Nicht gibt's nicht - für den Geist

Unsere Welt ist voll von Euphemismen. Es ist uns nur nicht bewusst. Oder immer weniger. Es darf klar sein, zu Beginn oder zur Einführung eines solchen Begriffes ist es uns bewusst, dass wir mit der Nutzung eines solchen Begriffes etwas ausblenden wollen. Dieses Etwas ist das, was wir nicht (sagen) wollen, was uns nicht gefällt.

Da der Geist ein Erfolmgsmechanismus ist, wird er diesen Wunsch nach Unterdrückung trainieren, und so versinkt mit der Zeit das zu Unterdrückende tatsächlich unter der Wahrnehmungsschwelle des Ich.

Das Unerwünschte ist natürlich immer noch da, nur das Ich findet es nicht mehr. Zu esoterisch? Wie steht es denn mit diesen altäglichen Begriffen?

"Nicht schlecht", "nicht gut", "aber", "ich will nicht ...", "so ist es nicht", "ich höre zu", "ich bin aufgeschlossen", "ich weiss", "ich versuche es", "ich verspreche", "Gewinnwarnung", "Kollateralschaden", "Klimawandel", "Migrationshintergrund", "Ich bin doch nicht blöd" etc.

Ich mache jeweils das Spiel in Kursen: Ich fordere die Anwesenden auf, sich und ihre Gedankenvorgänge zu beobachten bei den zwei folgenden Fragen: "Bitte stelle dir einen Elefanten vor". Dann frage ich ein paar Leute nach dem Bildern, die kamen. Es geht mir dabei darum, dass sie bemerken, wie schnell das Unterbewusstsein Material liefert - und das nota bene bei jedem Reiz, jederzeit und überall, nicht nur bei dieser Frage. Was es liefert, das ist eine andere Geschichte und fast immer individuell.

Dann stelle ich die Frage: "Bitte stelle dir keinen Elefanten vor".

Bei den wachen Personen macht es dann gelegentlich "klick" und eine Erkenntniskette beginnt zu Laufen ... schon mal gut in so einem emotionsfreien Beispiel. Ob die Ichs etwas daraus nehmen und für ihre eigene Zukunft realisieren wollen, ist dann wieder die Sache des Ichs. Vorderhand.

Unausgeglichenheit

Im Geschäftsleben muss man sich ja schon oft zusammennehmen. Heute musste ich eine Mail beantworten, in der ganz offensichtlich jemand über uns an einen Geschäftspartner schrieb.

In der Firma, in der ich auch mitwirke, stellen wir Abrechnungen aus, die einen Standardpassus haben. Wir nehmen mit unserem Service Geld ein, das wir nach Abrechnung an unsere Kunden auszahlen. Diese Abrechnung hat den Abschlusssatz, dass sie innert 5 Arbeitstagen bestätigt werden muss. Im normalen Geschäftsleben weiss man an sich, was eine Klausel ist, dass man auch ohne Probleme mit dem Gegenüber Verlängerungen finden kann, andere Vorgehensweisen halt.

Statt dass wir nun von diesem Menschen direkt die Anfrage nach Verlängerung erhalten hätten, beklagt der sich bei seinem Geschäftspartner und lästert über uns. Der Geschäftspartner hat uns diese Mail einfach weitergeleitet - was ja auch schon einiges zu deuten liesse.

Wie auch immer. Diese Person, mit der wir ja direkt zu tun haben, hatte also nicht den Mut, oder was auch immer, uns nach Änderungen der Modalitäten zu fragen. Aber über uns ablästern bei anderen, das kann er.

Ich persönlich möchte solche Dinge eigentlich gar nicht erst erfahren, denn sie lassen mich fast wieder mal verzweifeln an der Unfähigkeit, eigene emotionale Situationen zu erkennen und auszugleichen. Ich würde ihnen sagen wollen "Gefällt es dir, so mit anderen umzugehen? Bringt dich das weiter, erst recht, wenn andere es weiterleiten?". Eigentlich kann ich mir nicht vorstellen, dass ein Mensch das tun will. Er bemerkt doch (in wachen Minuten), dass es nachteilig ist für den Umgang mit seinen direkten Gegenübern.

Als Martin habe ich damit oft immer noch Mühe, als Bewusstseinstrainer ist das eine andere Sache. Als Martin überlege ich mir auch, soll ich nun reagieren, soll ich mich aufregen, soll ich ihn abwerten. Als Bewusstseinstrainer sieht Martin das natürlich anders, neutraler. Und der sagt dem Martin, dass er sich überlegen soll, was es ihm bringe, wenn er sich denn aufrege. Ob er sich nicht schon selbst so benommen habe, wie diese Person. Und - oh Wunder - natürlich hat sich Martin auch schon so benommen. Heute erlaubt er sich das allermeistens nicht mehr. Aber er weiss auch, dass es nicht von heute auf morgen kam, diese Ausgelichenheit. Dass er kräftig üben musste und immer noch muss, die überfallartigen emotionalen Schübe auslaufen zu lassen.

So nützt diese Mail hauptsächlich Martin, dass er erkennen kann, dass es ihn immer noch erwischen kann, wenn andere Leute Zeug erzählen, was ihm nicht passt. Wie wenn das geschriebene Wort einen Menschen in Stein meisseln würde ... und ich tatsächlich keine Launen mehr hätte. Der Bewusstseinstrainer lacht über Martin. Und dass Lachen ansteckt, weiss zum Glück auch jeder.

Dass ich hier drüber geschrieben habe, half also am meisten dem Martin. Dem der Bewusstseinstrainer wie jedem anderen auch mal sagte, "schreibe einfach nieder, was dich bewegt. Es wird in den meisten Fällen wenigstens weg aus dem Pol in die Mitte führen, in der wieder Abstand einkehrt.". Wie recht ich doch hatte ... :-)

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