R.I.P. EvD - Erich von Däniken
Mit 90 ging er.
EvD, wie er genannt wurde, war auch ein Attraktor meiner diversen Jugendsuchen. Wie jeder Jugendlicher irgendwann, wollte auch ich erfahren, was ich bin, woher ich komme, was ich hier soll, wieso ist das alles so merkwürdig hier, warum sind alle so anders, gehören wir hierher und natürlich — gibt es noch andere wie uns im Weltall?
Und waren die schon mal hier?
Ich musste damals als noch der reformierten Religionslehre verpflichteter Jugendlicher die Bibel studieren. Dabei glaubte ich natürlich nie an die Stories im AT - ich war damals schon wissenschaftsorientiert. Was mir halt auffiel, war die Diskrepanz zwischen AT und NT. Mit dem NT wurde ein Gott eingeführt, der sich raushielt, schliesslich hat er seinen Sohn geschickt, der sie Sauerei handeln soll. Mit diesen Geschichten konnte ich mich anfreunden, aber nicht mit dem rächenden, egozentrischen Gott des AT.
Also, wenn einer wie der EvD daherkam und sagte "schaut doch mal auf diese Wandzeichnungen", "lest doch mal diese Texte aus heutiger Sicht" ... war ich sofort dabei. Wenn in ägyptischen Hieroglyphen Dinge vorkamen, die dem unbedarften Betrachter wirklich unwillkürlich wie eine Grafik einer Glühlampe erschienen, oder wenn der Gott in einer Wolke von Lärm und Rauch herniederkam, was doch eher wie ein Helikopter oder ein Senkrechtstarter anmutet, oder wenn sein Gefährt sich auf Rädern bewegte, die sich in jede beliebige Richtung drehen konnten ... dann frage ich mich schon, was in diesen Stories des AT eigentlich beschrieben wurde.
In meiner Jugend war sich sehr SciFi-orientiert. Es war meine Flucht als Jugendlicher aus dem drögen Alltag und meiner völlig unklaren, persönlichen Zukunftvorstellung.
EvD stellte nur Fragen - und bot eine Möglichkeit der Erklärung an. Und er sagte, dass all dieses Beschreibungen, die hier unten ja niemand wirklich verstandesmässig sinnvoll erklärt, eben auch aus heutiger Sicht betrachtet werden können. Und im 20 Jahrhundert haben wir passendere, weil technischere Deutungen. Ist es daher verwerflich, die religiös verbrämten und unantastbaren Erklärungen der Religionsobrigen in Frage zu stellen? Dass konsequente Fragesteller nie bequem sind, erfahren auch Leute wie Daniele Ganser und andere ...
Dies tat EvD aus meiner Sicht sein ganzen Leben lang. Und er tat es mit der im eigenen, immer massiv spürbaren Intensität. Er konnte die Geister fesseln. Er indoktrinierte sein Publikum ja nie, etwas zu glauben, nur weil er etwas so sah. Er stellte nur Fragen, und er führte Studienreisen durch, um Interessierte an den physischen Orten seine Denk-Mal-Objekte zu zeigen.
Wie könnte man Erkenntnisgewinn überhaupt besser machen? Ein Schullehrer verweist die Schüler einfach ans Lehrmaterial, EvD führte die Studenten zu den Fragestellungen und bot eine Erklärung an. Keiner wurde gezwungen. Wie kann man Ausbildung, Entzündung und Nährung der persönlcihen Neugier besser gestalten?
Ich hatte damals einige seiner Bücher gelesen, hatte mich sogar auch in der Ancient Astronaut Society milde engagiert. Als EvD seinen Mystery Park in Interlaken aufbaute, was ich auch fast dabei. Als Student hatte ich halt kein Geld, um das finanziell zu unterstützen. In seinem Park war ich dann komischerweise doch nie.
Nun ist der Steller von beunruhigenden und herausfordernden Fragen gegangen.
Es gab mir in der Jugend einige Impulse ... nichts einfach so zu glauben, nur weil es irgendwelche Leute, meist natürlich Geachtete, Gefürchtete, Verehrte es so verlangen oder verordnen.
Ich weiss gar nicht, ob EvD ein Bitcoiner gewesen ist - aufgrund dieses Mindsets kann ich mir schon vorstellen, dass er's war. Spielt ja keine Rolle, zeigt aber, wieso es mich vielleicht dann mal zu Bitcoin trieb, denn das Hinterfragen ist des Bitcoiners erste Bürgerpflicht.
Auf jeden Fall ist es für ihn vielleicht nun geklärt. Ob schon jemals andere in einer linearen Zeitvorstellung auf dieser Erde waren. Physische, materielle Technik-basierte Wesen, die den Historie-Schreibern jener Zeit eben nur in den Worten des damaligen Umfeldes dokumentieren konnten. Wer wusste damals schon etwas von Magnetfelder, Supraleitung etc.
Oder gab es halt schon mal einen intellektuellen Niedergang der Menschen? Lebten schon uns technologisch überlegene Menschen hier? Sind wir nicht die Krönung, sondern nur ein lokales Minimum oder Maximum in der historischen Intelligenz? Wer weiss es. Ich tendiere ja eher auf lokales Minimum :-)
Nun, diese Fragerei, das Leben mit der Gewissheit, dass Antworten nicht kommen in einem Leben ... das ist für EvD nun vorbei.
Ich bin dankbar, dass ich von ihm erfahren hatte.

