeinträchtigten.
Bei Bitcoin in Selbstverwahrung kann das nicht passieren. Man ist immer geschäftsfähig. Jederzeit, von überall auf der Welt. Niemand kann es verbieten noch verhindern.


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