Zucker, die Geissel der industriellen Zivilisation

Heute sehe ich Kassensturz im SRF 1. Es geht um die Zuckerseilschaften.

Man weiss heute gesichert, dass Zucker ein Killer ist. Ein langsamer halt, aber es ist einer.

Mein Vater hatte Diabetes Mellitus, ich habe es. Genetische Disposition, aber natürlich auch selbst angefressen.

Die Krankenkassenprämien steigen, wir alle zahlen eine Industrie, die sich einen Dreck um die Gesundheit der Leute kümmert. Denn: Pecunia non olet.

Die Schweiz subventioniert die Zuckerrübenproduktion, verzögert die Sensibilisierung, sabotiert die Regulation. Wie üblich heisst es: Selbstverantwortung. Und wie üblich finde ich das eine verlogene Argumentation.

Denn: Im Prinzip bin ich immer für die Selbstsouveränität.

Aber um sich selbstverantwortlich zu verhalten, muss man

  1. das Problem als solches anerkennen
  2. Alternativen zur Vergügung zu haben (ist heute nur beschränkt so, es wird teurer für den Konsumenten)
  3. sich der eigenen Abhängigkeit bewusst werden (schwierig, denn Essgewohnheiten sind lange anerzogene, unbewusste und schwer zu ändernde Gewohnheiten)
  4. Zucker als billigsten Geschmacklieferanten aussortieren oder konsequent ersetzen
  5. Nahrungsmittel aus der unbewussten Nahrungszuführung verbannen
  6. erkennen, dass es der Industrie egal ist, wenn die Jugend im Alter Diabetiker werden und die Gesundheitssysteme belasten
  7. sich Zeit nehmen und sich schlau machen über den Food, auch den natürlichen
  8. erkennen, dass die Lösung zwecks Profit der Industrie in die Zukunft verschoben wird
  9. konfrontieren, dass man selbst ein Problem ebenfalls mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit im eigenen Körper erleben wird

dann erst kann man selbstsouverän entscheiden. Wird das gefördert? Wann, wo, von wem? Wer will schon weniger verdienen?

Dazu würde also eigentlich Bildung gehören. Würde auch heissen, dass der gesamte Schulungsbetrieb ab Kindergarten schon "industriefeindlich" sein müsste, denn wo beginnt's, das Antrainieren von dummen Gewohnheiten? Oder anders gesagt, die Dressur der künftigen Cashcows? Richtig ...

Wenn die Lobbyisten in Bern also jovial sagen "Hach, immer diese Steuern und Regulierungen, wir müssen die Industrie auch schützen" ... krieg ich schon Hals.

Das ist dieselbe bigotte Art wie bei der Rüstungsindustrie: Wir produzieren Tötungsmaterial, und für den Profit exportieren wir die natürlich. Aber wehe, die dort draussen nutzen die Waffen auch. Wie schändlich, hatten wir nie beabsichtigt. Das ist zum Lachen und eine billigere Rechtfertigung als die eines Babys, das nur eines von zwei Leckerlis essen würde, wenn es beide darf.

Lest doch einfach mal einen Tag lang jede Zusammensetzungstabelle eurer täglichen Nahrung. Ihr werdet ÜBERALL Zucker finden, selbst dort, wo man es nicht erwartet, wie z.B. in Fleisch, Fisch ... oder "Vitaminwässern" ... es ist einfach unglaublich. Das sind die versteckten, geheimen Zuckerquellen.

Ich als Diabetiker habe in der Schweiz wenig Einschränkungen, denn das Gesundheitssystem "hilft" mir ja. Aber ohne Diabetes hätte ich etwas weniger Tagesroutine, und würde auch weniger Kassenprämien zahlen ... wäre genau hier die Selbstsouveränität gegeben. Aber nein, meine Eigenleistung wird seit der obligatorischen Krankenversicherung nicht mehr honoriert.

Nun ja, die Gewohnheiten sind die Endgegner einer jeden persönlichen Entwicklung. Denn sie halten uns im Schlechten, aber auch im Guten. Es lohnt sich also schon, in voller Selbstsouveränität alle Gewohnheiten mal unter die Lupe zu nehmen.

Ich habe das gelernt oder mit in die Wiege gelegt bekommen. Deshalb will ich auch keine Verbote oder Steuern, aber was ich verlange von Gesellschaften, ist die allen angebotene, neutrale Bildung zu einem Thema wie Nahrung. Solches darf nicht von Einkommen oder Herkunft abhängen. Natürlich, Bildung ist eine Holschuld. Man kann's den Leuten allerdings auch verschieden schwer machen. Honni soit, qui mal y pense.

Wenn man sich vergegenwärtigt, dass wir ja alle über diesen Lernmmechanismus ins Übel gelangt sind, könnte man ja glatt auf die Idee kommen, dass man nur den Automatisierungsmechanismus überlisten muss, damit der das Förderliche lernt und zur Gewohnheit macht. Denn Gewohnheiten, Rhythmen machen das Leben leichter und überhaupt erst möglich.

Wie man das machen kann, lehren viele.

Ich auch, denn die spirituelle Ausbildung ist meine wahre Passion.

Seit 35 Jahren.

Fussball WM 2026, der Beginn

48 Mannschaften - alle sagten, viel zu viele. Aber: Wenn ich sehe, was gerade aktuellerweise Spanien gegen die Cap Verde ablieferte ... da muss ich schon sagen: Es gibt offenbar einfach keine Schlachtopfer mehr, alle Mannschaften sind eben gut, denn sonst wären sie nicht dabei.

Klar, ich weiss auch, dass es Tourniermannschaften gibt. Aber ich lege es lieber anders aus: Es gibt eben keine schlechten Mannschaften mehr heutzutage. Da muss ich natürlich als Schweizer auch beschämt auf unsere Mannschaft schauen. Die hat auch das "schwache" Katar nicht untergekriegt, obwohl es alle erwarteten.

Die Schweiz und Spanien, wirkten beide energielos, willenlos, langsam, langweilig, harmlos.

Mir gefällt das neue Format. All die kleinen Debütanten-Mannschaften ... zeigen, dass nicht nur Einzeltalente in den grossen bekannten Clubs spielen können, sondern dass auch ihre Herkunftsländer mittlerweile ein ganzes Team guter Qualität hinstellen und hinschicken können.

Bisher gefällt's mir :-)

Buch 21 Good Reasons

Nachdem ich es heute fertiggelesen habe, möchte ich auch eine Besprechung dieses hervorragenden Buches Euch Lesern andienen.

Es ist, entgegen des englischen Titels 21 Good Reasons, in Deutsch gehalten.

Weshalb hat es mir sehr gefallen, es zu lesen? Im Untertitel des Buchdeckels steht's. Und darum geht's im Buch ausschliesslich.

Rein handwerklich fand ich es sehr schön gemacht, angenehme Typografie und auf vielen Seiten Fussnoten, die Fachbegriffe sofort beim Lesen klären können. Sie sind auch bei jedem Kapitel wieder redundant vorhanden, so dass man sie nicht irgendwo nachschlagen muss, sondern direkt auf der referenzierenden Seite kann. So unterbricht nichts Lese- und Gedankenfluss. Dennoch gibt es am Ende des Buches eine grosse Begriffserklärung, die alle Fussnoten-Texte und mehr alphabetisch sortiert listet.

Ich habe das Buch beim letzten Satoship entdeckt, hielt in in den Händen, blätterte durch und war eben schon von der Machart sofort geneigt, genau dieses Buch haben zu wollen. Obwohl ich keine Bitcoin-Bücher kaufe. Ich bin Software-Entwickler, mir kann kein Buch mehr etwas darüber erzählen, dass es wert wäre, es zu kaufen. Aber ich erfahre gerne von Leuten - die Bitcoin und viele andere, abseitigere Technologie nutzen.

Doch das Buch macht genau das nicht, es erklärt keine Technik, sondern es sind 20 Stories von Leuten der ganzen Welt, die Bitcoin einsetzen. Teilweise notgedrungen, teilweise aus philosophischer und praktischer Einsicht.

Besondern gefallen hat mir das Kaptiel über Anja Wagner, die sich der Kreislauf-Landwirtschaft verschrieben hat. Ich habe zu dem Thema auch schon einige Male gebloggt - dass der Mensch immer noch nicht in der Lage ist, nachhaltig zu wirtschaften. Wir produzieren Dinge, ohne den Rückbau derselben, sprich das Recykling, im Entwicklungszyklus zu berücksichtigen. Anja ist da noch viel klarer, denn sie hat Soilify mitgegründet.

Im Buch war das Interview noch im 2024, so erstaunt es einerseits, dass die Website bekannt gibt, dass das Experiment still beendet wurde. Andererseits steht dort auch, dass sich die Widerstände noch nicht überwinden liessen. Das ist gerade in der dermassen massiv subventionierten und ideologisierten Landwirtschaft kaum anders zu erwarten ... doch es ist ernüchternd, dass sogar Leute wie Anja kapitulieren mussten. Sehr schade.

Dass sie gerade in Bitcoin das Werkzeug zur Begleitung ihres Experiments fand, ist natürlich logisch. Denn Bitcoin kann man ja nicht vermehren, man muss damit umgehen, was da ist. Genau so wie mit dem Boden. Man kann ihn nicht vermehren, ganz im Gegenteil, man muss verdammt gut aufpassen, dass er nicht erodiert. Und dazu braucht es mehr als nur Schönwetter-Ansagen. Es braucht intensive Beschäftigung, Auseinandersetzung mit dem Wesen des Bodens, der doch die Grundlage unserer biologischen Existenz ist.

Die Grundlage unser aller virtuellen, finanziellen Existenz ist das Fiat-Geld. Eine völlig ungeeignete Analogie zum biologischen Leben. Es ist so abgelöst von jeglicher menschlich-biologischer Erfahrung ... dass es eigentlich verwundert, wieso wir als Menschheit so etwas zugelassen haben. Nun, bis vor 1971 hatte das Papiergeld ja wenigstens so etwas wie eine Verbindung zur physischen Welt.

Danach aber nicht mehr. Man bedenke gerade die aktuellen Börsengänge von SpaceX, Anthropic und OpenAI. Milliarden werden da verschoben. Geld ohne intrinsischen Wert, Computer 1 und 0. Und dennoch geifern alle danach, nach Zinseszinsen, Geldvermehrung, Zahlenvergrösserung aufm Konto-Blatt. Nichts davon hat mit Realität zu tun. Es ist reinste Massenpsychose. Hier liesse sich problemlos beweisen, dass dieses oft genannte Argument gegen Bitcoin sich um 180° wenden liesse. Solches Buchgeld hat keinerlei reales Backing.

In dem Buch erläutert nicht nur Anja Wagner, wieso sie Bitcoin passend fand für ihr alltägliches Leben. 19 andere beschreiben, wieso Bitcoin sie überzeugt. Dabei ist erstaunlich - nicht für uns natürlich -, dass Bitcoin nicht im Zentrum des Interesses steht, sondern dass es im jeweiligen Umfeld das einzige Werkzeug ist, das diese Personen nutzen können, um ihre wirkliche Leidenschaft, ihren Einsatz zu ermöglichen. Es sind die zutiefst menschlichen Wünsche nach Zukunftsaussicht, Armutsbekämpfung, Unabhängigkeit, Mobilität, Empowerment, Return of Work Investment. Egal, woher jemand kommt, blind für Religion, Rasse, Geschlecht, Sexualität, Bildungsstand, Kultur, Finanz ... ein Wertaustauschsystem, das nicht inflationiert, hilft dabei.

Denn: Wer möchte nicht auch aus dem Hamsterrad der westlichen Geldsysteme aussteigen? Will man seine 80 Jahre denn wirklich mit Rackern für die (spärliche) Rente ausfüllen, um dann mit 65+ hoffentlich noch vom Ersparten die Restzeit bei hoffentlich ausreichender Gesundheit leben zu können? Wohl dem, dessen Körper ausreichend gesund bleibt. Oder ging grad dies drauf im Hamsterrad?

Das Buch hört hin, fragt nach und zitiert in fetter Schrift die wichtigsten Aussagen all der Beteiligten. Das Buch wertet nicht, es zeigt auf, es lässt zu Wort kommen. Es ist die schriftliche Realisation des Blicks eines Fotografen, was Markus Huersch ja auch ist: Ein dokumentierender Fotograf fängt das Foto, das etwas zeigt ... die Interpretation ist dem Beschauer überlassen. Genau dies tut das Buch ebenfalls. Es legt hin, gibt Raum, lässt sprechen.

Auf dass wir eindringen können in die Welt der Erzähler, der Sucher, der Umwälzer, all derjenigen, die Schwächen unserer Gesellschaft verbessern möchten - und dazu das allgegenwärtige Mittel, das Geld, in seiner jetzigen Form für schädlich halten, die etwas Besseres brauchen und in Bitcoin finden.

Für mich das beste Buch seit langem zum Thema Bitcoin. Empfehlenswert, auch für solche, die nun Bitcoin nicht grad zuvorderst haben, die sich aber in 20 Realitäten einfühlen wollen. Denn Geld ist überall - und macht es überall denjenigen schwer, die nicht fürstlich gebettet sind. Und wer ist das schon ...

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