Die Bundestrojaner - eine Lösung für was genau?

Wie in Deutschland will auch der Bundesrat Trojaner einsetzen, um der Kommunikation der Kriminellen auf die Schliche zu kommen. Was bedeutet das für die Guten wie wir es doch alle sind?

Als Trojaner bezeichnet man eine Software, die als etwas Sinnvolles daherkommt, im Untergrund jedoch auch noch etwas anderes macht. In der Mythologie war das trojanische Pferd ja ein Verführungsobjekt, um einmaligen Einlass zu erzielen. Die Auswirkung des Einlasses in die heimische Burg war dann allerdings sehr wohl geräuschvoll und überwältigend.

Also. Ich weiss zwar nichts Genaueres über die Bundestrojaner, aber ich denke, sie werden sich einnisten ohne dass wir es bemerken sollen. Sie sollen unbeobachtet und still im Computer die Überwachung irgendwelcher Operationen sein. Eventuell sollen sie direkt à la Netbus oder Back Orifice Daten in Echtzeit an die Behörden abliefern.

Und wie soll der Trojaner aufs System kommen? Kommen also dannzumal Mails mit "Ich liebe Dich" rein, mit einer Beilage, die eine Grusskarte beinhalte, die ich dann unbedingt öffnen müsse? Und die Antiviren-Software darf ihn dann per Gesetzesbefehl nicht mehr bemerken, selbst wenn er könnte? An wen gingen diese Trojaner dann? Wohl nicht nur an die bereits Verdächtigen, sondern auch an andere, noch unbekannte Fische, die hoffentlich in der Rasterfahndung hängen bleiben sollen. Und was passiert mit den erhobenen Daten, die sich dann nachträglich als irrelevant, weil zu einem Unschuldigen gehörend, herausstellen? Sie wurden ja analysiert, um dem Fahndungsziel zu dienen.

Dann weiss also irgendeine Gruppe von Menschen etwas oder fast alles über einen Menschen, der irgendwo im Land unbescholten mit seinem Computer arbeitet. Er wird es nie erfahren, ihm wird niemals offenbart, dass er beobachtet wurde. Und so liefert der Trojaner vielleicht ein Computerleben lang Daten an den Staat?

Da werden dann sicherlich noch einige Geschäftsmodelle interessant für die datensammelnden Behörden. Die müssen sich ja auch finanzieren - was also soll die hindern, anonymisierte Daten an MArketingfirmen zu verkaufen? Es gibt ja schon lange Profilierungsalgorithmen, die jemandem ein marktwirtschaftliches und soziales Gesicht verleihenm nur schon aufgrund der Wohnadresse. Ach ja, Microsoft könnte dann grad auch noch so nebenbei erfahren, wieviele illegale Softwaretitel installiert sind.

Denn es ist klar, bei allem, was unbemerkt erhoben wird, kann niemand wirklich der Wissensgier der Sammler entgegentreten. Während c't und andere Zeitschriften jede Update-Funktion peinlichst genau unter die Lupe nehmen, um deren Datentransfer zu beurteilen, würde das bei Bundestrojanern nicht passieren, wenn diese unentdeckt bzw. staatlich geschützt arbeiten könnten.

Wie gesagt, Geschäftsmodelle - und sei es nur für die Anwälte von Urheberrechtsverdrehern - ergäben sich schon: Wer hat vieviele MP3 und Videos auf seinen Computern? Da kann man doch mal unverbindlich eine Abmahnung hinschicken?

Die Steuerbehörden könnten ebenfalls Interesse haben daran, ob all die Gewinne von Einkäufen und Verkäufen auf Ebay etc. auch wirklich versteuert würden.

Nun, in der Schweiz hat ein Richter diese Vorgehensweise gestoppt - vorerst. Er tat dies, weil es keine Rechtsgrundlage für den Einsatz dieser Trojaner gibt. Die wäre natürlich schnell geschaffen. Und dann? Könnte er dann noch Nein sagen? Wo ist denn die Rechtsgrundlage, die das Ausspionieren auf Verdacht verböte? Ist diese da? Wird sie kommen?

Ich bin gegen das Streuen von Trojanern, weder auf die Computer noch auf die wohl viel ergiebigeren Handies. Denn ich unterstelle professionellen Bösewichten, dass sie die Computer und Handies sehr wohl überlegt einsetzen, so dass Trojaner ihnen nicht gefährlich werden können.

Ceterum censeo: Think globally, act locally.

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