Alinghi - möge der Hochmut uns nicht strafen

Einen tollen Einstieg bot für uns Schweizer die Alinghi. Immerhin ist ja wirklich ein einziger Schweizer mit an Bord - der mit der Kohle. Hmmm, sollte das bedenklich stimmen? Sollen andere bestimmen.

Was mir gestern beim zweiten Race auffiel, war die etwas hochnäsig erscheinende Unbekümmertheit von Brad Butterworth, der die Neuseeländer einfach unkontrolliert auf die Steuerboard-Schlaglinie segeln liess, so dass diese die Alinghi über jene hinaus drängen konnten und so ein Aufholen der da erst noch langsameren Alinghi verunmöglichten.

Klar, die Strafe kam eben sofort, der Verlust des Races. Ich hoffe, dass der Gegner ebenbürtig betrachtet wird, denn nur so beobachtet man ihn und reagierst angepasst.

Es ist ja schon toll, wie so ein Team funktioniert. Jeder hat seine Rolle, jeder unterordnet sich dem Ziel. So klappt es. So gewann Alinghi vor 4 Jahren. Schert auch nur einer aus und meint, seine Rolle nicht mehr soooo genau spielen zu müssen, kommt also sein Ego ins Spiel, ist bereits ein Keim des Misserfolgs gesät. Denn seine ganze mentale Energie ist nicht mehr zu 100% aufs Ziel ausgerichtet.

Ist ja eigentlich ganz einfach mit etwas Mathematik: Nur wenn alle Vektoren in dieselbe Richtung zeigen, ist die Summe aller am grössten. Weicht auch nur einer etwas davon ab, ist die Summe schon kleiner als das Optimum bezüglich der Zielausrichtung.

Ich bin zwar gar kein Segler, aber ich hoffe doch, dass das Schweizer Käse/Schoggi/Fondue- und halt auch UBS/Nestle-Boot gewinnt - mit einem wieder eingeordneten Brad Butterworth. Somit beweist die Schweiz, dass Multikulti sehr gut funktionieren kann. Wenigstens hier ...

Also, hopp Alinghi!

Was könnte man alles tun - mit den 1488 Milliarden Militärgeldern

Es ist schon unglaublich. 1488 Milliarden CHF haben die Länder auf diesem kleinen Planeten letztes Jahr ausgegeben, um sich die Wehrhaftigkeit für ein paar Tausend Quadratkilometer auf dieser kleinen Kugel zu sichern. Trinken dasselbe Wasser, atmen dieselbe Luft, essen von denselben Naturgaben.

Aber nein, die kleinkarierten Erbsenzähler schaffen es nicht, ihre Nase aus dem eigenen Scheissdreck zu heben und mal etwas höher als über den eigenen Dungwall zu heben.

Was könnte man alles tun mit 1488 GCHF? Wenn ein guter Wissenschaftler oder anderweitig Forschender 200 KCHF pro JAhr kostet, könnte man damit knapp 7.5 Mio. Leute ein Jahr lang forschen lassen - an dem, was wirklich alle bedroht auf der genannten Kugel.

Zum CO2-Thema: China und die USA wollen sich nicht drängen und also auch nicth in die Pflicht nehmen lassen. Da gerade die USA fast die Hälfte der Militärausgaben leisten, könnten die sich sehr stark engagieren in Brainpower für die globalen Probleme.

Natürlich, die Militärforschung lässt immer mal was fallen für andere Bereiche, dennoch: Statt Kriegsspiele für das eigene Gärtchen, das ohne den grossen Garten nicht überlebt, könnte man endlich anfangen, sich um den grossen Garten Eden zu kümmern. Gemeinsam. Denn nur dann kann auch jedermanns Schrebergärtchen blühen.

Wann wird man je verstehn ...

Ceterum censeo: Think globally, act locally.

R.I.P. CAC Zürich

Nach seinem 24. Altersjahr ist er nun endlich gestorben, der Computer Anwender Club Zürich. Ich war bei der Gründung dabei, als er in einem Restaurant mitten Zürich in sehr kleinem Rahmen entstand. Ich glaube, es waren grad mal so 6-10 Leute, die sich da bewaffnet mit Listen von Programmen zusammenfanden, nachdem sie irgendwo einen Flyer vom charismatischen Initiator gelesen hatten.

Die Programme waren natürlich fast ausschliesslich Raubkopien. Das war damals halt so und - die Geschichte weiss es - ohne sie hätten gewisse Computermodelle niemals solche Absatzzahlen erreichen können wie sie es taten. Es ist klar, dass ich vom Commodore C64 rede, der legendären Kiste, die sowas wie Hardware-unterstützte Sprites hatte, einen dreikanaligen Soundchip und eine Grafik von 320x200 Pixeln. Keiner wusste damals, was Sprites seien. Und natürlich 64 KByte RAM, von welchen 39 KByte für Basic oder Assembler-Programme zur Verfügung stand. Wahnsinn.

Damals war Information knapp gesät, der Club das Zentrum des Austausches über Anwendungen, Programmiertricks, Selbstdarstellungen, Kontakte knüpfen und Karriere starten. Jahre danach geschieht es mir, dass ich irgendwo in eine IT-Firma trete und mich da einer erkennt und sagt "Du warst doch auch im CAC". Manchmal ist das förderlich, manchmal auch nicht, denn damals war ich bekannt als Crack, der aber auch recht mühsam im Umgang war.

In der Zeit des Aufstiegs des Personal Computers war der Club bis zu 850 Mitglieder gross. Koryphäen entwickelten sich, Showmen und sitzfreudige Stammstischbrüder, denn nach den Clubtreffs ging's ins Restaurant essen und trinken.

Vor ca. 10 Jahren begann auch der Niedergang, denn bald hatten die Mitglieder die potenteren Maschinen zuhause als wir im Club. Die Treffen wurden nur noch zum Anstoss des Abendprogrammes. Es kamen immer weniger. Den Informationsaustausch übernahmen Fachzeitschriften als unidirektionale Quellen.

Vor 10 Jahren ebenfalls habe ich angeregt, den Club aufzulösen, weil er nicht mehr seine Absicht erfüllen konnte. Die Clubleitung oder die Mitgliedermehrheit war nicht meiner Ansicht. Fortan war ich immer seltener bis gar nicht mehr an den Clubtreffen.

Heute allerdings konnten sich auch die ergrauten Chefs den Tatsachen nicht widersetzen: Der Club war schon lange klinisch tot und hing nur noch der Lebenserhaltungsmaschine, so lange wie das Clubvermögen noch ausreichte.

Nun ist er tot, der Club. Ich verdanke dieser Zeit viele spannende Erlebnisse, viele tolle Kollegschaften, teilweise auch einige Freundschaften, viel Spass und Lachen, auch Früste, aber wenige. Meine journalistische Karriere begann in der Zeit, denn erste Artikel von mir erhielten in Fachzeitschriften und dann während dreier Jahre auch in der Clubzeitung ein Publikum. Dies war eine gute Schule für mich.

Was nun nach 24 Jahren übrig bleibt, ist eine museumsreife Ansammlung fast aller Computer vom PET 2001 bis zum Pentium 4. Alle natürlich lauffähig.

Wer die will, kann sich bei mir melden.

Mitteilung: Die planetarische Creatrix

Dies ist ein recht langer Text, den ich hier eins zu eins wiedergebe. Es ist ein Text, der aus dem esoterischen Umfeld stammt und sicher viele Begriffe und Termini bereithält, die manche nicht kennen. Das ist hier nicht so wichtig, denn es geht um was anderes. Die Hauptbotschaft versteht jeder.

Der Text ist für die, die sich in der aktuellen Situation nicht wohl fühlen, die meinen, dass ihre Existenz bedroht wäre, die an der Welt verzeifeln.

Ich habe mich entschieden, die deutsche Übersetzung des englischen Originaltextes zu präsentieren. Am Schluss des Textes finden Sie einen Link zum englischen Text.

Lesen Sie ihn durch und lassen Sie ihn wirken. Mehr ist dazu nicht zu sagen.

[Mehr]

Erdähnlicher Planet entdeckt. Wird Erde Schutthalde?

Gut, dass man jetzt einen erdähnlichen Planeten entdeckt hat. Im Sternzeichen Waage, 20 Lichtjahre, um einen roten Zwerg, Gliese 581, glaub ich. Ein Einseitendreher, mit einem Jahr von 13 Tagen. Ist ja nicht so wichtig, denn vorderhand ist der für uns nicht erreichbar.

Er soll Temperaturen von 0-40 Grad haben und sogar Wasser könnte da sein. Toll, wann erscheint der nächste Noah? Die Arche zu bauen wird noch ein paar Jahre Technologie-Forschung und -Erprobung verlangen. Oder hatte am Ende Uriella recht?

Gut, dass der auftaucht, in ein paar Dutzend Jahren können wir ja dann die Elite der Menschheit dorthin schicken, wenn es hier klimatisch zu heisst wird oder unsere Nahrung aus den unterirdischen Atomendlagern verstrahlt ist.

Die haben dann zwar ein paar subjektive Jahre in gepferchtem Raum zu wohnen, wer weiss. Vielleicht besser mal etwas vorbeugen, statt dann zu retten, was noch zu retten ist. Oder sagen wir, die Ratten verlassen das dann sinkende Schiff?

Nun, sie müssen noch etwas ausharren im selbst angerichteten Schlamassel ... :-)

Sihlcity - wieder was, was niemand braucht(e)

Nun ist es eröffnet, die gigantomanische Umnutzung der alten Papierfabrik an der Sihl in Zürich bei der Allmend. Das alte Fabrikgelände wurde bekanntlich mehrere Jahre lang besetzt von Alternativen und Künstlern.

Nett die Meinung eines ehemaligen Hausbesetzers und Künstlers zur Tatsache, dass einige ehemals künstlerisch verzierte Säulen als Reminiszenz an die Vergangenheit in neuen Restaurants konserviert wurden: Es sei die Höhe, diese ehedem verteufelte Kunst nun als Exposé des Kommerztempels zu nutzen.

Er sei das erste und letzte Mal dort gewesen: Es gebe nichts, was man im dichten Zürich nicht innert 2 km auch kaufen könnte. Es sei einfach eine Ballung von Läden. Wir Schweizer kennen ja eh schon alle Läden, die wir dort finden, es sind die üblichen Verdächtigen.

Der Projektleiter habe an einem Eingang die Besucher gezählt, die innert einer Stunde in die Sihlcity strömten und war erfreut darüber, dass es so viele seien.

Wenn er sich da nur nicht täuscht. Schliesslich wollten sicher die meisten einfach mal die derzeit im TV äusserst stark gefeatureten Bilder in Real sehen.

Nun kann man also in einem Dutzend Restaurants essen, in 9 Kinosälen einnicken, auf 3 Dance-Floors hopsen und in 80 Läden Geld ausgeben. Wer vor lauter sinnbetörendem Konsum doch irgendwie von Gewissensbissen geplagt wird, kann sich diese in der eigenen Kirche austreiben lassen. Anreise bitte mit ÖV. Ok, Zürich-Südwest hat nun auch seine Kommerzecke wie Zürich-Nord. Aber wer brauchte die denn?

Für lokal Unkundige sei gesagt, dass die Sihl einmal ein schöner Fluss war, der in die Stadt enifloss und sich mit dem Abfluss des Zürichsee vereinigt. Seit mehr also 30 Jahren schwingt sich als Hochstrasse über der Sihl ein Autobahnprovisorium in die Stadt und verschlang das notwendige Licht, das das Flussufer zu einer blühenden und lebendigen Naturlandschaft spriessen liess. An eben dieser Sihl wurde nun dieser CHF 600 Mio. Klotz hingestellt. Es ist klar, dass die Renaturierung der Sihl damit völlig vom Tisch ist.

Es ist nicht das erste Mal, dass ich meine wohl klare Meinung gegen solche reinen Kommerzkästen darlege, die verwaisen, wenn keine Öffnungszeiten herrschen.

Es ist einfach so, dass der kommerzielle Erfolg nicht mal gesichert ist, denn immer mehr solche Zentren buhlen um die Gunst der gleichbleibend zahlungskräftigen Kundschaft. Die Schweizer geben nicht mehr Geld aus, wenn was Neues angeboten wird, nur anderswo. Mal sehen, was die naheliegende Migros erleben wird. Freude dürften wohl die Tausende von Arbeitern der Credit Suisse haben, die nun ihr verdientes Geld praktisch ohne nass zu werden vom Üetlihof zur Sihlcity tragen können. Diese Menschen könnten ihr Leben nun also komplett abhandeln zwischen Arbeitsstelle und Einkaufs- und Erlebniszentrum, alles bestens erschlossen mit in Tiefgaragen einfahrenden Bussen etc.

Toll auch die synthetische Tagesgestaltung des Verkaufspersonals: Irgendwo unten in Sihlcity bei Kunstlicht dahinvegetieren in In-Schuppen der Modebranche oder Boutiquen-Biotopen ... naja, immerhin, die werden vom Klimawandel nichts mitbekommen ...

Was bringen Blog-Netzwerke?

Aufgrund eines Aufrufes zum Thema "Konzentration von Blogs zu ähnlichen Themen" habe ich mir überlegt, was dies bringen kann.

Es ist ein bekanntes Problem. Alleinkämpfer haben wenig Reichweite und wenig Durchsetzungskraft. Grössere Organisationen haben die grössere Reichweite und möglicherwiese etwas mehr Kraft. Dabei geht das Ego des Einzelnen natürlich unter zugunsten des gemeinsamen Ziels. Das klappt wunderbar mit all den Charakteren, die ihre Anerkennung nicht über die Prominenz der Einzelmaske erhalten. Nicht mehrheitsfähige Einzelaspekte, die durchaus wichtig sein könnten, werden unterdrückt.

Ich bin seit über 25 Jahren mit EDV beschäftigt, ich hatte schon mit elektronischen Medien zu tun bevor andere wussten, was eine Mailbox, ein BBS, ein Forum ist. Keines dieser Medien war revolutionär in dem Sinne, dass es etwas bewegt hätte, was die bisherigen Medien nicht schafften. Dasselbe gilt auch fürs Internet oder das Web, das die meisten Leute ja für das Internet halten.

Für mich scheint es daher das wirkungsvollste zu sein, dass allgemeine Suchmachinen die Inhalte schnell indizieren, die themenspezifischen Concentrators Blog-Extrakte redaktionell erzstellen, betreuen und möglicherweise Digests die wöchentlichen Extrakte an wohl eher passive und interessierte Abonnenten in Mailinglisten leiten.

Informationen waren ja schon immer da (es gibt nichts Neues in dieser Welt), auch in meinem Bereich, der Persönlichkeitsentwicklung, dem spirituellen Wissen. Doch Informationen alleine bewirken nichts, erst die Menschen, die damit etwas tun. Es geht ja immer um dasselbe: Bewusstseinsbildung und daraus folgende Taten. Dies kann aber niemandem aufgedrängt werden, denn üblicherweise reagiert der Betroffene dann nur mit Bewusstseinstrübung ;-)

Selbst angenommene Information nützt rein gar nichts, wenn man nichts damit tut. Erst durch Tun wird Information zu Wissen, zu Erfahrung. Und erst durch Tun ändert sich was. Bei mir und im von mir erreichbaren Umfeld. Ob sich meine Reichweite mit diesem Blog erweitert hat, weiss ich nicht und spielt auch keine Rolle. Denn meine Motivation und Belohnung hole ich nicht aus dem Blog, aus der Vernetzung oder dem Internet.

Es nützt also zumindest im Internet nicht viel, Organisationen aufzubauen, die vernetzen und damit Hierarchien aufbauen sollen. Für die Vernetzung ist das Mittel der Link, und damit kommt jeder Surfer schon enorm weit, denn genau das ist das Internet: Keine Hierarchien. Reicht das nicht, sucht er wirklich mal nach Material zu neuen Merkwörtern, so helfen Suchmaschinen. Meines Erachtens ist also alles schon da, um viele Menschen im Internet zu verknüpfen.

Damit ist wie gesagt ja noch nichts erreicht. Das TUN ist das wichtige. Wenn mir etwas an Information fehlt, um meinen Wunsch nach Tun zu realisieren, dann gehe ich ins Internet, suche danach und finde meistens all das, was ich brauche. Egal, ob es in einer Einzelseite steht oder bei umfangreichen Organsationen.

Es geht eben nicht darum, dass ich anderen meine Sicht oder mein Wissen aufdrängen kann, um etwas zu erhalten, zu bewirken, auszulösen, sondern dass meine Informationen gefunden werden von dem, der sich jetzt dafür interessiert.

Denn obwohl ich mein Wissen gerne teile, ich es sogar gerne anbiete, überlass ich es den Lesern, also Ihnen, damit etwas anzufangen. Denn, wieso und wozu Sie das lesen, das weiss ich ja nicht ... :-)

Ich hoffe, dass Sie sich für sich selbst und Ihre Umgebung interessieren. Dann habe ich einiges, was Ihnen behilflich sein könnte auf Ihrem Weg. Denn schliesslich habe ich ja schon auch eine Berufung ... :-)

JAM - wieder so ein Gutmensch-Konzept für Afrika?

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Dieser Artikel beschäftigt sich, obwohl für die Verlinkung gesponert, mit einem Thema, das mir schon auch sehr am Herzen liegt. Es geht um die Unterstützung oder "wie hilft man angemessen und nachhaltig".

JAM Schweiz ist seit der Gründung 2006 ein junges Fund-Raising-Projekt einer Einzelperson, das in Südafrika ansässige Personen, die JAM Begründer, finanzieren hilft. Die genannten Personen sollen in verschiedenen Projekten Kinder ernähren, sie ausbilden, Projekte mit Mikrokrediten fördern - und das natürlich mit dme Geld von auswärts, sprich von uns. Laut der publizierten Rechnung erhalten CHF 66 ein Kind dort unten am physischen Leben. Deshalb die Aufforderung von JAM Schweiz, ihnen die CHF 66 zu übermitteln.

Dies ist die Ausgangslage, zu der ich mir einige Gedanken machte, bevor ich es überhaupt akzeptierte, eine Rezension darüber zu schreiben.

Im Kern ist JAM einfach einer von vielen Versuchen, mit externem Geld zu glauben, Afrika in irgendeiner Art und Weise zu helfen. Da wohl keiner der Spender zu den JAM-Gründern runterfliegt und den Einsatz seiner Spende kontrolliert, ist es also wieder mal Glaubenssache, ob man denkt, dass das Geld möglichst verlustfrei eingesetzt wird. Ein anerkanntes Zertifizierungslabel ist auf der Website nicht zu finden.

Auf der Website des JAM-Projektes werden einem die üblichen Allgemeinplätze serviert, dass wir in einer Überflussgesellschaft leben (was ja auch nicht für alle stimmt, siehe "Randständige"), dass es Nahrungsmittel zur Genüge gibt (was sicherlicher stimmt, siehe jeweils Migros und Coop vor Ladenschluss oder Jean Zieglers UNO-Ernährungsbericht) und dass es uns wenig kostet, jemanden mit Geld zu unterstützen (womit die arme Seele beruhigt schla(raf)fen kann).

Wohlgemerkt, ich unterstütze Projekte in verschiedenen Regionen der Welt genauso "nur mit Geld von hier aus", sie mögen vielleicht von der sicher auch nicht schwindsuchtfreien Unesco aus gehen und im armen Osten wie Rumänien, Bulgarien statt des phanstasietreibenden Afrika durchgeführt werden, und sie sind genauso wenig konkret dargestellt. WENN sie klappen, DANN ist es ja wunderbar. Die Frage ist halt, ob es angemessen und vor allem nachhaltig ist, ob sie Lernprozesse anstösst oder die Stagnation einfach am Leben erhält.

Mir scheint wichtig, dass das Lokalitätsprinzip befolgt wird. Also lokal helfen, sich zu helfen. Was JAM macht, ist Entwicklungshilfe. Und zu der sagte letztens sogar ein Afrikaner - ich glaub anlässlich des WEF - "Stop that. It doens't help us. On the contrary". Im Gegenteil. Es musste wohl ein Schwarzer sein, der das sagten durfte, ohne grad in der Luft zerrissen zu werden, einem Weissen wäre wohl übelster Rassismus oder Apartheid vorgeworfen worden. Ich stimme ihm zu und freue mich, dass sich so eine Stimme mal aus Afrika selbst erhebt.

Im Schweizer TV kam letztens eine Dokumentation über die Folgen der Land-Enteignung in Zimbabwe, die von Mugabe zum Wahlerfolg genutzt wurde, nach seiner Ernennung allerdings versackte in profanem Klandenken, Vetterliwirtschaft halt. Die gut funktionierenden, von Weissen betriebenen Landwirtschaften wurden in seine Familie verteilt und die wirklich gut arbeitenden und ausgebildeten schwarzen Angestellten gefeuert, teilweise gefoltert, gar ermordet unter dem Vorwurf des Fraternisieren, so dass sie nun zwar im eigenen Land von den Weissen befreit leben, dafür keine Arbeit und auch keine Perspektive mehr haben. Desmond Tutu sagte im TV sehr bedrückt, dass Zimbabwe von einem wirtschaftlichen Paradies in eine Hölle abrutschte.

So, auch wenn das ein Einzelfall sein mag, es gibt Literatur, die halt nicht so angepasst romantisch ist, die sich beschäftigt damit, wieso Afrika auch Jahrzente nach den sicherlich in vielen Hinsichten entmündigenden Kolonisationszeiten nicht vom Fleck kommt. Da werden die hausgemachten Probleme erwähnt, die von keinen anderen als von den Einwohnern überwunden werden können. Da hilft kein Geld, kein guter Wille.

Wie also hilft man am besten? Ist ein Projekt wie JAM wirklich sinnvoll? Natürlich kann man wieder Mutter Theresa zitieren mit ihrem leicht moralisierenden Spruch. Der mag ja auch stimmen, aber solange man nur Einzelschicksale adressiert, werden strukturelle Probleme nicht gelöst. Und Afrika leidet meiner Meinung nur darunter. Afrika sei ja der fruchtbarste aller Kontinente.

Es ist weiterhin meines Erachtens typisch für die sogenannt erste Welt, dass sie gerne die lokalen Herausforderungen übersieht und ihr Wohlwollen fremden Kulturen aufdrängen will (Entwicklungshilfe, Irak-Krieg, Importzölle, Handelsbeschränkungen, Handelssubventionen etc.)

Wenn man jemandem helfen will, wieso nicht Pfarrer Sieber was vorbeibringen? Der kann's auch brauchen und - hey! - man kann den Erfolg erstens prüfen und eventuell kommt der Dank vom Unterstützten direkt zurück, denn der ist in Zürich, den kann man treffen! Ist das nicht schöner für die Seele als irgendwohin Geld zu schicken und so das Gewissen zu beruhigen?

Es gibt in der Schweiz genug Projekte und Leute, die Hilfe und Unterstützung mindestens genau so nötig haben wie Leute in Afrika, Rumänien, Turkmenistan etc. etc. Nur, damit ist halt für die eigene Seele kein Blumentopf zu gewinnen.

Die entlarvende Frage darf daher lauten: Was tue ich für meine unmittelbaren Mitmenschen? Und wenn's da düster aussieht, was ist also das finanzielle Engagement fürs entfernte Afrika wirklich?

Es ist meiner Meinung immer dieselbe Story: Gobal denken, aber hoffentlich lokal handeln. Oder landläufig zerscht mal vor dä eigene Türe wüsche.

Ob JAM Schweiz das Geld wert ist, kann ich nicht beurteilen. Ich hoffe es, denn natürlich finde ich es löblich, wenn sich dort unten Leute um ihre lokalen Mitmenschen kümmern. Wenn ich dort unten lebte, würde ich es wohl auch unterstützen, aber nicht mit Geld, sondern mit Mitarbeit. Dies ist meine Art.

So darf also wie immer jeder selbst entscheiden, welche Art der Unterstützung er/sie leisten kann.

Was die Eltern alles an ihren Kindern auslassen

Heute im TV über China - und über die USA. In China gebe es eine Stadt, in der die künftigen Gymnastik-Olympiagewinner dressiert werden. Die Kinder dort kommen mit 4 Jahren statt in den Kindergarten in das Bootcamp der strengen Turnerdrillmaster. Die Kinder müssen dort dann Übungen machen, um sie auf Eignung als künftiger Elite-Sportler die Ehre Chinas zu verteidigen. Oft kratzen die Eltern der Kinder alle ihre wenigen Ersparnisse zusammen und haben mehrere Jobs, um die 300 Euro pro Monat aufzubringen, die das Training kostet. Und das, wo sie wohl nicht viel mehr als grad das verdienen.

DIe Kinder müssen also aushalten, was Indoktrination der Lehre und möglicherweise eigene unrealisierte Träumereien in dne Köfper ihrer Eltern für sie ausdenken, und von dem sie wohl noch glauben, es sei sinnvoll für das Kind. Dass die Kinder sogar abends weinen, weil das Training so weh tut, sagen die Kleinen sogar vor der Kamera, wenn die Mutter dabei steht. Dennoch gehen sie weiter hin. Um den Eltern zu gefallen.

In der USA dürfen ebenfalls schon 2-3 Jährige an die als Krümelmonster verkleideten Kraftmaschinen. Die Begründung ist natürlich, dass in der USA die dicken Kinder immer jünger werden. Ob es allen Kindern wirklich Spass macht, wer weiss.

Auch hier müssen Kinder wieder mal ausbaden, was die Eltern nicht gebacken krieg(t)en. Natürlich, das gab's schon immer, gibt's immer noch und wird es wohl auch noch weiter geben. Dennoch, das hindert mich nicht daran, es zu bemängeln.

Wie soll sich der Lauf der Welt ändern, wenn wir es uns erlauben, unsere Vorstellung über die Kinder materialisieren und propagieren zu lassen? Wessen Gedanken bekommen sie denn eingeprägt, von welchen Vorstellungen werden sie sich hoffentlich emotionsfrei trennen dürfen in der Adoleszenz? Und wenn sie es nicht schaffen, geht's so weiter wie bis anhin?

Ich hoffe, dass die USA auf ihrem Burn-the-Fat-Welle nicht den Teufel mit dem Beelzebub austreiben wollen. Skelettschäden verdrängen die der Fettleibigkeit? Gelenkprobleme der mit 20 schon überalterten und auf dem Abfallhaufen landenden Spitzenturner in China? Wir werden ja sehen.

Pfarrer Sieber wird 80 - wer's glaubt

Der Zürcher "Randständigen-Pfarrer" Ersnt Sieber wird 80. Das heisst, sein Körper wird es. Im Geist ist er natürlich einfach, was er ist, ein Mensch, der sich einsetzt für Menschen, die mit der Gesellschaft und deren Regeln nicht so klarkommen, die von dieser als inkompatibel abgetan und an den Rand gedrängt werden werden.

Seine Stimme ist wohl allen Schweizern bekannt im Ohr, sie ist etwas brüchig, aber das schon seit Jahren. Sie ist aber vor allem sehr kräftig und deutlich. Nicht nur akustisch, sondern emotional. Er kann bewegen, aufrütteln. Er tat dies seit 40 Jahren und wird es wohl noch so lange tun, wie der Körper mithält.

Er macht keinen Unterschied zwischen Stand, Geschlecht und Lebensweg. Eine zutiefst menschliche Gabe. Wie schön wäre es, andere agierten gleichermassen.

Zum Glück ist sein Beruf und seine Berufung zeitlos. Happy Birthday to you, Pfarrer Sieber! Bleib aktiv, so dass der Körper eh nichts anderes kann als gesund zu bleiben.

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