Wenn Algorithmen übernehmen ...

Heute war im heise-Newsticker ein Text über den Ver.di-Chef Frank Bsirske, der die "demokratischen Gegenkräfte" zum Digital-Kapitalismus aufrufe. Weil Computerprogramme entscheiden und dabei Demokratie auf der Strecke bleibe.

Finde ich auch. Und zwar, weil ich mit 30+ Jahren IT Erfahrung auf intensivster Ebene bereits ein Opfer dieser mir bestens bekannten Denkweisen bin. Und weil meine Freundin ebenfalls in der USA mindestens viermal unter meinen Augen "dank" Algorithmen Jobs nicht bekam.

Heute habe ich mein Profil gelöscht bei einem Body Leaser im IT-Bereich, den ich seit dessen Existenz kenne. Warum? Weil die in ihrer Vermittlung - natürlich unter dem Titel Optimierung - ihre Bewerbungsprozesse automatisierten. Diese Prozesse sind derart gestaltet, dass sie eigentlich zur Lüge auffordern oder perfekte Kandidaten liefern, deren Hauptarbeit es wohl sein musste, brav Zertifikate zu erwerben, aufzubewahren und in den Fragebogen reinzuhacken.

Lügen deshalb. weil: Wenn man die Felder nicht ausfüllen kann/will, geht der Prozess nicht weiter. Lügen auch deshalb, weil Leute meiner IT-Generation unseren Beruf und unsere Berufung fanden, als all der Zertifikatskram noch gar nicht da war. Es gab auch viele der Tools und Buzzwords schlichtweg nicht, als wir unsere Kompetenz erlernten.

Da wird heute Anforderungen an Tools gesprochen, die ich im Detail natürlich nicht alle kenne, aber wenn Konzeptionen mal gelernt wurden, ist selbst der neueste Schrei oft nur alter Wein in neuen Schläuchen. Wenn ich SCRUM und Agile lese ... dass ich mich da zertifiziert ausweisen müsse ... kann ich nur heulen und lachen ... ich mache das seit 30 Jahren so - nur eben ohne fancy Namen. Dazwischen kamen Software-Design-Prozesse nach starren Regeln, Wasserfall-Diagramme etc. etc. und heute - wohl auch nur wegen der mobilen Hatz - merken sie, dass die altvordere Art der Entwicklung nun doch wieder gut ist - nur muss es halt nun einen neuen Titel haben. Die IT ist sowieso extrem Buzzword-lastig. Was man da alles fallen lassen kann oder muss, um zu gefallen.

In meinem Fall ist es noch so, dass ich vor 25 Jahren Leute schulte, für deren Berufe ich heute ein Zertifikat brauche. Ich könnte also den Beruf nicht mehr bekommen, für den ich Leute ausbildete. Genau das ist mir bei dem Body Leaser heute passiert.

Ich hatte zwei Stellen gefunden, für die ich mich bewerben wollte. Ich empfand mich für diese Jobs durchaus geeignet. Doch wegen der Algorithmik kam ich nicht weiter.

Das hat mich zugegebenermassen sehr geärgert, so dass ich mich halt zum Lügen genötigt fühlte. Denn eigentlich mochte ich ja nur mal mit dem Kunden im Angesicht gegenüberstehen, damit der sich ein Bild von mir und ich von ihm machen kann. Das kommt aber nicht mal mehr zustande.

Ich könnte sagen: Der Kunde wird vom Body Leaser vorgeführt. Der Kunde erfährt nicht mehr, was an Potential da ist, sondern nur noch, was an getaggten Arbeitskräften durch die Filter durchgereicht wird. Und wenn dann noch in der Ausschreibung steht "Interessiert, neugierig, belastbar, Team-Player" sei gefordert, gerade diese Softskills, die ein Fragebogen eh nicht erfasst, so zeigt sich die Häme im aktuellen IT-Markt.

Ich verstehe sehr wohl, dass ein Job-Anbieter Vermittler einspannen will, um den Prozess abzugeben. Doch: Der dannzumal gelieferte Kandidat muss ja in dessen Kultur, dessen Umfeld passen, die menschlichen Skills, gerade wenn sie gefordert sind, müssen erfahrbar sein. Wie soll das gehen, wenn ein Filter Personen bereits vom persönlichen Kontakt mit dem Anbieter fernhält?

IT-Fähigkeiten kann sich heute jeder aneignen. Das Internet ist sehr hilfreich dabei und ich bin selbst darüber sehr froh, dass Leute ihre Kenntnisse mitteilen. Dann damit kann man wachsen. Dass man aber mit Filtern Leute vom Anwenden ihrer Fähigkeiten abhält, das ist eigentlich schlichtweg unverständlich und vor allem auch zynisch.

Im TV kommen ab und an kurze Beiträge über ältere ITler, die Bewerbungen über Bewerbungen schreiben und doch nicht mehr genommen werden. Wieso? Nur weil die alten Weine eben in immer kürzeren Intervallen in den neuen Schläuchen gereicht werden? Und man meint, das "Moderne" könne ein Alter nicht mehr? Was ist an

Und niemand lernt mehr ausreichend tiefgehend: All die Sicherheitsprobleme, die sich im Internet und im aufkommenden IoT auftun, entstehen nicht von den Alten her, sondern auch von jungen Leuten. Wer konzeptionell bei Software schon Fehler macht, kann sie nachher nicht so einfach korrigieren. Das hat dann nichts mit modernen Tools zu tun, sondern eben mit Sensibilisierung aufs Thema. Und gerade da sehe ich nicht, dass ein alter ITler das nicht könnte, wenn er sich nicht total den Entwicklungen verschlossen hat.

Im Gegenteil, Komplexitäten können gute ITler erfassen und beherrschen. Schlechte nicht. Und diese Fähigkeit wächst sogar mit der Erfahrung. Auch das ist nicht mit Fragebogen erfassbar.

So habe ich also mein Profil gelöscht bei einem, der vielleicht mal Leute vermitteln wollte. Heute vermittelt er nur noch Arbeitsroboter, die mit den passenden Tags beklebt sind.

Ich kann mir gut vorstellen, dass dies eingeschnappt klingt. Ist mir an sich egal, denn ich habe es zwar heute an eigenem Leibe erlebt, aber mehr oder schlimmer finde ich es, wenn Algorithmen immer mehr über Leben von Menschen entscheiden. In meiner Sicht muss unbedingt bewahrt werden, dass im Arbeitsmarkt ein Treffen zwischen Bewerber und Anbieter möglich sein muss. Und der Vermittler das bleibt, was er ist: Ein Beschaffer. Die Entscheidung muss der Anbieter treffen können. Nicht der Fragebogen eines Vermittlers.

Denn wenn ich in der Beilage "IT & Karriere" der aktuellen c't lese, dass anpassungsfähige und flexible und vor allem Soft-Skill zeigende Leute gesucht werden - da kann ich ja eigentlich über die aktuellen Vermittler nur milde lächelnd den Kopf schütteln.

Und eben, man bedenke es eben auch weiter: Es gibt genug Abhandlungen darüber, was aufgrund Big-Data bereits alles möglich ist. Und wie das Menschen betrifft. Aufgrund all der Datenspuren ist es bekanntlich ein leichtes, den gesamten Lebensstatus eines Internetgängers sehr präzise einzuschätzen. Und wer will schon bei Krankenkassen nicht mehr angenommen, als nicht zahlungsfähig gelten, weil er sparsam einkauft, in einem unterklassigen Quartier wohnt, etc. etc.

Computer werden erst dann zur Gefahr, wenn Menschen meinen, sie bräuchten sich nicht mehr darum zu kümmern, was die Computer entscheiden, bzw. vergessen, dass es ev. Menschen trifft - dass de facto sie selbst den empathielosen Algorithmen der Computer ausgeliefert sind.

Wohl auf, die Roboter kommen, zuerst die körperlosen Assistenten von Google, Microsoft, Apple und Amazon, dann die Roboter. Nicht die Industrieroboter, sondern die mit den grossen Augen fürs Kindchenschema, dem Augenzwinkern, der launenerkennend modulierten Stimme ... wie war das noch bei RoboCop: Wo der Kasten aufgrund eines Fehlers einen Testkandidaten bei einer Demo übern Haufen schoss, obwohl der die Fake-Kanone auf Robis Aufforderung schon längst auf den Boden gelegt hatte - was Robi allerdings irgendwo in seiner Algorithmik nicht entsprechend würdigte. So musste sein Algorithmus dann halt doch nach Ablauf des Countdowns schiessen ...

Wie dem auch sei: Eigentlich schmerzt meine Kündigung eh nicht. Weil dieser Body Leaser mir in all den Jahren eh nie einen einzigen Job vermitteln konnte. Und weil ich zum Glück zu alt bin, um mich über Idiotien noch entwerten zu lassen. Ich wünsche, dass alle Leute ihr Selbstbewusstsein aus anderen Quellen erfahren, als aus dem Arbeitsmarkt. Zugegeben, schwierig. Doch machbar.

Und wieder was fürs Grundeinkommen

Heute kam in den Nachrichten oder sonstwo ein Text zur Angst Angesteller davor, entlassen zu werden, weil die Wirtschaftslage schlecht ist. Und weil sie eigentlich ihren Unmut über eine Situation oder einen Chef äussern, aber natürlich keine Retourkutsche einkassieren wollen. Weil sie eben wegen der Wirtschaftslage leichter ersetzbar sind, wagen sie es nicht. Die SRF-TV Sendung ECO hat sich das letzthin zum Thema gemacht.

Wie kann es sein, dass wir es erlauben, dass ein Angestellter leiden muss an seinem Arbeitsplatz? Dass er aber nichts sagt, weil er dann einfach ersetzt wird? Und sich an der Situation ja dann ev. gar nichts ändert, ausser, dass es den Nachfolger halt auch verheizt.

Diese Situation hat also gleich zwei Verlierer: Der leidende Angestellte und die verbesserungsfähige Organisation. Der Status bleibt erhalten. Es könnte beide dahinraffen, üblicherweise zuerst das kleinere Rädchen, also der Angestellte.

Man stelle sich bitte vor: Dank dem BGE können sich beide verbessern. Der Angestellte kann loswerden, was ihn bedrückt - möglicherweise zum Vorteil der Organisation. Und er kann auch dann gelöster sein, wenn ihn die uneinsichtige Organisation halt dennoch schasst. Denn Überleben wird er in finanzieller Hinsicht.

Wäre das nicht eine wünschenswertere Gesamtsituation als die eingangs geschilderte? Und zwar für alle?

Panama Papers und das bedingungslose Grundeinkommen

So, der Bundesrat hat die Empfehlung abgegeben, dass die Initiative zum bedingungslosen Grundeinkommen abzulehnen sei. Und das in der Zeit, wo die Panama Papers bekannt geworden sind, wo die Flüchtlingskrise unsere Gesellschaftsstrukturen in Frage stellt, wo die ökonomisch bedingte Völkerwanderung aus Afrika Europa noch fluten wird, wo Assad trotz Terror fester im Sattel sitzt denn je zuvor, Kriegsflüchtlinge also weiterhin "produziert" werden, was die Grossmächte in ihren Stellvertreterkriegen immer zynisch billigend in Kauf nehmen, wo Klimawandel ebenfalls Völkerwanderungen auslösen wird, wo sich der kapitalistisch getriebene Wachstumswahn immer mehr ad absurdum auswächst, wo gar nicht mehr soviel Arbeit da ist, um ein Volk sich nur durch bezahlte Arbeit ernähren zu lassen, wo die Industrie 4.0 – sprich Digitalisierung der intellektuellen Arbeit und mit den kommenden Robotern auch die physische Arbeit – immer mehr Leute überflüssig machen wird - sollte man als Volk doch wirklich die Systemfrage stellen.

Die Frage, wie soll eine Teilgesellschaft, ein Land voll Einwohnern, eigentlich die nächsten paar Generationen weitermachen? Dass es weder ökonomisch noch ökologisch so weitergehen kann, zeigt sich ja überall immer deutlicher.

Die Frage nach dem bedingungslosen Grundeinkommen (BGE) ist diese Systemfrage. Soll Arbeit das soziale und ökonomische Leben weiterhin bestimmen? Wo diese eben immer weniger wird in einem Land wie der Schweiz? Zukunftsforscher sagen schon voraus, dass es in allen Berufssparten 50% aller Jobs kosten wird. Und eben - dank maschinellem Lernen und neuronalen Netzwerken und damit verbundenen, optimierten Algorithmen wird es auch sogenannte hochqualifizierte Jobs treffen. Banker, Fachspezialisten, Mediziner, einfach alle. Gerade auch die, die sogenannt gut ausgebildet sind. Es geht also schon rein aus dieser Sicht darum, sich asap damit zu beschäftigen, wie es weitergehen soll.

Am 5. Juni stimmen wir über das BGE ab. Und hören immer noch oberflächliche Texte wie "wenn man einfach so Geld bekommt, wird ja niemand mehr arbeiten" ... Tja, wie ich schon öfters schrieb, es geht um Nutzung der Lebenszeit. Wird ein Jugendlicher nicht mehr lernen wollen, weil er eh Kohle kriegt? Reicht ihm dieser Betrag für ein langes Leben? Sicher nicht, so abgeturnt ist noch keiner in der Jugend - der Lerntrieb ist des Menschen stärkster Trieb – stärker als der Sexualtrieb. Denn ohne Lernen überlebt kein Mensch – es ist genetisch programmiert. Kein Baby lernte ohne dies je die Sprache der Mutter, die Verhaltensweisen der bereits länger Lebenden. Wenn ein Jugendlicher also nicht mehr lernen MUSS, nur um Geld zu verdienen, was ihm ja danach eigentlich nur das Mitmachen in der bisherigen, kapitalistischen Gesellschaft ermöglichen soll und/oder muss, so wird er etwas anderes tun. Selbst wenn er faul rumliegt – er wird das nicht sein Leben lang machen – weil das einfach im Schnitt und über die Dauer scheisslangweilig ist.

Als soziale Lebewesen können sich nur die allerwenigsten ein Leben lang isolieren. Und selbst wenn sie das könnten, ohne Interaktion mit anderen werden sie keine 80 Jahre lang zufrieden sein. Interaktion ist Leben. Ein Mangel davon macht kränklich, kann verfrüht zum Tode führen. Menschen sind mehr als nur Bioroboter - auch wenn das bei einigen durchaus schwer zu glauben ist ...

Was ein Jugendlicher also tun könnte – statt als Nutzvieh für die Industrie in deren Abläufe eingeschirrt zu werden – wäre doch möglicherweise etwas zu lernen, was ihm Spass macht. Was keinen Sinn machen muss, für niemanden ausser ihn selbst. Was ihn "Fehler" machen lässt, auf die Schnauze fallen lässt, was ihn somit lernen lässt.

Unsere Wissenschaftler und auch Comedians wissen schon lange, dass wir eine total bescheuerte Ausbildungswelt haben: Da wir Menschen als Arbeitskraft für eine Maschinerie genannt Wirtschaft brauchen, scheuen wir uns wie der Teufel das Weihwasser vor dem Fehler-Machen. Obwohl nur durch Fehler diese Wirtschaft erst entstanden ist. Man lese sich mal durch die Geschichte all der Erfindungen durch ... da sind die "Fehler", das "Versagen" an der Tagesordnung, und dafür die sogenannten Zufälle eben auch – Zufälle, die dann die wegweisenden Entdeckungen brachten.

Wir haben als Gesellschaft so dermassen Schiss vor Veränderungen, dass fast jeder grad beim Thema BGE nur angstgetriebene Pauschalausreden bringt. Natürlich, anders werden muss es. Und wird es ohnehin. Ob wir wollen oder nicht. Doch viele sagen trotz Anerkennung des Fakts "Aber doch nicht grad so". Tja, irgendwas ist ja immer ...

Wieso also nicht mal ein Experiment mit offenen Augen und mental wohlwollend beginnen? Die blutige Kulturrevolution in China wird von vielen als reines Experiment angesehen. Ein ganzes Volk musste unter der Idee eines einzigen leiden. Ditto heute Nordkorea. Experimente passieren ja ohnehin, überall, immer. Gemeinschaften, vielleicht auch Staaten nennen sie sich. Ein kleines und erst noch reiches Land wie die Schweiz kann sich so ein Experiment wie das BGE leisten.

Und wieso erst recht angesichts Idiotien wie Europäischer Geldpolitik und eben nun der Panama Papers? Weil diese beiden Dinge im Finanzbereich dieselben Augenöffnungsqualitäten haben wie die Snowden-Leaks im IT-Bereich. Jeder sollte nach anfänglicher Empörung mal in sich gehen und mit viel Abstand schauen, ob er das nicht eh schon gewusst hat, warum es ihn denn möglicherweise empört, welche scheinheiligen und selbst nicht erfüllten, aber von anderen erwarteten Idealvorstellungen wie Seifenblasen zerplatzen und wieso es diese Bigotterie überhaupt gibt.

Fast jeder der wohlhabenden Einzelpersonen hat sich dieser Verschleierungsmittel bedient. Ich hatte grad letzthin eine Diskussion mit einem guten Freund. Ich sagte "wenn du 6 Millionen pro Jahr verdienst, was stört es dich, wenn du 65% davon abgeben musst? Reichen dir 2 Millionen nicht zum Leben pro Jahr?" Er: "Klar reichen mit 2 Mio. zum sehr bequemen Leben gut aus. Aber ich will nicht, dass mir 4 Mio. genommen und für Zeug verschleudert werden, was ich nicht unterstütze. Also werde ich mein Geld vor dem Staat verstecken, denn mir geht's bei diesen Summen nicht ums Geld, sondern um die Verwendungsart. Gäbe der Staat mit der Steuererklärung auch gleich einen Multiple-Choice-Bogen ab, auf dem ich den Verwendungszweck meiner Steuern ankreuzen könnte, täte ich das mit Freude."

Dieser Argumentation kann ich zwar folgen, aber auch nur, weil ich ihn kenne, und eben weiss, dass er kein Egoist ist. Anderen nähme ich ohne Tatbeweis so eine Ansage nicht einfach so ab.

Die Systemfrage ist also: Wollen wir als Gesamtheit so ein unfähiges System? Bzw. die entlarvende Frage lautet ja: Wieso wettern alle Staaten über diese Steueroasen und doch fehlt überall, in allen Ländern, der politische Wille, das zu ändern? Weil wir immer noch denken, wir sind Konkurrenten während der Zeit auf diesem Planeten. Die Schweiz gegen Deutschland, die EU gegen USA, was auch immer. Worum kämpfen wir denn überhaupt?

Gibt es noch irgendeinen auf dieser Welt, der noch nie ein Bild der Erde von ausserhalb gesehen hat, die schöne blaue Murmel vor absolutem Schwarz? Der noch nie Bilder aus Kriegszonen, von verdreckter Natur, leidender Tiere, "dank" Chemie- und Strahlungsverseuchung genetisch absolut lebensunfähiger Früh- und Totgeburten gesehen hat?

Gibt es noch irgendeinen, der wirklich meint, angesichts bald 8 Mia. Leute seine eigenen 80 Jahre in reiner arroganter Konkurrenz leben zu können? Und selbst wenn er es versuchte, dass ihm so ein Leben Spass machen könnte?

Die Panama Paper waren für meinen Freund und mich nichts Überraschendes. Wie es auch Snowdens Enthüllungen nie waren. Wer die sogenannten menschlichen Makel kennt, erkennt sie halt in allen verschiedenen Ausprägungen immer wieder. Und (er)kennt ihre Anflüge auch bei sich selbst.

Was ich allerdings anregen möchte angesichts der Panama Papers, ist eben genau die Frage nach dem System zu wagen. Soll es wirklich so sein, dass die mit viel Kohle uns anderen auf der Nase rumtanzen können? Eine Gesellschaft aushebeln können, so dass ein Staat (also wir) seine Pflichten gegenüber seinem Volk nicht mehr wahrnehmen kann? Soll es so sein, dass Staaten wieder schwach werden? Schwache oder sogenannte Failed States gibt es jetzt schon reichlich, und wir können das Leben dort dank moderner Medien beobachten. Ohne funktionierenden Staat ist man zurück beim Faustrecht. Wollen wir das wirklich? Eine "Gerechtigkeit" gibt es nicht auf dieser Welt. Und der Kapitalismus schafft auch in absehbarer Zukunft keine. Die menschlichen Makel ändern das in der Masse auch nicht.

Ausser: eine hinreichend grosse Masse, die bekannte "kritische Masse", entscheidet sich dazu, etwas Neues zu wagen. Diese Gruppe, die sowas wagen kann, muss wohl relativ homogen sein. Wir Schweizer sind so eine Masse, wir könnten diese Einigkeit realisieren. Und damit wirklich modern und vor allem lebendig werden, denn Leben ist Veränderung. Diese Plattitüde weiss nun jeder an sich selbst bewiesen: Ewig dasselbe ist Tod oder zumindest todlangweilig.

Dass Geld zuwenig da sei für ein BGE ... ist angesichts EUs Draghi und eben der Panama Papers eine Lächerlichkeit sondergleichen, eine Arroganz der Mehrheit gegenüber. Und wenn der Schweizer Bundesrat sagt, das Sozialsystem biete ja die finanzielle Absicherung – tja, dann kann man dasselbe Geld ja auch gleich unter anderem Titel ausgeben.

Die einzige Ausrede dann ist: Gäbe man es bedingungslos und vorurteilslos aus, wäre sämtlicher, wie auch immer gearteter Druck auf denjenigen Menschen nicht mehr da, die das Geld nötig haben oder schlicht damit zufrieden sind. Dabei muss man ja immer noch bewusst halten, dass wohl die wenigsten Schweizer mit dem BGE alleine zufrieden sind, denn die Komfortansprüche von durchschnittlichen Schweizern lassen sich wohl mit den CHF 2500.-/Monat nicht abdecken. Sie werden also arbeiten gehen wollen, weil es für sie noch etwas mehr sein darf. Doch gäbe es keinen Grund mehr, auf nicht ökonomisch "verwertbare" Menschen hinunterzusehen, sie zu stigmatisieren.

Und genau das soll es sein: Die Wissenschaft weiss, dass die glücklichsten Generationen die Jugendlichen und die Alten sind, denn: sie MÜSSEN noch nicht / nicht mehr arbeiten, sie DÜRFEN. Und dann macht Arbeit eben Spass: Keine psychosomatischen Krankheiten, kein Burnout, keine Mitzuschleppenden, keine Selbstzweifel, keine Griesgrame ... ab 15 oder später MÜSSEN aber viele arbeiten und zwar etwas, was sie nicht wollen. Und das nur, um ein Dach über dem Kopf und etwas zu essen zu haben - weil es in der aktuellen Gesellschaft selten anders geht.

Wir, die 3.5 Milliarden, die zusammen weniger Geld als 62 Superreiche haben, müssen uns endlich fragen, wie es auf diesem noch schönen und wohnlichen Planeten für uns und unsere Nachkommen weitergehen soll. Dass Betrachtungen über ein BGE eine Luxusoption ist, dürfte offensichtlich sein. Es ist ja auch eine Errungenschaft einiger europäischer Staaten, aus der kriegerischen und föderalen Mittelalterzeit es geschafft zu haben, trotz diverser durchaus attraktiver Unterschiede mehr oder weniger friedlich zusammenleben zu WOLLEN. Es ist ja aus anderer Sicht ja wirklich so: Der Kapitalismus ist im Niedergang, neue Systeme kommen - unausweichlich. Wäre da eine Willkommenskultur nicht besser als ein Überrannt-Werden?

Die Schweiz als wohl einer der wohlhabensten Staaten – hat dennoch je nach Auslegungsart bis zu 20% armutsbedrohte Personen (Statistik Schweiz). Dennoch kann sie sich das Experiment des BGE wohl als eines der wenigsten Länder willentlich leisen. Und mit diesen Erfahrungen dann wirklich The Leading Edge sein.

Bitte zu erinnern: Das Geld ist ja da – sagt der Bundesrat als Ausrede. Es wird halt nur unter anderem Titel rausgehauen. Und wenn doch kein Geld da: Siehe EU: Dann druckt man halt, was das Zeug hält. Deflationsrisiko inklusive. Nützen tut's der Masse zwar nichts – und DAS werden die Panama Papers ja nun ausreichend beweisen.

Es darf jederzeit klar sein: Es sind am Ende egoistische Einzelpersonen, die unter dem Einfluss irgendwelcher Ängste oder Vorstellungen Entscheide treffen, die solche Konstrukte wie "Geldpolitik" und "Steueroasen" entstehen lassen. Zusammen mit wohl noch aus Neandertaler-Zeiten stammenden Überlebensinstinkten. Dies führt dazu, dass jeder, der nicht nur die primitive Amygdala benutzt, sondern als moderner Homo Sapiens auch das Grosshirn, diese Dinge durchschauen kann. Es ist alles klar.

Und doch: Geht's ans eigene Hemd, ist es eben immer noch das Nächste. Und was wohl unabhängig von jeglicher Religion, sondern einfach getrieben von unerwünschten, stark emotionalen geprägten Erfahrungen. Und eben, sich als Konkurrent zum Nachbarn zu sehen.

Das Leben ist lebensbedrohend, es endet in jedem bekannten Fall mit dem Tod. Wollen wir als Einzelmasken diese paar Jahre wirklich in andauernder Konkurrenz verbringen? Es ist kein Topf zu gewinnen, es bringt nichts, über das Lebensende hinaus planen zu wollen. Wieso also sich gegenseitig beneiden, bekämpfen, verurteilen, übertreffen, besiegen, niedermachen, beschämen wollen? Wofür? Und das ein Erwachsenenleben lang? Macht es irgendeinen Topmanager glücklicher, auf der Bahre noch stottern zu können: "Ich sterbe, aber ich habe immerhin 100 Mio. auf dem Konto"?

Tja, es gibt halt doch nichts Endgültigeres als den Tod und die Steuern. Letzte kann man überleben und noch bis zum Unausweichlichen Spass an dieser Welt und den Menschen haben. Nicht an allen, habe ich auch nicht. Aber an denjenigen, die ähnlich ticken wie ich. Und weil dieses täglich mögliche Glück nicht durch menschliche Erfindungen wie Geld bedingt ist, sollte jenes auch nicht diese Bedeutung für eine ganze Gesellschaft haben.

Am 5. Juni haben wir in der Schweiz die Möglichkeit, mutig von Lippenbekenntnissen auf neue Wege einzuschwenken und zu sehen, was sich dabei entwickeln kann. Ganz gemäss dem Star Trek Slogan: "to boldly go where no man has gone before".

Nach wieder mal (zu?)vielen Worten daher: Leser, überlege, was Dir wirklich wichtig ist im Leben. Dann entscheide und handle danach und halte den Kurs ... selbst wenn es eben bedeutet, bisherige Autobahnen zu verlassen und mal die Möglichkeiten jenseits des Sicherheitszauns zu erforschen. Dein Leben wird enden, nach wievielen Jahren auch immer. Und es wird völlig egal sein, wie Du es verbracht hast, es ist keiner da, der Dich danach bewertet. Es ist Dir selbst überlassen, in welchem Mindstate Du es verbringst.

Nun, Schweizer, entscheide: Am 5. Juni 2016. Was ich stimme, ist ja offensichtlich ... :-)

Outlook Umzug - was macht Microsoft eigentlich all die Jahre?

Mannomann ... ich bin nur am Fluchen ... wer eine komplette Outlook-Installation zügeln muss, fragt sich also schon sehr, was die denn mit einem ihrer Flaggschiff-Programme gemacht haben in den letzten paar Jahren. Immer dann, wenn ich auf einen neuen Arbeitsrechner umziehe, stellt sich diese Frage. Und jedesmal könnte ich die jahrelang in den Hintern treten ... es ist so ein Puff, Outlook umzuziehen.

Wohlgemerkt, es geht nicht (nur) um den (einfachen) Export und Import der Mails, sondern um die Mail Regeln, die diversen Accounts, die Mailvorlagen, die GUI-Anpassungen, die Adressbücher, die Favoriten, die Signaturen, die Identitäten ...

Jedesmal schaue ich im Internet nach, und immer noch, seit mehr als 10 Jahren, findet sich nur Unvollständiges Gebrabbel ... oder - was natürlich legitim ist - Programme, die das hoffentlich mehr oder weniger gut erledigen. Testen kann man die natürlich nicht richtig, denn in den Trial-Versionen importieren sie natürlich nur das Daten-File, was ja sowieso das Leichteste an der Zügelübung ist. Ob sie dann die USD 40-70 wert sind, kann man also nicht wirklich zuvor herausfinden.

Ich schäume derzeit gerade vor Wut über Microsoft, dass ich mir Luft mit diesem Eintrag verschaffen muss. Es geht mir nicht in den Kopf, dass MS, die sonst für jeden Hennenschiss ein GUI basteln, nichts zustande bringen, um etwas vom Wichtigsten zu zügeln, den Outlook.

Meine Gelassenheit leidet ... ich ende drum besser. Äh ja, vielleicht: Ich ziehe Outlook von 2010 nach 2016 um. Wer da wirklich ein Rundum-Sorglos-Programm kennt, gerne eine kurze Nachricht an mich ... danke SEHR!

Professioneller Remote-Support: Die BOMGAR Appliance

Es geht um die Enterprise Remote-Support Appliance BOMGAR. Obwohl ich vor fünf Jahren schon fast alle bis dahin bekannten Fernsteuerungslösungen kannte - weil ich Fan von solchen Dingen bin seit pcAnyhwere, remotelyAnywhere oder VNC - BOMGAR kannte ich noch nicht. Es hat wohl damit zu tun, dass BOMGAR eine Hardware-Box ist, eben eine Appliance. Das bedeutet, dass sie teurer und natürlich nicht via Download irgendwo zu finden ist.

Als ich vor 4 Jahren ein neues Mandat zur Betreuung der IT eines Pflegeheimes übernehmen durfte, lernte ich den damalig hauptverantwortlichen IT-Betreuer, die Firma Microdyn kennen, der mir bei der Übergabe stolzerfüllt öfters den Namen BOMGAR in meiner Erinnerung verankerte. Das hat der Generalvertreter von BOMGAR für die Schweiz auch dadurch erreicht, indem er mich eben dieses Produkt weiterhin nutzen liess. So kam ich also in den Genuss, BOMGAR reichlich kennenzulernen. Ich halte es nach 4 Jahren regelmässiger Nutzung für eines der professionellsten Remote-Support-Produkte, die ich kenne - auch immer im Vergleich mit TeamViewer, der ja dank "kostenloser" Nutzung eine sehr grosse Verbreitung gefunden hat.

Zuerst einmal: BOMGAR kommt ohne externe Verbindungsvermittlung aus, d.h. der Aufbau einer Verbindung eines Support-Session verlangt keinen Umweg über einen öffentlichen Vermittler. Ein bemannter PC oder unbemannter Server meldet sich direkt bei der Appliance. Diese muss natürlich erreichbar sein, aber als Appliance steht sie ja im eigenen Maschinenpark, also unter der Kontrolle der eigenen Netzwerkadministration, der eigenen gesicherten Netztopologie.

Die Appliance greift nie selbst raus ins Netz, die sogenannten Jump-Points melden sich regelmässig bei der Appliance und wenn bei der der Wunsch nach einer Support-Sitzung seitens eines Support-Technikers in der Warteschlange ist, initiiert der Jump-Point die Verbindung. So kann ein Support-Techniker auch unbemannte Systeme hinter beliebigen Firewalls warten, solange dort ein Jump-Point aktiv ist, der seinen Weg zur Appliance finden darf.



Der Support-Techniker überblickt dabei in seiner Konsole alle aktiven Sitzungen, zwischen denen er jederzeit umschalten kann, die er an andere Support-Techniker weiterleiten, oder jene zur gemeinsamen Begutachtung einer Session einladen kann. Natürlich werden ihm auch die wartenden Anfragen angezeigt, die automatisiert ihm oder anderen Supportern zugewiesen werden können. Wird die Anfrage nicht innert nützlicher Frist bearbeitet, kann die Appliance die Anfrage automatisch weiterleiten oder diese Verzögerung an einen Teamleader zur Beachtung weiterleiten.

Weiterhin ist in einer Session natürlich auch der Zugriff auf wichtige Daten-Logs und Informationen des überwachten Rechners möglich. Auch umfangreiche Dateitransfers gehören dank Transfer-Queues, die im Hintergrund weiterlaufen, zu den leichtesten Übungen. Zugriff auf die Registry bei Windows-Systemen ist ebenfalls möglich. Eine interessante Eigenschaft ist auch das Einschiessen des Jump-Points in noch nicht überwachte Rechner, die im lokalen Kundennetz erreichbar sind: Hat der Supporter die benötigten Credentials, kann er jeden Rechner im Netz überwachen.



Jede Session wird dabei unaufgefordert und vollständig per Video auf der Appliance (inklusive aller anderen Aktionen wie Filetransfers und die Command Shell Aktionen aufgezeichnet, wo sie dann der Support-Techniker oder Teamleaders etc. supervisioniert werden können. Nebenbei ist das natürlich auch gut, um Fehler des Supporters nachzuvollziehen oder besser noch: Erlaubt man einem externen IT-Supporter den Zugriff auf eine mit BOMGAR überwachte Session, werden dessen Aktionen beweisfähig mitaufgezeichnet.

Die professionelle Ausrichtung in diesem Bereich merkt man dem Produkt an, weil eine Produktvariante namens PAM auch ermöglicht, dass ein interner Supporter einem externen, kundenfremden Supporter eine Session vorbereitet, bei der die Appliance selbständig den Externen zu einer zeitbeschränkte Session einlädt. Der Externe muss weder je über ein Passwort zum Einloggen auf dem Kundenserver, noch über irgendwelche Fernsteuerungstools verfügen, denn die BOMGAR-Appliance lädt den Externen zu der Session ein – sie loggt sich dann auf dem Kundenserver ein (mit den vom internen Supporter extra für diese Session hinterlegten Credentials) und liefert dann den Bildschirm des Kundenservers an den Externen. Macht der zu lange, wird er halt abgeklemmt. In dieser Variante bleibt der interne Supporter der Besitzer der Session, d.h. beendet der interne Supporter die Sitzung, schmeisst das den Externen raus.

Aber es gibt noch eine weitergehende Technik, die sich Embassy nennt, in der externe Supporter über längere Zeiträume wiederholt auf Kundenserver zugreifen können – dabei ist dann kein interner Supporter mehr nötig, der dem Externen die Sitzung vorbereitet. Dazu muss allerdings alles haarklein vordefiniert werden, damit die Embassy ja nichts anderes als das Vorgesehene erlaubt. Dazu gehören auch Profile, die man Externen jederzeit für eine einzelne Sitzung zuweisen kann. So kann die Einrichtung von Externen einmal gemacht werden, dennoch kann man ihm für - sagen wir mal - heute nur ein Read-Only-Profil zuweisen, obwohl er sonst ein Profil hat, das ihm die interaktive Sitzung gewährt.

Selbstverständlich kann die Appliance auch für unkritischeren End-User-Support benutzt werden. Die Firma Microdyn bietet beispielsweise Support-Abos an – worauf sie einen Jump-Client samt einfach zu findendem Hilfe-Button auf dem Desktop des End-Users installiert – ohne oder mit UAC-Support. So können die End-User auf Knopfdruck jederzeit Support anfordern. Natürlich gibt's auch noch den Ad-Hoc-Modus, wo man bei Microdyn eine einmalige Support-Session verlangt, worauf man einfach einen Link bekommt und einen Sitzungsschlüssel, der auf der Box hinterlegt ist. Diese Methode erlaubt auch, Support-Leistungen zeitbefristet anzubieten. So kann man einen Support anfordern, den man mangels Planungssicherheit eventuell nicht grad sofort, aber sicher innert der nächsten 4 Stunden beanspruchen kann. Danach verfällt der Schlüssel.

Interessant in diesem Zusammenhang ist die Möglichkeit, über APIs mit Ticketsystemen wie HP Openvew, BMC-Remedy oder ServiceNow zu interagieren, wo ja Benutzernamen vorherrschen, die supportet werden sollen, nicht deren PCs. Hat man also aus einer ITSM-Lösung Benutzernamen, kann man von diesen System aus eine Support-Session initiieren auf dem PC, an dem der Benutzer grad arbeitet, auch wenn dieser PC noch nie einen BOMGAR Jumpclient installiert hatte. Diese Technik nennt sich dann Push-Client, weil über eine AD der Benutzer am aktuellen PC gefunden werden kann, so dass dann dem betroffenen PC ein Client unterschoben wird. Das ist die Lösung für wirklich grosse Konzerne mit Tausenden Benutzern und PCs.

Alle Aktionen der Box sind natürlich in fast allen Aspekten parametriesierbar. Interfaces an Ticket-Systeme und Netzwerküberwachungstools stehen bereit, um Support-Aktionen direkt in deren Administration einfliessen oder von dort aus auslösen zu lassen. BOMGAR dokumentiert alle seine APIs öffentlich.

Rolf Hahn, der Chef von Microdyn hat mir mal noch ein paar Internals vorgeführt ... dies zu skizzieren ergab dann eine recht verzwickte Beziehungsgrafik, zeigte mir jedoch Aspekte auf, die mir meine auch ihm öfters gestellte Frage „wie verkauft man BOMGAR gegen TeamViewer und Konsorten" in Ansätzen erklärte. Ich als einfacher Supporter kann diese Aspekte gar nicht richtig ausnutzen, denn alle die Aspekte haben mit Sicherheit, Abläufen und Privilegien zu tun. Eines allerdings kann auch ich gut nutzen, die integrierte Webinar-Fähigkeit: die Appliance kann bis zu 20 Benutzern eine Präsentation eines Supporters zeigen, so, wie halt Webinars ablaufen, nur ohne akustischen Chat und Ton. Vielleicht kommt das auch noch irgendwann. Das zeigt auch grad etwas, was ich öfters brauche: Ich als Support kann jederzeit dem Kunden meinen Bildschirm zeigen, wenn ich ein Problem bei mir nachspiele. Etwas umständlicher, aber auch möglich, ist das Zeigen mit einem Pseudo-Mauscursor ... so dass ich das zeige, der Kunde es aber selbst nachmachen muss.

Kein Wunder also, dass Microdyn BOMGAR mehrheitlich an sehr sicherheitsbewusste Organisationen wie Banken, Spitäler, kantonale Verwaltungen oder grosse, weit verbreitete internationale Firmen wie Daimler-Benz verkauft und diese auch in komplexen Anwendungsszenarien betreut.

Ich hatte letzthin wieder einmal einen Server in einem Rechenzentrum übernommen, der nichts mehr auf seinen Platten hatte. Leider unterstützte dessen BIOS Intels vPro Technik nicht, sonst hätte ich dank vPro direkt ein ISO Image via BOMGAR installieren können. So musste ich die KVM-Lösung des Hosters nutzen, um von einem USB-Image zu booten. Kaum war Windows aber installiert, war die erste Bürgerpflicht, nun, meine Bürgerpflicht, den BOMGAR Jump-Client zu installieren, um von dann an nicht mehr die merkwürdige und veraltete, auf Java-basierende KVM Lösung brauchen zu müssen.

Ich kann nach all den Jahren BOMGAR sehr empfehlen, auch wenn ich selbst es nie wirklich ausnutzen oder gar überfordern konnte - es ist halt ein Enterprise-Level-Produkt. Wer sich mehr für dieses Produkt interessiert, wende sich einfach an Microdyn.

PS: Natürlich kann man jederzeit auch eine Support-Sitzung mit mir über BOMGAR auslösen. Dazu kann man in der Appliance eigene Webseiten bereitstellen, die dann beispielsweise nur ausgewählte Support-Techniker auflisten, bevorstehende Webinars oder ein eigenes, komplettes Support-Portal anzeigen. Ein minimales "Portal" ist zum Beispiel meines. Bei telefonischer Anmeldung gebe ich den Sitzungschlüssel an, der dort einzugeben ist.

Jetzt entdecken die das erst ...

Gerade hörte ich im Radio die News, dass eine Studie über den Einsatz von Sozialhilfe in entwicklungsbedürftigen Ländern herauskam, gemäss der diese Art von Hilfe Erfolge zeige.

Sozialhilfe, abgegeben zur Existenzsicherung, sei eine gute Methode, Entwicklung zu fördern. Man sei bisher davon ausgegangen, dass Sozialhilfe die Eigeninitiative lähmen würde ... das Gegenteil sei der Fall.

Mann, ich predige schon lange, dass die allermeisten Menschen nicht faul werden, nur weil sie Geld für die Existenzsicherung bekommen - im Gegenteil. Was soll mensch schliesslich machen mit der vielen Zeit eines Lebens? Innovationen, neue Impulse können ja nur entstehen in Situationen, in denen der wirtschaftliche Druck nicht prioritär ist.

Die irrige Annahme zeigt aber, wie das Menschenbild vieler über ihre Artgenossen ist. Faul, schmarotzend, asozial ... übertragen da einige ihr ehrlich eingestandenes Selbstbild nicht einfach auf andere ...?

Eigentlich schon peinlich, dass so eine Annahme existierte - immerhin, nun ist die Studie gemacht worden und zeigt, es ist nicht so.

Wunderbar, das möge doch einigen einen Anstoss geben, ihre Vorurteile mal wieder zu prüfen ... denn genau um diese geht es beim bald anstehenden Abstimmungsgang zum bedingungslosen Grundeinkommen. Da blöken ja auch alle dem Leithammel nach, dass dann ja nichts mehr funktionieren würde ... schalteten diese Leute mal den Verstand ein und Vorurteile ab, würden sie auch bemerken, wie falsch sie denken ...

Und gerade diese Vorurteile stehen ja angesichts der Flüchtlingslage eh im Brennpunkt ... vielleicht auch zum Nutzen all derer, die in diesem Finanzsystem nicht das CH-durchschnittliche Haushaltseinkommen von ca. CHF 9000.- haben ... und die dennoch menschenwürdig leben wollen.

Ceterum censeo: Thing globally, act locally

Vaio Duo 13 und das neue Windows 10

So, ich bin ja bekanntlich Fan des Sony Vaio Duo 13 ... und seit ich das erste Mal von Windows 10 hörte, auch davon. Nun ist IT ja mein Kernbusiness und dort heisst es, "never trust a point.zero version" oder so ähnlich, sprich, man soll nichts neues in der ersten Version installieren. Oft ein weiser Rat.

In meinem Fall war es nun so, dass ich den Vaio nicht als kritischen Rechner sehe, sondern eben als Probiermaschine ... mit Täschelscreen und Stift. Und einem Windows 8.1 das ich mir dank Classic Shell etwas bequemer machte. Die Maschine funktioniert bis anhin wunderbar.

Dass ich mir nun schon so früh den Upgrade antat, ist erstens deswegen, weil Windows ab jetzt automatisch Updates erhält, ich meine Funktionsupgrades, nicht nur Problemfixes. Und zweitens eben, das neue Windows 10 soll ja mit eniem Convertible Rechner besser umgehen können.

Wie auch immer, dank Macrium Reflect war das Image des Rechners ja eh schon gemacht, so lud ich das Installationsprogramm von MS direkt auf einen USB Stick runter, steckte den rein und liess das Setup durchlaufen. Es lief tatsächlich ohne Nachfragereien und Problemen durch. Und nach einer Stunde hatte ich den Windows 10 Login-Screen drauf. Sogar die Classic Shell überlebte, aber der Reihe nach.

Was ich sofort merkte: Der Zugriff auf die Kamera war nicht mehr möglich. Und beim Login bemerkte ich dann, dass der Backslash auch nicht mehr mit ALT-GR machbar war, sondern wie vor dessen Erscheinen nur noch mit gleichzeitigem ALT+CTRL herauszuholen war - und das, obwohl die Tastatur schon noch auch Deutsch (Schweiz) gestellt war.

Ok, keine Showstopper aber doch mühsam. Dann mal etwas rumspielen und siehe da: Wenn der Bildschirm sich mal dreht, dreht er sich nicht mehr zurück - im Desktop-Modus. Ich werde das nochmals testen müssen, ob das automatische drehen nur noch funktioniert, wenn man explizit in den Tablet-Modus wechselt.

Ansonsten lief es bei mir also gut. Der Computer arbeitet. Aber halt noch nicht alles andere, vor allem Cortana nicht. Suche ich nach Cortana lokal, heisst es, dass Cortana auf diesem Computer nicht funktioniere. Interessant, das Windows 10 ist ja Deutsch, und die Sprache des Rechners ja auch, trotzdem gehe es nicht. Merkwürdig und unverständlich.

Da ich zwar gerne mit dem Tätschelscreen arbeite, aber eher per Stift, muss ich weiteres Erforschen noch hintenanstellen, da grad jetzt die AAAA-Batterie des Stiftes ausgegangen ist.

Drum hatte mich als Web-Entwickler nur noch grad interessiert, ob Edge nun endlich auch die HTML-Eingabetypen date etc unterstützt. Das machen bisher leider nur der steinalte Opera 12 und die Chromium-Derivate wie Chrome, der neue Opera und Vivaldi und natürlich die Mobile-OS Browsers. Der gelobte Firefox macht das leider sogar in den neuesten Versionen immer noch nicht. Warum ich das bemängle angesichts der Myriaden von Javascript-Datepickern ... ist, dass man den Kram immer noch nutzen muss, obwohl das Handling von Datumeingaben immer ein Ghetto ist. Chromium macht das meines Erachtens vorbildlich, denn es schreibt immer ISO8601 und zeigt das Datum aber im Locale des Browsers an. Sehr schön.

Drum dachte ich, ok, jetzt kommt Windows 10 und Microsoft pusht derart auf die Update-Drüse, dass die alten IEs hoffentlich wirklich endlich aussterben. Drum also mein Kurztest. Edge zeigt tatsächlich einen den Mobile-Versionen entlehnten Rollen-Date-Picker an .. schreibt aber das Datum im Locale des Browsers. Und sieht total unsexy aus. Und nur für input[type='date'] für 'datetime' und 'datetime-local' bleiben leer wie vorher. Sehr sehr schade, auch wenn gerade Windows 10 mit der Continuous Delivery punkten kann und das nachliefern könnte - denn immerhin gibt es eine Website bei Microsoft, wo man für Features des Edge abstimmen kann (http://dev.modern.ie/testdrive/categories/input/).

Das Problem bleibt also bestehen, die Datepicker Schreiber haben dennoch ihre Zukunft.

So, das war mal der Kurzeindruck. Der Upgrade klappte also problemlos, aber Details harzen, von denen ich den Tastaturfehler eigentlich nicht verstehe. Wie auch immer. Sollte ich noch was finden zum Thema Windows 10 und Vaio Duo 13, das meine Problemchen behebt, werde ich das posten.

Wenn das neueste Windows 8.1 nicht mehr richtig druckt am Terminalserver ...

Ich schreibe ja selten über Technik, die Teil meiner Tagesbeschäftigung ist. Jetzt muss ich mal wieder, weil es etwas Mühsames ist. Ich betreue die IT eines Demenz- und Pflegeheimes, in dem etwa 40 PCs verschiedenen Alters als Endgeräte an einem Terminalserver 2012 agieren. Aus der Historie haben wir immer noch einige alte, an den PCs per USB angeschlossene HP 1022 LaserJets.

Aufgrund einiger anderer Problematiken haben wir die Betriebssysteme der alten PCs, die ja nur per RDP auf den Terminsalserver zugreifen, auf Windows 8.1 aktualisiert. Da diese LaserJets bei den Benutzern stehen, wollen die sie auch weiterhin benutzen, obwohl wir grosse Etagen-Drucksysteme haben. Sie werden daher im RDP als lokale Resource in die Terminalserversitzung importiert. Das hat immer funktioniert, seit XP Zeiten bis zu Windows 7. Nicht aber beim neuesten Windows 8.1.

Da sind nun zwei merkwürdige Dinge aufgetaucht, eines davon ist wohl verbunden mit dem "HP Universal Printing" Treiber. Das Problem wurde offenbar durch eines der Updates des Terminalservers 2012 im August eingeführt.

1.
Alle Drucke auf HP Drucker, die vom Terminalserver aus gespoolt werden, sind langsamer geworden. Die Verzögerung bis zum Start der Ausgabe auf allen unseren HPs ist ca. doppelt so lang wie früher und die Ausgabe hat Schluckauf, das heisst, alle paar Seiten entsteht eine 2-10 sekündige Pause. Das war auch nicht so vorher. Unsere HPs sind ausser der 1022 alle direkt IP-angesteuerte Drucker. Diese Verhaltensänderung haben wir nicht bei anderen IP-Druckern von Kyocera, Oki und Lanier.

2.
Der von Windows 8.1 von selbst eingesetzte Treiber für den USB nennt sich "HP 1022 LaserJet Class Driver" funktioniert zwar in der Terminalserversitzung, ein Ausdruck darüber - sowohl lokal als auch in der Terminalserversitzung - lässt den 1022 aber mit der roten LED aufleuchten und es kommt kein Papier raus. Ein Druck auf die Raute-Taste des 1022 spuckt den Job aus ohne irgendein Problem. Sowas ärgert die Benutzer und somit auch mich.

Auf dem Terminalserver gibt es auch noch einen vom HP Universal Printing wohl eingerichteter "HP 1022 Laserjet" Treiber. Wählt man den aus, gelingt das Drucken lokal ohne diesen Fehler, aber in der Terminalserversitzung ergibt ein Druck darauf einen direkten Fehler im RDP.

Wie wohl alle Administratoren wissen, sind Benutzer manchmal störrisch, sie wollen ihre lokalen Drucker behalten. Und wir als Firma wollen aber keine lokalen Drucker mehr kaufen. Und diese 1022 LaserJets machen mir nun nur im Windows 8.1 Ärger.

Wenn hierzu jemand etwas Weiterführendes weiss, freue ich mich auf eine Nachricht. Natürlich haben wir alle Drucker-Treiber von HP aktualisiert, Treiber für Windows 2012 für den HP 1022 gibt es natürlich nicht.

Vielen Dank.

Initiative zum Mindestlohn vom 18. Mai

Ich finde die Diskussion darum ja sehr interessant, weil sie ethische Aspekte und wiedermal wirtschaftliche Bedingungen einander gegenüberstellt. Das Ethische ist die Frage, ob man in der derart monetarisierten Gesellschaft einen Menschen als Lebewesen mit einem Verwirklichungspotential sieht, das er erleben können soll. Wenn ja, dann hätte die Gesellschaft die Aufgabe, jedem Menschen eine würdevolle Lebensumgebung zu schaffen. Die gesellschaftliche Rahmenbedingung heisst derzeit Wirtschaftlichkeit. Sie ist leider nicht nur Rahmenbedingung, sondern vielerorts Prämisse.

Unter dem Diktat der Wirtschaftlichkeit ist der Mensch eine Resource, nichts weiter. Es werden Arbeitskraft gegen Produktionsvolumen gestellt, was dann u.a. zu so schönen Begriffen wie Lohnstückkosten führt, woran man die Verplanung der menschlichen Fähigkeiten im Produktionsprozess erkennen kann. In Griechenland sei dieser Wert wieder gesunken, was gut für die Wirtschaft sei. Aha.

Wie dem auch sei. In der Schweiz kennen wir sogenannte strukturschwache Regionen - und wenn man nachfragt, wie die entstehen, klingt es doch oft so: Die Arbeitsangebote tummeln und zentrieren sich in Ballungszentren, draussen Umland mangelt es an Arbeit. Junge Familien müssen daher dorthin ziehen, wo die Arbeit ist, denn die Arbeit, die bei ihnen vor Ort ist, wird nicht so bezahlt oder ist nicht attraktiv genug.

Egal, wie es dazu kommt, dass Leute abwandern in die Ballungszentren: Es ist ein Teufelskreis. Wer was verdienen will, geht in die Stadt, weil die Chancen dort besser seien. Und draussen können die dortigen Firmen nicht dasselbe bezahlen, was Konzerne in der Stadt können. Hat einer also eine Familie zu ernähren, wäre sein Lieblingsarbeitsort sogar am Wohnort, so muss er vielleicht dennoch in die Stadt abwandern, um für seine Familie ausreichend sorgen zu können.

Würde überall in der Schweiz ein Mindestlohn gelten, dann könnten Leute auch auf dem Land gut leben und müssten nicht mehr dem Geld nachziehen. Geld bliebe so auch vermehrt auf dem Land, was wiederum Leute dort behalten kann - und wo Leute leben, siedeln sich andere Arbeitgeber an. Denn es geht ja immer nur darum, kann ein Landbewohner auch auf dem Land so gut leben, dass er dort nicht mehr weg muss, wenn er nicht will. Es würde ihm sogar mehr bleiben, weil die Transportkosten (Arbeitsweg, Fahrzeug) sich reduzierten.

Ich könnte mir gut vorstellen, dass ein Mindestlohn in der ganzen Schweiz grade strukturarmen Gebieten wieder zu Aufschwung verhelfen könnte. Und die Vermeidung von Strukturverlust ist doch auch ein grosses Thema in der Politik.

Was wir alles der Wirtschaft(lichkeit) opfern

Heute habe ich wieder mal etwas TV geschaut, im Bildungssektor natürlich, nano war's.

Da ging es um Fukushima, Hiroshima, Fracking, Ignoranz, Politik, Resignation, Burnout, etc.

Das brachte mich dazu, wieder mal etwas zu sülzen für meinen Blog. Denn nano beleuchtete die Schattenseiten der Ökonomie, egal wo diese stattfindet auf dieser Welt.

Die Energiewende ist zu teuer, zu unökonomisch. Heisst es. Weil wir in unseren Breitengraden Solarzellen nur zu 19% auslasten könnten, weil auch Windräder nicht immer laufen, weil Windräder auch die Landschaft verschandeln etc. In der Sendung wurde gezeigt, wie als Brückenenergie wieder die CO2-erzeugende Kohle herhalten soll, der man erst noch unterhöhlte Landschaften und Dörfer opfern muss, weil die einstürzen könnten - einziges Argument: Kohle ist billig.

Doch woran gemessen? Wir sind alle so doof, dass wir nach wie vor nur an Gestehungskosten messen. Der Klimawandel, der rein logisch klar auf Energiezufuhr in die Atmosphäre zurückzuführen ist, wird nicht gezählt. Dreckige Atemluft, die ebenfalls nachweislich in bestimmten Regionen der Welt eine erhöhte Sterblichkeit nach sich zieht, wird ignoriert. Die neue Todessünde - Fracking - wird genutzt, stillschweigend teilweise, um einfach im bekannten Verdreckungszyklus weiterzumachen. Sauberes Grundwasser, wer braucht's denn? Und wenn das Fackinggift dann halt im Getreide ist? Dumm gelaufen, wieso kann das blöde Korn auch nicht aufpassen, was es aus dem Wasser aufnimmt.

Zalando und andere sorgen für immer mehr Verpackung, immer mehr Plastik. Immer mehr nicht recyclebare, weil kombinierte Kunststoffe und daher zu teuer (wiederum eine Geld-Bewertung) sorgen dafür, dass der Mensch nach wie vor der einzige Organismus ist auf der Erde, der Materialien erzeugt, die die Natur nicht entsorgen kann. Jeder Dung, jeder tote Körper, jedes Tier, jede Pflanze, jeder Pilz wird in kürzerer Zeit von anderen Tieren, Pflanzen, Pilzen zerlegt und dem Materialienkreislauf der Natur zugeführt. Keinem Tier käme es in den Sinn, künstlich Uran zu erzeugen oder Plastikfolien, oder Nanoplastikkügelchen, um die Haut zu schrubben, Peeling heisst das dann so schön.

Es ist ja vielleicht gerade das, was den Menschen mit seinem Geist, seinem Gestaltungswillen und seiner Planungsfähigkeit von anderen Naturgeschöpfen unterscheidet: Er kann sich was vorstellen, es planen, es realisieren. Dummerweise macht er damit wohl nur egoistisches Zeug: "Ich will ein Haus, Handy, Auto, ..." Und wenn das einer will, gibt's welche, die ihm das machen - aber wohl auch erst, seit es Geld gibt, denn vorher hätte der Anbieter ja nichts von der Anfrage oder dem potentiellen Markt gehabt.

Und weil jeder, Nachfrager und Anbieter, Egoisten sind, nutzt auch keiner seinen Geist und seine Planungsfähigkeit, um weiter zu denken als nur grad zur Erfüllung seiner Wünsche. Denn dem Anbieter ist es ja egal, was nach dem Verkauf an den Nachfrager mit seinem Produkt passiert. Ist es giftig, wird es nicht verroten, belastet es die Welt - who cares. Nach mir die Sintflut.

Es nimmt mich schon verdammt wunder, wann der Gier nach immer noch mehr endlich mal das Maul gestopft wird. Und wann das Argument, etwas sei nicht ökonomisch, endlich mal davon entlarvt wird, dass im Alltag die Leute an dreckiger Luft, Plastik im Honig, Platzmangel vor lauter Strassen, Krampfen unter Minimallöhnen bis zum Burnout etc. verrecken. Das tun sie zwar schon, aber es reicht in der Intensität noch nicht bis zum Crash der Gier. Deren Fratze versteckt sich immer noch hinter Platitüden von Fortschritt und Entwicklung. Und dafür benötige man eine sogenannte Wirtschaft.

Der Moloch der Wirtschaft ist derart in unseren Köpfen, dass wir ihm alles, was Menschlichkeit ausmacht, opfern. In der Sendung nano genannt: Gerade dem Wohl der Menschen verpflichtete Ärzte, die sich aufputschen müssen, um Überarbeitung wettzumachen. Weil die Spitäler ja ökonomischer werden müssen. Und wo spart man üblicherweise, wenn etwas ökonomischer werden muss? Natürlich, an den Leuten. Denn die kann man ja durch Computer, Roboter und Workflow-Optimierungen wegrationalisieren.

Wozu das führt, habe ich andernorts schon oft erläutert. Nur kurz: Dummerweise sterben die weg ökonomisierten Menschen ja nicht nach Gebrauch weg, sondern leben sogar noch länger. Und müssen ja besser leben, wobei besser wohl wieder an Geld gemessen wird. Wie soll das denn gehen? Wie soll man denn zu Geld fürs Leben kommen, wenn man keinen Beruf in der Wirtschaft mehr hat, der einem erlaubt, sich den Lebensunterhalt durch von der Wirtschaft bezahlte Arbeit zu verschaffen?

Will man eine starke Wirtschaft im Sinne, dass man ihr viel unterordnen darf, dann muss jeder, der arbeiten will, auch eine Arbeit finden können - egal wie alt, wie gesund, wie motiviert. Dafür müsste die Wirtschaft dann sorgen. Genau das aber will sie nicht. Denn die Wirtschaft ist schon lange in den Händen grosser, mächtiger Kapitäne, die für ihre eigenen Leben eben nicht mehr von der Wirtschaftlichkeit ihrer eigenen Resourcen (Arbeitskraft) abhängig sind. Diese grauen Eminenzen nutzen die Menschen so, wie der Mensch die Bienen nutzt: Er nutzt sie aus. Die Eminenzen nutzen uns aus.

Nun gibt es ja noch den Staat. Der ist die immaterielle Willensäusserung der Menschen. Er ist das Regelwerk, auf das sich Menschen zum mehr oder weniger friedlichen und förderlichen Zusammenleben geeinigt haben. Nur: Immer weniger scheinen sich dessen bewusst zu sein, wenn sie sagen: Die in Bern, Berlin, Brüssel etc. machen eh nur was sie wollen. Klar, und die Eminenzen sorgen mit Lobbyisten auch dafür, dass sie genau das wollen, was die Eminenzen für sich wollen.

Dieses System ist die Wirtschaft, die Globalierung. Es macht jedem klar, dass er weniger wert ist als eine Biene oder jedes beliebige andere Nutztier.

Ein Imker wird wohl für seine Bienenvölker sorgen, weil er sie ökonomisch einsetzen - sprich ausnutzen - will. Er kennt keine Biene persönlich, doch er weiss was seine Pflichten sind, um ein gut entwickeltes Bienenvolk aufzuziehen. Er wird sich also um sein Volk kümmern.

Und wir? Kümmert sich die Wirtschaft um uns? Oder zeukelt sie uns mit einem Lohn, um uns dafür wie Zitronen auszupressen? Denn das Argument heisst ja immer, eine Volkswirtschaft muss mit anderen mithalten können. Und um konkurrenzfähig zu bleiben, muss ein Wirtschaftszweig ökonomisch sein. Und wie macht man einen solchen Zweig schon wieder ökonomisch? Richtig, man spart bei den beteiligten Menschen. Und wohin gehen die dann? Who cares.

Also, wenn der Staat dann noch das einzige Bollwerk ist zwischen uns und dem Fleischwolf der sogenannten Ökonomie, dann möchte ich, dass der Staat, also wir alle, uns schon mal Gedanken machen, was uns für unser Leben wirklich wichtig ist. Immer mehr Konsum, Wegwerfen, sich-einen-Scheiss-kümmern oder wollen wir eine intakte Natur, gute Luft, Ruhe, Musse, Freizeit, Gemeinsamkeit? Der Staat sollte sich nicht durch tonnenweise penible, menschenverbessernde und alle-schützen-wollende Gesetzestexte auszeichnen. Der Staat kann nichts gegen Mord und Sexualdelikte tun, er kann nichts gegen die Emotionalität der Menschen machen. Er kann nur dafür sorgen, dass es ein gemeinsam erarbeitetes und klar deklariertes Regelwerk gibt, das Auswirkungen der Unternehmungen der Menschen auf andere bewertet und nötigenfalls einschränkt. Und vor allem für alle gilt. Keine Ausnahmen, keine Schlupflöcher. So ein Staat wäre eventuell genug stark, um der Wirtschaft ebenbürtig entgegestehen zu können.

Wollen wir denn die erwähnten Naturresourcen versauen, nur weil es billiger ist, Dinge herzustellen, die man nicht entsorgen kann? Energie aus dem Boden zu holen, nur weil es billiger ist? Deren Umsetzung wir dann aber nicht mehr loswerden (Abgase, Wärme, Gifte, Strahlung)?

Ach ja, und Japan fährt dieser Tage wieder Atomkraftwerke hoch ... owohl die es doch mittlerweile besser wissen sollten. Aber Hiroshima ist halt auch nur noch etwas fürs Museum und den Geschichtsunterricht. Fukushima ist halt leider nicht in Tokyo passiert ... sage nicht ich, sondern eine interviewte, alte und von Fukushima dislozierte Japanerin. St. Floriansprinzip. Verständlich, aber halt nicht förderlich.

Energie, und zwar die Premium-Energie, nämlich elektrischer Strom, ist problemlos erzeugbar. Schliesslich knallt die Sonne in einer Sekunde mehr Energie auf die Erde als die Menschheit an einem Tag überhaupt braucht - und immerhin scheint ja täglich immer irgendwo die Sonne. Elektrizität ist in der Gestehung derzeit höchstens noch unter dem Aspekt der Speicherbarkeit teurer, aber sie hat keine Entsorgungskosten, zumindest keine, die den Planeten und seine Bewohner ähnlich belasten wie die bisherigen Energieschürfungsmethoden.

Jetzt wird in der Schweiz grad der Lehrplan 21 überarbeitet, in dem es u.a. hiess, dass ein Schüler in die Lage versetzt werden soll, Kapitalismus, Wirtschaft und ihre Auswüchse kritisch bezüglich sozialen und soziologischen Auswirkungen, Umweltbelastungen und globale Verantwortung zu bewerten. Sowas will die Wirtschaft natürlich nicht, so ausgebildete Leute sind gefährlich. Und was passiert? Die Wirtschaftsvertreter haben es geschafft, dass diese Bildungsziele entschärft oder gar geändert werden, "Wirtschaft sei gut und nötig". Ja, sie ist derzeit noch nötig, aber eigentlich hat sie sich schon überlebt - in unseren Beritengraden. Denn wir haben ja schon alles, und zwar im Übermass.

Wenn ich höre, dass sich hierzulande jemand wegen Unverträglichkeit eines Solarpaneldaches mit dem Heimatschutz oder dem Lärm oder Schattenwurf eines Windrades beschwert, dann kommt mir regelmässig die Galle hoch. Ich würde so einen dann dazu verurteilen, ab sofort sein Leben ohne Apparte mit elektrischem Antrieb verbringen zu müssen. Das hiesse dann also ohne Licht, Kochherd, Kühlschrank, Auto, Handy(!), TV, Internet ...

Elektrische Energie ist darüber hinaus die einzige Energie, die uns hülfe, unsere nicht recyclierbaren Materialen aufzutrennen und so wieder nutzbar und ungefährlich zu machen. Schliesslich funktioniert die ganze Chemie über die Elektronenhüllen ihrer Atome.

Also, wenn die Wirtschaftsvertreter wieder mal was von ökonomisch labern: Dann sollten wir uns wieder erinnern, was Lebensqualität ausmacht. Und wieviel wir schon akzeptiert haben, um uns diese versauen zu lassen. Dann sollten wir entscheiden, was sie tun darf und was nicht, wir als Staat. Wir als Wirtschaftsteilnehmer. Wir als diejenigen, die etwas Erfüllendes erhalten sollten, wenn die Wirtschaft immer weniger von uns braucht.

Dass dies in letzter Logik eigentlich nur zum bedingungslosen Grundeinkommen führen kann, ist zumindest für mich logisch. Denn dass wir die Ökonomie aus der Welt schaffen können, das ist wohl unrealistisch. Denn Gier, Abgrenzung, Vergleich und Haben-Wollen sind dummerweise Charaktereigenschaften des Menschen. Wer dann noch mehr will, der soll seine eigenen Abwägungen machen, aber er und seine Machenschaft soll keine Auswirkungen auf mein Leben haben können. Derzeit haben die Auswirkungen der Wirtschaft immer Einfluss auf unser aller Leben, ob wir wollen oder nicht.

Ob der Mensch wirklich mal noch was wirklich lernt, bevor seine Lebensgrundlage so ist, dass sie nicht mehr lebenswert ist?

So, wiedermal wohl viel zu viel Text ... aber es ist dafür raus für die nächsten Tage.

Ceterum censeo: Think globally, act locally.

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